Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1879)
- Date
- 1879-09-23
- Page
- Seite 615 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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615 Frankfurt a. M, 9. September. (Erklärung.) Die unterz. Verwaltung der „Achawa" erklärt hiermit der Wahrheit gemäß auf das Bestimmteste, daß ste niemals mit der Gesellschaft Victoria einen Vertrag abgeschloffen hat und ebensowenig gewillt ist, einen solchen einzugehen. Das Vorgehen des Herrn Klingenstein war uns unbekannt und ist daher für uns auch nicht verpflichtend. Die Verwaltung der „Achawa", u. i. d. N. Adolf Tebll'e, I. Blum, Vorsitzender. Schriftführer. Hannover, 7. September. In der kürzlich stattgefundenen Clubversammlung der geographischen Gesellschaft zu Hannover hielt Herr Kettler einen Vortrag über die Vertheilung der Israeliten in Hannover. In unserer Provinz bilden die Israeliten einen bedeutend geringern Bruchtheil der Bevölkerung als im übrigen deutschen Reiche, nämlich im Jahre 1871 nur 0,65 pCt. (12,788 Köpfe.) Im Jahre 1845) zählte das Königrcich Hannover < *,03 pCt. Juden (11,208 Seelen). Das Wachstfmm der jüdischen Bevölkerung ist also ein nicht sehr erhebliches gewesen. Ucber die Hälfte aller hannoverschen Juden wohnten 1871 in den „selbstständigen Städten" der Provinz (0781 Köpfe): in den letztern bildeten sic 1,90 pCt., auf dem Lande (in den „amtssässigen Stadtgemeinden, Landgemeinden und Gntsbczirken") dagegen nur 0,89 pCt. der betreffenden Gesammtbevölkerung. Unter nnsern Remtern waren bei der Volkszählung jenes Jahres noch fünf gänzlich ohne jüdische Bewohner. Einen größeren Procentsatz jüdischer Bewohner als der Reichsdurchschnitt, also mehr als 1,2 pCt., hatten nur vier Aemtcr aufzuweisen. TM'instadt im September. (Privatmitth.) In einem „Eingesandt" der dahier erscheinenden „Hessischen Landeszcitung" vom!. d. wird aus dem Kreise Alsfeld (Oberhessen) über einen in Angenrod stattgesundenen Vorfall mit dem dortigen isr. Lehrer berichtet, dem wir Folgendes entnehmen. — Dem an der Simultanschule zu Angenrod wirkenden isr Lehrer wurde vor einiger Zeit der Vorwurf gemacht, als habe er bcn Kindern verboten, den Namen Jesu anszusprechen, und einige Mitglieder des Gemeinderaths, die aus finanziellen Bedenken wünschten, daß die Simultanschule aufgehoben würde, beschuldigten ihn geradehin dieses Vergehens. „Es wurde nun auf Wunsch des betreffenden Lehrers von Seiten der Verwaltungsbehörden sestgestellt, daß jener Vorwurf vollständig mif Unwahrheit beruht, gleichwie durch Gr. Ministerium des Jura, Abtheilung für Schulangelegenheiten, auf Grund des Ergebnisses dieser Untersuchung ausgesprochen ivurde, das; jener dem isr. Lehrer gemachte Vorwurf sich als unerlviesen und unbegründet ergeben habe. Nach kurzer Zeit gelangte denn auch die Geineinde, nachdein sie ihre Kinder auf einige Monate der Schule entzogen hatte, zur bessern Einsicht, und schicktnun seit Juli 1878, nachdem dem bctr. Lehrer die 11. Claffe übertragen war, ihre Kinder wieder regelmäßig zur Schule." Das wäre ganz in Ordnung. Aber der Brief enthält einen Paffus, der einiges Bedenken erweckt. Da heißt es: „Das frühere übliche Gebet der specicll christlichen Schule wurde noch einige Zeit beibchalten, sodann aber zur Abwechselung ein Gebet eingcführt, in welchem nichts mehr Confessionelles vorhanden war, nämlich: „Das tvalte Gott." Dean sieht daraus, daß der isr. Lehrer die christl. Kinder auch Gebete hat rccitiren kaffen, die ja Confessionelles, etwa den Glauben an die Dreieinigkeit oder an die Gottheit Jesu, enthielten. Nun sollten doch Kinder nichts beten, was nicht Ucberzcugung des Lehrers, was hingegen hier sicher nicht der Fall ist. Da fragt es sich sehr, ob ein isr. Lehrer dies thun soll, thun darf. -- Die Anstellung jüdischer Lehrer an Simultanschulen, an welchen nicht das Fachsystem cmgcführt ist, führt 51t manchen Jnconvenienzen. Homburg v. d. Höhe, 10. September. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde hat ihr früheres, in einem Hofe gelegenes Schul- und Gemeindehaus, sowie eine alte, verfallene und verwahrloste Mikwah verkauft und ein neues Gemeindehaus, nahe an der Promenade, erbauen lassen. Es befinden sich in diesem sehr practisch eingerichteten Gebäude eine Wohnung für den Pedellen und eine für den Hülfslehrer, ein Sitzungszimmer für den Vorstand, , das zugleich im Winter als kleine Swmgoge dient und zlvei prachtvolle geräumige Schulzimmer. Sodann vier elegante Badezimmer für zlvei gewöhnliche und Zlvei rituelle Bäder; die Heizung hierfür ist unterirdisch und Alles von derselben Firma ausgeführt, die auch die neue Mikwah im nahen Frankfurt eingerichtet hat. Schon jetzt, nach kurzer Zeit des Betriebes, hat es sich bewährt, daß nur durch Ordnung und eine gewiffe Eleganz die darauf bezüglichen schönen und nützlichen Vorschriften unseres mosaischen Gesetzes wieder populair gemacht werden können. Ein neuer Geist regt sich auch in unfrei, Wohlthätigkeitsvereinen: Mißbräuche Ivcrden abgestellt, die Leistungen erhöht und das Vereinsvermögen zu vermehren gesucht. — Gegenüber den großen Verlusten an Steuerkraft und Intelligenz, die unsre Geineinde durch den Wegzug begüterter Familien und namentlich durch die auswärtige Etablirung der meisten unsrer begabten jungen Leute erleidet, ist es doppelt erfreulich, daß inan es versteht, unsre Verhältnisse zu eonsolidiren und unsre Institutionen zu kräftigen, sie den etlva drohenden Stürmen zukünftiger Zeiten lviderstandsfähig zu machen. — Anfangs März b. I. ist Herr Dr. M. Appel, gebürtig aus Fritzlar in Kurhessen, ein Schüler des Breslauer Seminars, als der erwählte Rabbiner unserer Gemeinde in sein Amt cingetrcten. Seine wissenschaftliche Begabung, sein religiös sittlicher Ernst, verbunden mit großer Pflichttreue „ namentlich aber seine gediegenen Leistungen aus dem Gebiete des Unterrichtswescns, stempeln die von uns getroffene Wahl zu einer