Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1879)
- Date
- 1879-09-23
- Page
- Seite 614 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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614 hebräischeil Schriften zusammen. So unter den Rubriken: der es für eine Pflicht, das Schriftchcn, das zugleich so angenehm Mensch, das Leben, Jugend und Alter, Frauen, Liebe und in die Augen fallt, möglichst zu verbreiten, weil es das größere Ehe, Heimath und Häuslichkeit, Weisheit und Wissenschaft, Publicum über den sittlichen Geist des Talmud mehr und Handwerk, Handel und Wandel u. s. w. Der Verfasser beleichter aufklärcn wird, als die ausführlichsten gelehrten Abschränkt sich dabei auf die kürzeren Sprüche und giebt sie in! Handlungen, entsprechender Knappheit des Ausdrucks wieder. Wir halten | Cf. Cif IIIICJ Äl t (XC ßuc ßtd!. Deutschland. Dessau, 8. Sept. (Privatmitth.) Wenn Sic auch den Schilderungen der 150jährigen Geburtstagsfeier Mcndclssohn's aus den vielen Orten, wo dieselben begangen worden, nicht Raum geben können, so hat wohl Dessau als Geburtsort des Gefeierten das Vorrecht, daß die daselbst begangene Festlichkeit eine besondere Erwähnung verdient. Es ist wohl nicht ganz ohne Bedeutung, daß während die K>( ijäfmgc Feier 1825* in der Aula der Franzschule vor sich ging, die diesmalige! in die Synagoge verlegt war. Während also damals Mendels-1 sohn nur vom culturgeschichtlichen Standpunkt angesehen, bic j damalige Festrede von dem Rector am Gymnasium, dem höchst aufgeklärten und humanen Richter, der auch Mitarbeiter der „Culamith" gewesen, gehalten tvurde — bezeugte die gottesdienstliche Feier und die vom Rabbiner 0r. Salseld gehaltene Predigt, daß der regiliös-ethische Gehalt in Mendelssohn und seine Wirksamkeit auf das Judenthunr gewürdigt und ancrkant wird. Das erste Festkleid hatte das einfache Häuschen Rr. 10 der Spital- (Askanischen) Straße angczogen, in dessen kleinem niedrigen Hinterstübchen inmitten irdischer Sorgen und himmlischen Gottvcrtrauens einst die Wiege Moses' stand. An der geschmackvoll decorirten Front des Hauses pranglenzwischen Guirlanden die Jahreszahlen 1720 und 1870, sowie die Buchstaben >1. 31. aus Blättern und Blüthen der Mvrthe gewunden. Der Wirth des Hauses hatte auch die Mcndelssohnstube festlich ausgeputzt, die Büste des Wcltweisen. mit dein Lorbeer bekränzt, stand zwischen brennenden Lichtern und duftenden Blumensträußen, während M.'s Bildniß gleichfalls der Lorbeer umrahmte. Nicht minder anmuthig war die Synagoge, in welcher um 10 Uhr morgens der Fcstgottesdienst begann, mit baumhohen Myrthen, Palmen, Lorbeeren und Granaten aus dem Gewächshause des Vorstehers der israelitischen Cultusgemcinde Herrn B. Hagelberg geschmückt. In der Synagoge hatte sich außer der jüdischen Gemeinde eine große Zahl christlicher Theilnehmer, besonders auch aus den Behörden und Honoratioren, eingesundcn. Tie schwungvollen Festlieder sind vom Vorsitzenden des Vorstandes Herrn W. Wolfssohn verfaßt, und wechselten diese deutschen Gesänge mit hebräischen ab. Das weihevolle Festgebet und die ergreifende Rede des Iw. Salfeld feierten die Verdienste, die sich Moses Mendelssohn um Juden und Judenthum erworben, und stellten ihn als „Regenerator des .Judenthums" dar. Am Abend fand ein Festdiner statt, bei welchem l>r. Salfclds Vortrag über „das Wirken Mendelssohn's als Mensch", sowie musikalische und declamatorische Vorträge die zahlreichen Gäste erhoben und erfreuten. Elbing, 7. September. Viel Aussehen erregt hier eine Erklärung des 9!abbiners 0r. K I ein, der in der Altpreuß. Ztg. Folgendes veröffentlicht: Ein Polizeidiener meldete mir gestern im Laufe des Vormittags, daß die gesummte Geistlichkeit der Stadt, dem Befehl, das ehrwürdige Regentenhaupt am Bahnhöfe zu begrüßen, Folge leisten solle. Ich habe diesen Auftrag ganz natürlich gefunden, hat doch der jüdische Seelsorger mit dem christlichen die hohe Aufgabe gemein, durch Leben und Lehre das Wort Gottes zu bethätigen und zu verkündigen; auch für ihn heißt es: „Es wird befestigt durch Liebe der Thron" i.Jes. 16. 15.) Ferner bin ich es seit Jahren gewöhnt, daß mit gleichem Maße gemessen wird. Die gestrige Asfaire hat mich jedoch eines Besseren belehrt. In der zwölften Stunde hat ein zweiter Beamter die erste Einladung anullirt. Den Grund erfuhr ich nicht, bin darum zum Herrn Oberbürgermeister gegangen, um mich über die Ursache dieses merkwürdigen Verfahrens ausklären zu lassen. Herr Oberbürgermeister war. so freundlich, mir den Bescheid zu geben, das; in dem Reglement nur von der Geistlichkeit beider Eonfessionen die Rede ist und hielt es kaum der Blühe iverth, ein Wort der Entschuldigung über das Mißverständnis; hinzuzufügen. Ich habe kein Recht, oder will es mir jetzt nicht nehmen, meine Meinung über dies Reglement zu äußern. Aber dazu habe ich ein Recht zu fragen: Wäre das Verbrechen ein so großes gewesen, wenn die städtische Behörde, diesmal gegen den Buchstaben des Gesetzes, cs bei der ersten Einladung hätte bewenden lassend Unser allverehrter Kaiser, dessen Herz warnt schlägt für Göttliches und Heiliges, für den es nicht umsonst in der Apostelgeschichte (10, 35) heißt: „Unter allerlei Volk, wer ihn (Gott) fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm", — hätte ganz entschieden nicht die feierliche Stimmung, die sich Aller beim Anblicke des hohen Herrschers bemächtigte, durch den Ruf getrübt: Was will der Jude hier?"