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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-09-23 · Heft 39 (23.9.1879) · p. Seite 611

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 39 (23.9.1879)
Date
1879-09-23
Page
Seite 611 (sequence 3)
Language
German
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611 zu der Erkenntnis; gekommen, das; ein weiterer Widerstand gegen den Willen der Mächte, welchen Voerescu durch seine Mission genau kennen gelernt haben muß, ein Wahnsinn sein würde, welcher den Untergang Rumäniens herbeiführen kann, und daß deshalb die Kammern die Vorlage der Negierung unbedingt annehmen würden, wird mir von anderer Seite mitgetheilt, daß gerade in der neuesten Zeit die russische Partei der Moldau unter Führung des Herrn Gregor Sturdza eine fieberhafte Thätigkeit entwickelt und auch viel Geld verausgabt habe, um die Vertreter der Moldau in ihrem Widerstande gegen die Judenemancipation zu bestärken, damit diese Frage nicht gelöst werden könne. Natürlich ist bei dieser Partei von Vaterlandsliebe keine Rede und die Frage der Judenemancipation nur Mittel zum Zweck. Dieser Zweck besteht in nichts Geringerem, als den Fürsten Karl zur Abdankung zu bewegen, weil man glaubt, daß derselbe nur unter der Bedingung Fürst von Rumänien bleiben werde, das; die Unabhängigkeit des Landes von den europäischen Mächten anerkannt wird. Sollte es gelingen, den Fürsten Karl zu bewegen, das Land seinem Schicksal zu überlassen, so würde damit das bedeutendste Hindernis; der russischen Aspirationen auf die Moldau aus dem Wegck geräumt sein, denn alsdann soll Gregor Sturdza mit russischer Hülse Fürst der Moldau werden, die mit Bulgarien und der Tobrudscha einen V'onföderativ-Staat unter russischem Proteetorate bilden tvürde. Ter österreichlsch-ungarischen Monarchie soll als Preis ihrer Eintvilligung in diese Pläne das Protectorat über die Walachei angetragen werden, deren Re gierung, unter Bestätigung der Verfassung, einem einheimischen Fürsten (an Prätendenten fehlt es auch in der Walachei nicht) übertragen werde» soll." „Es läßt sich leider nicht verkennen, das; eine Anzahl der ehemaligen Bojaren der Moldau und Walachei materielle Vortheile erlangen tvürde, falls Rumänien nicht selbstständig bleiben, sondern theils unter russisches, theils unter österreichisches Protectorat gestellt lverden tvürde, und es ist leider auch richtig, das; unter den Er-Bojarcn sich Leute befinden, welche ihre persönlichen und Kasten Interessen über das Wohl des Landes stellen; ob aber die verwerflichen Pläne .dieser Leute zur Ausführung gelangen können oder nicht, wird nicht sowohl von ihnen als von dem Gesichtspunkte abhängen, von dem man in Berlin und Wien die Absichten des Petersburger Eabinets ansieht." . Die Corrcspondenz beweist nichts weiter, als daß der ganze Vorgang, wie wir von Anfang an behaupteten, nichts tveiter als ein rumänisches Jntriguenspicl ist, in welchem die politischen Parteien sich überlisten wollen, und das; man hierzu nur die Judcnfrage benutzt, so das; hieraus auch hervorgeht, wie die auf die rumänischen Juden gehäuften Dortvürfe nur Berlemndtmgen sind. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 4. September. Es gereicht uns zu einer besonderen Befriedigung, über die Fortschritte zu refesiren, welche die wissenschaftliche Bearbeitung des Talmud macht. Schon im Jahre 1634 drangen tvir darauf, daß nächst der Bibel, für welche damals auf jüdischem Gebiete sehr wenig gcthan war, der methodische Unterricht und die wissenschaftliche Durcharbeitung des Talmuds zum Gegenstände der Bestrebungen gemacht werde. Wir hatten diesen Wunsch lauge Zeit zu wiederholen, ohne daß die Erfüllung erfolgte. In den letzten Jahrzehnten hat sich dies viel günstiger gestaltet und tvir besitzen bereits eine bedeutende Reihe tüchtiger Arbeiten auf diesem Felde, die uns für die Zukunft die dauerndsten Resultate verheißen. Ganz besonders ist cs erfreulich, daß auch in Frankreich neuerdings für diesen wichtigen Zweig der jüdischen Wissenschaft Erkleckliches geleistet tvird, das sich den früheren "Arbeiten des unvergeßlichen Munk würdig anreiht. Erivägt man, daß bis jetzt die jüdische Literatur in Frankreich nur geringe Förderung erfuhr, das; andererseits die deutschen Geistesarbeiten nur wenig in die französischen Kreise dringen, hingegen die französische Sprache durch die ausgebreitete Kenntnis; derselben immer noch einen weltvermittelndcn Charakter besitzt: so tvird man den Werth fcEzWcher Arbeiten auch aus unsrem Gebiete ermessen. Jemehr aber die Kenntnis; des Talmud den allgemeinen Kreisen zugänglich gemacht tvird und zugleich in wissenschaftlichem Gewände austritt, desto eher können wir erwarten, das; die feindseligen Urtheilc über ihn verstummen und das; eine unparteiische Betrachtung desselben Platz greift. Abgesehen hiervon, dienen diese neueren Arbeiten dazu, uns einigermaßen zu entschädigen für das immer mehr abuchmeude Studium des Talmuds, das nicht mehr als intellektuelles und religiöses Erzichmittel betrachtet und nur noch von Denen betrieben wird, welche sich dem rabbiuischen Fache widmen. Das; deshalb der Talmud ein auch für die Laien nicht ganz verschlossenes Schriftwerk bleibe, dazu dienen besonders die Bearbeitungen in den neueren Sprachen und die wissenschaftlichen Darstellungen einzelner talmudischer Diseiplincn. Wir haben hier nun zunächst die bereits in drei Bänden vorliegende französische Uebersctzung des Talmud Jcruschalmi von Mo'i'sc Schwab, Beamten der Nativnalbibliothek in Paris, rühmlichst zu erwähnen. Der erste Band erschien bereits 1671 und enthält die Uebersctzung von Bcrachoth und ztoar ans dem Jerusalemischen und dem Babvlvnischeu Talmud zugleich: Traite des Üeraklioth du Taimml du Jerusalem et du Talmud de Ilaliylonr. traduü pour la prumirre f«»is eu fran^ai* pur MoTse SohwaW, Atta<iid n lu f»ii>li>»- iliuijiie nationale. Paris, 1871. Dieser erste Theil wurde aus Staatskosten in der Rationaldrnckerci in vorzüglicher Ausstattung gedruckt und faßt '»(>(> Seiten itu größten Detav. 3H-

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