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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-09-16 · Heft 38 (16.9.1879) · p. Seite 600

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 38 (16.9.1879)
Date
1879-09-16
Page
Seite 600 (sequence 8)
Language
German
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600 und immer wieder die Juden mit blödsinnigen Behauptungen zu überschütten! Der Stadtrath Meyer Magnus, der vieljährige Vorsteher der hiesigen jüd. Gemeinde, hat am 3. September als Mitglied der Corporation der Berliner Kaufmannschaft sein fünfzigjähriges Jubiläum gefeiert. Von Seiten des Aeltesten Collegiums, dem er seit 21 Jahren angehört, wurde dem Jubilar eine vom Kalligraphen und Miniaturmaler E. Wendel künstlerisch ausgeführte Glückwunsch Adresse überreicht. Der König hat Herrn Magnus den Titel eines Geheimen Commerzienrathes verliehen. — In diesen Tagen feierte Leopold Zunz seinen 85>jähr. Geburtstag. — Dem 56. Jahresbericht der protestantischen Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den Juden zu Berlin pro J878 ist zu entnehmen, daß die Einnahmen zusammen 16,731 M. betrugen und daß 23 jüdische Katcchumenen unterrichtet wurden, wovon fünf die Taufe erhielten, einer demnächst getauft werden soll, während 13 theils entlassen wurden, thcils freitvillig gingen, so daß nur noch drei Juden im Unterricht verblieben. Demnach kostet der Gesellschaft der Uebertritt eines Juden zum Christenthume 3t4<»'/., M. \ Danzig, 2. Sept. Der Abg. Hirsch hat erklärt, daß er eine Wiederwahl in das Abgeordnetenhaus nicht annehmen werde. So viel wir wissen, hat Herr Hirsch nur einmal im Abgeordnetenhause das Wort ergriffen, nämlich bei Gelegenheit des Austrittsgesetzes, wobei er den Wunsch ausdrückte, die jüdischen Krankenanstalten und Schulen mögen verschwinden. Breslau, 4. Sept. Der Justizrath Freund hat die Wiederwahl in das Abgeordnetenhaus abgelehnt. Somit blieben von den früheren Abgeordneten jüdischer Religion nur die Herren Laster und Oppenheim übrig, die sich einer Neuwahl unterziehen werden. Bon», 5. Sept. (Privatmitth.) Aus vielen Gemeinden kommen uns Berichte theils über die stattgefundene, thcils über die noch stattzusindende Feier des 15l »jährigen Geburtstages Mendelssohn's zu. Wir können sie des beschränkten Raumes wegen nicht ausnehmen, noch dazu da die Feier, wie es natürlich ist, in der Form sich ziemlich überall gleichbleibt. An einigen Orten tvar die Feier eine gottesdienstliche, an anderen in öffentlichen Versammlungen, an einigen schloß sich ein Festesten an. Wir wollen hier nur folgende Bemerkung hervorheben. Vergleicht man die Zahl der Orte, an welchen 1829 die Säcularfeicr Mendelssohn's stattfand - es waren dies nur Berlin, Dessau, Dresden und Frankfurt anr Main — mit der großen Zahl der deutschen Gemeinden, welche diesmal dcmjüdischen Philosophen eine Gedächtnißfeier abhielten, so giebt dies ein sprechendes Zeugniß für das Wachsen der Theilnahme, für das stärker pulsirende Leben im Judcnthume, und solch' ein thatsächliches Zeugniß ist von Werth. Köln, 5. Sept, (Privatmitth.) Die gesannnte deutsche ultramontane Presse fährt fort, den erbittertsten Krieg gegen die Juden zu führen und scheut kein Mittel, um die öffentliche Meinung gegen sie zu vergiften. Dieser Theil der deutschen Presse unsrer Tage brandmarkt sich selbst durch dieses Verfahren, das in keinem anderen Lande von den dortigen Organen des Ultramontanismus in gleichem Maße befolgt wird. So bringt die „Köln. Volkszeitung" einen Artikel in dem es heißt: „Zu den Eigenthümlichkeiten der preußischen Armee gehört es, daß, wenigstens bei den Linienregimentern, kein Jude dein Offizierstande angehört. Freilich ist deshalb die Armee doch nicht von dem jüdischen Einflüsse ganz bewahrt geblieben. Gerade die schlimmsten Repräsentanten des Judenthums, welche letzteres am meisten in der Gesellschaft discreditiren und den achtungswerthcn Mitgliedern desselben in der öffentlichen Meinung schaden, die Wucherer, haben Dank der Wechsel- und Wucherfreiheit die Mitglieder des Ofsiziercorps besonders als ihre Opfer ausersehen." Das Ganze läuft darauf hinaus, daß sich in Berlin ein junger Offizier erschossen habe, der ein Opfer des Wuchers gewesen sein soll. Die „K. V. Z." fügt aber selbst hinzu, daß man nicht wisse, ob christliche oder jüdische Wucherer ihn dahin getrieben. Ist dies aber der Fall, mit welchem Rechte leitet dann die „K. V. Z." ihren Artikel in obiger Weise ein? Gehört hierzu nicht eine eiserne Stirn jeder Unparteilichkeit und Gerechtigkeit gegenüber? Gltstcn, 1. September. (Privatmitth.) Eine Mittheilung höchst unerquicklicher Natur ist es, die ich Ihnen heute zu machen habe. In der Nacht vom 28. ans den 29. August d. I. wurde in unserer fast noch neuen und schönen Synagoge von zwei hiesigen Beivohnern eingebrochen und mit wahrem Vandalismus gehaust. Die entwendeten und später in einem der Stadt nahe gelegenen Acker wieder aufgefundenen Werthobjccte zeugten deutlich von der Zerftörungswuth der Räuber neben ihrer Raubsucht. Doch erzählen wir den Vorgang an der Hand der Thatsachen. Dem Svnagogendiener, der, um Vorkehrungen für den Sabbath (ssn ’C'S) zu treffen, in's Gotteshaus getreten tvar, zeigten sich schon an dem in der Vorhalle aufgestellten Cassaschranke erhebliche Spuren eines gewaltsamen Einbruchsversuchs, wobei ihm gleichzeitig das Fehlen der dort angehängten und festgenieteten Armenbüchse aussiel. (Diese und noch eine andere wurden später, ihres Inhalts, etwa 30 Mark, entleert, wieder aufgefunden.) Aber noch viel schlimmer sah es im Innern aus: der Schrank, in welchem die theils sehr werthvollen rCVtö ruhen, war gewaltsam erbrochen, seines Inhalts größtentheils beraubt, und nur ein Theil eines Sammetvorhangs, nachdem die Goldstickereien mit einem Messer herausgeschnitten waren, liegen geblieben. Nur das für TSr-T m war noch unversehrt, wenn auch beschmutzt, vorhanden. Außerdem waren noch folgende Gegenstände annectirt: Zwei silberne Becher,

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