Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-09-16 · Heft 38 (16.9.1879) · p. Seite 594

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 38 (16.9.1879)
Date
1879-09-16
Page
Seite 594 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227231-3227270--37450-3256857
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

594 Leopold Kompert vertreten, der prosaische durch eine beredt' Lessing's völlig fern. Wir haben hierin eine reale Lösung der verfaßte Einleitung von Emil Lehmann eingeführt. Hier- Frage, die mehr Werth ist, als die meisten nebulirenden Unteraus folgt ein „Gedankenschatz aus Lessing's und Mendelssohn's fuchungen über den Gegenstand. Außerdem enthält das Schriften" von Dr. M oritz Brasch mit biographischen Vor-^ Gedenkbuch noch mancherlei intereffante kleinere Gaben. _ bemerkungen, der uns, nach Rubriken geordnet, eine ansprechende' Wir haben oben gesagt, daß wir den beiden Nedactoren den Sammlung von Gedanken beider Geistesheroen über die höchsten aufrichtigsten' Dank für ihre Arbeit zu sagen hätten. Sie Aufgaben des Menschen darbietet. An der Spitze der eigenti haben das Richtige getroffen, und wenn auch noch dieser und lichen Abhandlungen steht „Moses Mendelssohn's providentielle1 jener Wunsch, z. B. das; eine breitere und tiefere Würdigung Sendung" vom Redacteur dieser Zeitung. Aus der langen Lessing's am Platze gewesen wäre, ausgesprochen werden dürfte, Reihe der Artikel heben wir besonders hervor: „Ucber Mendels-! so kann eben in einem doch immerhin beschränkten Raume nicht sohn's Phädon" von Profesior )>r. M. Lazarus; „Moses , Alles geleistet werden. Dieser Dank wird aber nach der Beobach- Mendelssohn als Uebersetzer und Excget" von Ih-. M. A. Goldtung noch erhöht werden muffen, daß die Nedactoren bei den sch midi, eine sehr klare Charakteristik ldie bibliographischen Nogegenwärtigen Schriftstellern nicht die Unterstützung gefunden tizen S. 125 ff. sind mangelhaft, z. B. hinsichtlich Italiens und! haben, die sie bei einem solchen Unternehmen mit Recht er- Englands, aber auch selbst Deutschlands); „Moses Mendelssohn! warten durften, und daß sie daher darauf angewiesen waren, als deutscher Nationalschriflsteller" von A. B ode k, eine sehr zeitviel mehr aus bereits gedruckten Schriften zu reproduciren, gemäße Würdigung; die Beziehungen „Mendelssohn's zu den Er-> als ganz neue Arbeiten zu liefern. Es giebt dies Mancherlei ziehungsresvrmatoren" seiner Zeit schildert in lehrreicher Weise Dr. zu denken, ohne daß damit die Frage berührt würde: ob im Albert Frankel. Derselbe erzählt auch ein Erlebniß Felix Mendelssohn's und verbürgt dessen Wahrheit. Eigenthümlich wäre es allerdings, wenn der große Componist die Bedeutung seines Großvaters erst aus dem Munde eines alten russischen Juden hätte erfahren müssen! Von hier ab wendet sich das Gedenkbuch zu Lessing. Iw. Joäl giebt „Ein Wort gegen Lessing zu Ehren Lessing's", eine Abhandlung zur Vertheidigung der rabbinifchen Exegese, die uns auf eine größere, darin versprochene Arbeit sehr gespannt macht, die wir jedoch an dieser Stelle nicht ganz zweckentsprechend halten. Dankbar können tvir der Redaction dafür sein, daß sie das herrliche Wort Gabriel Riesser's: „lieber Lessing. An die Israeliten Deutschlands" zum Wiederabdruck brachte. Einen würdigen Platz nimmt auch der Vortrag Professor S teinthal's „lieber Toleranz" ein, sowie Professor Wuttke's; „Zu Lessing's Andenken". In den „Gedanken über Lessing's Nathan" von Bcrihold Auerbach findet sich vieles Zutreffende. Auch die von uns früher besprochene, abschließende Abhandlung: „Der Ursprung von der Parabel von den drei Ringen" von Dr. A. Wünsche ist aus den „Grenzboten" wiedergegeben. Es folgt: „Warum ist Nathan ein Jude? Stimmen aus der . Lessing-Literatur, zusammengestellt von JJr.'SC. Bode k." Den specifisch christlichen Ansichten gegenüber hätten wohl mehrere jüdische Stimmen -- außer Goldschmidt — z. B. die unsrige (1878 S. 467, 482 ff.), die E. Lehmann's in seinem Vortrage über Nathan gegeben iverden sollen. Ganz trefflich macht Bodek darauf aufmerksam, das; Lesstng den Juden in der Fabel bei Boccaccio vorfand, also ein Verfahren hätte einschlagen müssen, wie es Shakespeare im entgegengesetzten Sinne vollzog, indem er seinen Shylok aus einem Christen, wie er es geschichtlich tvar, zu einem Juden machte. . Dies lag aber den; Sinne und der Tendenz anderen Falle das Buch bester geworden wäre? Denn daß pc Zum größten Theile nur Gediegenes und Zusammenstimmendes gebracht, haben tvir schon als besonderes Verdienst Hervorgeboben, und weithin Zerstreutes hier gesammelt und sich nahe gegeben zu sehen, ist für die Mehrzahl der Leserzweckentsprechend. Warum wir aber dieses „Gedenkbuch" als eine Festgabe zum bevorstehenden Rösch Haschanah ansehen? Jedermann weiß, wie unruhig wieder das Meer ist, über welches auch unser Schiff einherfährt, wie aufgewühlt die Wellen und wie die Winde schnell sich umherwerfen Zwar ist noch kein Sturm da, und es ragen keine Klippen empor, an-denen man scheitern könnte. Aber der vorsichtige Steuerer weiß doch, wie leicht da die Elemente in eine stärkere Erregung, in einen feindseligern Kampf gerathen können. Von allen Seiten werden die erbittertsten Angriffe auf uns gemacht, man strengt sich an, die nachtheiligsten. Meinungen über uns zu verbreiten und läßt es klar durchblicken, daß man uns vom Boden der Gleichberechtigung wieder verdrängen wolle. Nun, da ist es angemessen, ja erhebend, auf die Zeit znrückzuschanen, in welcher das Fundament zu dem Ausbau des Rechtsstaates und unserer Gleichberechtigung gelegt wurde, sich klar zu machen, daß es der reinste Geist der Wahrheit, des Rechtes und der Menschenliebe tvar, der diesen Grund gelegt und den Bau allmälig, immer unter dem Kampfe gegen Beschränktheit, Ungerechtigkeit, Borurtheil und Haß, aber sicher weiter- und zu der Höhe führte, die jetzt erreicht worden. Da werden wir zugleich gewiß, daß ein solcher Bau auf solchem Fundamente nicht wieder erschüttert, noch weniger umgestoßen zu werden vermöge! Es sind nur die alten dunklen Mächte, die immer wieder heränstürmen,die abeSniemals wieder zur alten Macht und Herrschaft gelangen können. — Und noch aus einem anderen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.