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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-09-09 · Heft 37 (9.9.1879) · p. Seite 587

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 37 (9.9.1879)
Date
1879-09-09
Page
Seite 587 (sequence 11)
Language
German
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587 Wir brauchen gar nicht erst auf die großartigen jüdischen Wohlthätigkeits- und Erziehungs-Anstalten, auf die Hospitäler, Asyle, Schulen rc. hinzuweisen, die z. B. Rew-Orleans enthält, noch auch darauf, daß ein sehr großer Theil der bedeutendsten Groß- und Kleinhandel-Geschäfte hier tvie in den übrigen größeren Städten des Süden gerade von Juden betrieben wird. Auch auf dem Lande, in Louisiana sowohl als in Texas, Alabama, Georgia, Süd-Earolina, Tennessee, bis hinauf nach Wilmington und New-Berne in Nord-Earolina, ist die Mehrzahl aller Geschäftszweige, und besonders der Detail-Handel, in den Händen „unserer Leute." In unserem eigenen Staate z. B., wie auch in Mississippi, ist gerade der jüdische Händler der hauptsächlichste Vermittlerzwischen der Masse der Produzenten und den städtischen Faktoren. < In den größeren Städten des Südens, und in den zahlreichen, an Eisenbahnen gelegenen kleineren Städten, besonders in Texas, wie in Galveston, Houston, Brenham, Dallas u. s. w. ist die überwiegende Mehrzahl der Handelsfirmen jüdisch, und wo die Juden sich nur einigermaßen zahlreich niederlasten, da gibt es auch schmucke Synagogen mit gut besoldeten Rabbinern, und jüdische Schulen mit anständig honorirten Lehrern und vollständigem Lehr-Material. Auch über etwaige sociale Intoleranz, oder über politische Proscription dürfen sich die Juden im Süden nicht beklagen. Es legt ihnen kein Mensch Etwas in den Weg, wenn sie sich um politische Aemter bewerben, als Repräsentanten und Dclegirten in Conventionen und Legislaturen erscheinen, oder »nenn sie^ zahlreich in die Direktorien unserer Banken eintreten. Hat doch unser eigener Staat Louisiana bereits zwei Juden in den Bundesscnat geschickt, Benjamin vor dem Kriege, unb Jonas erst letzten Winter. In wiefern ist also die Lage der Juden im Süden, wie jener Di-. Moses von Mobile in dem Rew-Aorkcr Eongresse behauptet, so „bedauernsiverth," .das; sie entweder „verhungern oder nun Christcnthum übertreten" müßten?! Bonn, 7. September. (Notizen.) Wir Juden in Mittel- und Westeuropa leben allzusehr in der Atmosphäre des Ernstes. In kleinen Gruppen zerstreut und der Oessentlichkeit nahe gerückt, hängen wir viel mehr von der nichtjüdischen Welt ab und sind derselben gegenüber empfindlich und miß-: trauisch. Anders unsre Stannnesgenosseir im Osten, die in größeren Massen zusammen und unter einer nicht sehr civilisirten Bevölkerung, mehr „unter sich" sind und denen daher eine Selbstpersiflage das größte Gefallen erregt. Die „9!. sr. Pr." schreibt: Man schickt uns aus Tarnopol einen Theaterzettel ein, welcher uns die Kunde von einem polnisch-jüdischen Theater bringt. Am 14. d. gab die jüdische Schauspieler-Gesellschaft unter der Direction des „weltbekannten Komikers" Koske Dubenski in Tarnopol die erste Vorstellung. Das Theater! war von dem fast ausschließlich orthodox-jüdischen Publicum zum Erdrücken voll. Es wurden an diesem Abende drei einaktige „Posten mit Gesang," und zwar: „Feivcl Duwid, Feltscher," dann: „Ein Sadagirer Jüd" .und zum Schluste „Madame Smitschek," sämmtliche im galizisch-jüdischen Jargon, gespielt. Tie Madame Smitschek spielte der Komiker Tiegermann, der für diese Rolle, um eine polnische Jüdin naturgetreu vorzustcllen, sich eigens den Kopf rasiren ließ (bekanntlich thun dies die orthodoxen polnischen Jüdinnen.) Die Gesellschaft besitzt keine Damen in ihrer Mitte, und so müssen die Herren in Nöcken und Binden auf der Bühne erscheinen. Tie Vorstellung wird als sehr gelungen gepriesen, und auch an frenetischem Beifallssturm fehlte es nicht. — In Szikszo — so schreibt. man dem Magyar Lapok — hielt dieser Tage der israelitische Schulstuhl eine Sitzung, zu welcher auch der Hauptlehrer der Gemeinde gerufen wurde. - Die Sitzung wurde im Tempel gehalten, wo auch der Lehrer erschien. So wie er aber die Schwelle überschritten hatte, wurde die Thür hinter ihm zugesperrt und die Mitglieder des Schulstuhles sielen über ihn her, packten ihn an der Gurgel und prügelten ihn. Ta er des Angriffs von zehn Gegnern sich nicht zu erwehren verflöchte, schrie er um Hilfe; man hielt ihm jedoch den Mund! zu, und da geschah es, daß der Lehrer die Fensterscheiben einstieß und durch das Fenster hinaussprang wobei er sich eine 1 Pulsader durchschallt. Der Unglückliche rannte in die nächste Apotheke, wo es einem Arzte mir mit Mühe gelang, das Blut zu stillen. Das Verbrechen des Lehrers besteht darin, das; er das Treiben des „Wunder-Rabbi" Hillel in den Zeiumgen geschildert. Gegenwärtig liegt er krank im Hause des Grafen Hunyadv, besten Güte er es zu verdanken hat, gegen Verhungern gesichert zu sein. - - Ueber den früheren preußischen Minister der Landwirthschast läßt sich die edle „Germania" folgendermaßen aus. Bor 5,0—<50 Jahren kam ein jüdischer Handelsmann in den Kreis -Reiste, um sich dort niederzulassen. Das Glück begünstigte ihn, wie manchen seiner Brüder, und nach kurzer Zeit tvar er ein wohlhabender Mann. Bei feinem Tode hinterließ er seinem Sohne große industrielle Anlagen und einige Rittergüter. Ter Sohn, nicht weniger vom Glück begünstigt, crtvarb Gllt um Gilt dazu und wurde vor fünf Jahren in den Rath der Krone berufen. Seirdein hat L)r. Friedcnlhal die Rittergüter Friedrichseck und M'ösen und in den letzten Tagen die Herrschast Deutsch-Wartenberg vom Herzog von Dino für den Preis von M. seinem Besitzthum eiuverleibt. Außer dieser Herrschaft besitzt der Herr Minister im Kreise Reiste neun, im Kreise Grottkau sechs Rittergüter. — Man schreibt uns aus Freiburg in Br. vorn 15. August: In Emmendiugcu verstarb zum tiefsten Bedauern der Bevölkerung der Bczirksarzt I),-. M. Bloch im öl. Lebensjahre, der durch seine große Begabung als Arzt, j durch seine aufopfernde Pflichttreue und unbegrenzte Wohl-

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