Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1879)
- Date
- 1879-09-09
- Page
- Seite 580 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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580 Principe in Einklang bringt. Gott möge Ihre Arbeiten segnen! Gegeben zu Sinai den 11. (23.) August 1879. (Gez.:) Carola Die Vertagung der Kammer bis zum 2. September neuen Styls geschah auf Antrag des Deputirten Pantazi Ghika, tveil viele der Abgeordneten nicht in der Lage waren, sich bis heute bereits in der Hauptstadt des Landes zu den Sitzungen einzufinden, weil der Minister des Aeußern, Herr Boerescu, von seiner die Judenfrage betreffenden Mission an die europäischen Höfe noch nicht zurückgekehrt ist und auch der Minister-Präsident sich seiner Gesundheit wegen noch im Auslande befindet. . Uebrigens wird von vertrauenswürdiger Seite mitgetheilt, daß die Mission Boerescu's in der Hauptsache als mißglückt angesehen werden muß, denn seine Hoffnung, die Signatarmächte des Berliner Vertrags zu einer oberflächlichen Auffassung des Artikels 44 dieses Vertrags zu bestimmen, hat sich nicht erfüllt; außerdem aber soll die Reise Boerescu's nach Petersburg bei dem Cabinet von St. James und noch bei zwei anderen Negierungen ein gewisses Mißtrauen hervorgerufen haben, da Rußland die Unabhängigkeit Rumäniens längst anerkannt hat und bezüglich der Judenemancipation keinen Druck ausübte. Es lag somit der Verdacht nahe, daß Herr Boerescu die Proteetivn Rußlands bei Nichterfüllung einer Bestinnnung des Berliner Vertrags in Anspruch nehmen wollte. Um weiteren Mißverständnissen vorzubeugen, hat der Minister-Conseil Herrn Boerescu telegraphisch nach Bukarest zurückberusen. Derselbe wird seine Reise somit nicht nach Rom, wie er beabsichtigte, ausdehnen können. In Paris hatte Boerescu eine anderthalbstündige Unterredung mit Waddington, erzielte aber kein Resultat. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 27. August. Eine kleine Rast hat auf unserem Redactionstische die zu besprechenden Druckschriften wiederum angehäuft, besonders die Broschüren, deren die jüngste Zeit eine Unzahl producirt hat. Wir werden denselben baldmöglichst gerecht werden. — Zunächst wieder eine „Antwort auf die Schrift von W. Marr": „Wucher und Intoleranz. Von einem Unparteiischen" (Zürich, Verlag-Magazin 1879). Das in schöner, ruhiger Sprache verfaßte Schriftchcn drückt zunächst das Erstaunen darüber aus, daß die Krankheit des Judenhasses in der jüngsten Zeit, nachdem deren radicale Heilung gesichert schien, wieder ausgebrochen ist, und findet die Ursache in der Verleumdung, daß die Juden in großer Anzahl dem Wucher oblägen. Wir halten dies für einseitig. Denn daß diese Verleumdung absichtlich verbreitet wird, ist ein Erzeugniß, nicht die Quelle des Hasses, und daß sie Glauben findet, ist ein Erzeugniß des Vorurtheils. Dieser Haß und dieses Vorurtheil find vielmehr überkommene Uebel, die dadurch genährt werden, daß eine Anzahl Juden in allen ihnen eröffneten Carrieren prosperiren und dies ärgert die Leute. Der Verfasser zeigt dann, daß der Wucher von der Bibel und dein Talmud verurtheilt und verboten wird. Er giebt jedoch zu, daß es unter den Juden viele Wucherer gebe, und erklärt dies theils aus den früheren Verhältnissen, theils aus der noch vorhandenen Orthodoxie, innerhalb derer der ungebildete Jude leicht zu der Vorstellung komme, unsittliche Handlungen durch strenge Beobachtung der Observanzen abzukaufen. Wir unsrerseits, nach den Erfahrungen, die wir in Nord- und Westdeutschland gemacht, müssen nach vollem Wissen und Gewissen die Thatsache selbst leugnen. Die Zahl wuchernder Juden ist gering und stehen dieselben bei ihren Glaubensgenossen selbst in größter Mißachtung. Es scheint aber, daß die Juden selbst durch das vielfache Geschrei über sich irrig werden und schließlich meinen, es müsse doch etwas Wahres daran sein! — Die Geschichte Israels für die israelitische Jugend. Bearbeitet von Dr. G. Wolf, Neligionslehrer der israelitischen Cultusgemeinde in Wien. Sechste verbesserte Auflage. (Wien, Holder, 1879.) Bei der Besprechung der früheren Auflagen dieses Lehrbuches haben wir es für eines der besten, in der Darstellung der biblischen und nachbiblischen Geschichte bis zur zweiten Zerstörung Jerusalems zweckmäßigsten erklärt, und die wachsende Zahl der Auflagen erweist tatsächlich die Nichtigkeit unsrer Ansicht. Der Verfasser ist fortwährend bemüht, sein Werk zu verbessern und den pädagogischen Anforderungen immer mehr zu genügen. Die vorliegende Auflage ist in drei Heften erschienen, von denen das erste den Pentateuch befaßt, das zweite bis zum Tode Salomo's reicht und das dritte die geschichtliche Erzählung bis zur Zerstörung unter Titus führt. Ein viertes Heft wird als Anhang eine kurz gefaßte Geschichte von da bis zu unsrer Zeit bringen. — Die Frau im Talmud. Eine Skizze von I. Stern, Rabbiner in Buttenhausen (Württemberg). Zürich, Verlags-Magazin, 1879. Ter Zweck dieses Schriftchens ist, zu zeigen, wie der Talmud die ethische Macht und Bedeutung des Weibes zu würdigen und bis zu den zartesten Empfindungen hervorzuheben verstand, und da nun eine solche Würdigung der Frau | stets einen hohen Grad ethischer Cnltnr bekundet, so wird man eine solche den, Talnmd zuschreiben müssen. Auf diese Weise wird man dem Talmud gerechter werden, als durch die ausführlichsten Abhandlungen. Der Leser sieht ja hier factisch vor sich, welcher sittliche Geist die Weisen des Talmud erfüllte. Die vorliegende Schrift wollte keine gelehrte Abhandlung j geben, aber der Verfasser verstand es, die zerstreuten Aussprüche und das Weib betreffende Anecdoten in anziehendster Weise