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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-09-09 · Heft 37 (9.9.1879) · p. Seite 578

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 37 (9.9.1879)
Date
1879-09-09
Page
Seite 578 (sequence 2)
Language
German
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618 nach einigen Jahren ist er amerikanischer Bürger und übt alle; Parteien um den kirchlichen Zankapfel, auf die Vergeudung so activen und passiven politischen Rechte frei aus. Wer darf vieler Kräfte und Mittel für den Kampf zwischen Staat und ihn einen „Fremden" nennen?! Es gab eine kurze Zeit, in welcher die Natives eine bevorrechtigte Rolle zu spielen versuchten. Es bekam ihnen aber schlecht. Sie wurden ausgelacht und schnell in den Hintergrund gedrängt. Und ist dies etwa Amerika zum Nachtheil gereicht? Wird die Ehre der amerikanischen Flagge, die Ehre der Union weniger hochgehalten, als die irgend einer Nation, die noch so eifersüchtig auf ihre Nationalität ist? Haben nicht sämmtliche amerikanische Bürger im Secessionskampfe auf der einen wie auf der andern Seite die höchsten Opfer gebracht und Gut und Blut für den Staat hergegeben? Sonderte sich irgend ein Volkselcmcnt, sei cs englisch, irisch, deutsch oder von sonst woher, ab und schloß sich von dem gemeinsamen Ringen nach dem Siege, d. h. nach der Einheit der großen Union, aus? Umschließen nicht unsre großen Parteien Anhänger aus allem Volke? . . . Wer die Geschichte der Eolonisirung Amerikas durchlieft, der wird von der Ueberzeugung durchdrungen, das; es mit all' dieser Faselei von fremden Elementen in einen, Staate nichts sagen will, der Jedem die Freiheit und das Recht in gleichem gesetzlichen Maße zukommen läßt und ihm dafür die gleiche Pflicht auferlegt. Das Interesse aller diesem Staate Angehörigen, und zwar nicht blos das Jntereffe des Verstandes, sondern auch das Interesse des Herzens, wird auf diesem Wege auf's Lebhafteste geweckt und genährt, und die Vorgänge m anderen Staaten rufen den Stolz auf sein amerikanisches Land in Jedwedem hervor. Freilich verschwindet da alle "Neigung zu zünfteln, corporiren, zu Vorrechten, Monopolen, Standesrechten u. s. w. Aber der Staat als solcher erstarkt im Gefühl und Bewußtsein Aller um so mehr. Nicht anders ist es mit der Glaubensfreiheit. Was man auch sagen mag, die Trennung von Staat und Kirche, daß also der Staat Alles, was die Religion betrifft, dem Individuum als dessen Gctvifscnssache überläßt und sich um die religiösen Körperschaften gar nicht kümmert, als höchstens deren Statuten genehmigt, um ihnen in Rechtsfallen einen juridischen Werth beizulegen — dieses in der Union durchgeführtc Princip hat sich als ein großer Segen erwiesen. Als im Beginne des deutschen Kulturkampfes auf dieses Princip hingewiesen wurde, da sagte man in Deutschland: ja, amerikanische Zustände, wie sie aus jener Trennung sich herausbilden, wollen wir nicht! Man hat aber vergebens darauf gewartet, daß man diese „amerikanischen Zustände", die man nicht haben wolle, näher bezeichne. Das hat Niemand gethan. Man begnügte sich mit der Phrase — aber über den Erfolg ist man sich doch nunmehr klar. Wir Amerikaner sagen: nein, eure culturkämpflichen Zustände wollen w i r nicht und können dabei, und zwar nicht blos in Deutschland, sondern auch in Frankreich und Belgien, auf all' die Erbitterung und den Fanatismus der j Kirche Hinweisen! Man werde sich doch endlich klar, daß ^ohne jene Trennung von Staat und Kirche die confessioneüe! Gleichberechtigung niemals zu voller und dauerhafter Wahrheit : wird. Die Religion selbst gewinnt am wenigsten unter der | Einwirkung des Staates und der Gegenwirkung der Kirche — man müßte denn die Religiosität von der einen Seite in der fanatischen Kirchlichkeit, von der anderen in der Freigeisterei! finden. In Amerika hingegen hat das kirchliche Wesen, indem es völlig frei ist, ein genügendes Gedeihen und eine religiöse Einwirkung, gerade weil man sich ihr hingeben oder entziehen kann. Ich weiß, was man mir noch einwenden wird: die Lage der Schwarzen und die nmnnigfaltigen Schwierigkeiten, die diese noch finden. Giebt es doch noch einen Staat in der Union, wo die Verheirathung eines Weißen mit einer Schwarzen gesetzlich streng bestraft wird. Nun, dies ist eine geschichtliche Erbschaft, welche die romanischen Völker von Europa her nach Amerika importirten und womit sie gegebene Zustände schufen, die mit den größten Opfern überwunden wurden und werden. Großartig war der Fortschritt, der durch den Sieg der Nordstaaten in dieser Frage inaugurirt wurde. Es ist daher durchaus nicht fraglich und der feste Wille in allen maßgebenden Kreisen, daß auch die letzten Spuren dieses unseligen geschichtlichen Unrechts beseitigt und verwischt werden. Mögen Sie und Ihre Leser es mir Nachsehen, wenn ich hier und da ein wenig derb geworden. Es ist dies auch amerikanische Art, von Sanunetpsötchen nichts wissen zu wollen. AI. Ai. Bonn, 1. September. Der Kninpf in Rumänien, vm. B ukarest, 2.>. August. Die Kammern sind nach Ablauf der unterm 23. v. M. vorn Fürsten ausgesprochenen einmonatlichen Vertagung heute wieder zusammengetrcten. Die bei der Wiedereröffnung der Sitzungen vom Fürsten erlassene Botschaft besagt, daß die Regierung die Actenstücke über die im Berliner Vertrage auferlegte Revision der Verfassung vorlegen werde, und giebt der Hoffnung Ausdruck, daß die Kammern eine die nationalen Interessen befriedigende Lösung dieser Frage beschließen würden. Nach Verlesung der Botschaft vertagte sich die Deputirtenkammer bis zum 1. k. M, der Senat wird nächsten Montag eine Sitzung abhalten. Ueber die Stimumng in Bukarest und über die Erfolge des Ministers des Auswärtigen auf seiner^ Reise nach den europäischen Höfen lauten die Nachrichten völlig widersprechend. Das gegenwärtige Fusionsmknisterium soll an jeder Einheit

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