Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1879)
- Date
- 1879-09-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Cm imMtciischcs Organ snc alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erickeint wöchentlich einmal in L bi- LV- Dogen. Preij DierleliähriA3Mark. Inierare werden l mit zü Pj. iur die Pernzeile oder deren > Raum berechnet. Alle Postämter und Buchbaudlungen nehmen Bestellungen an. Heransgegeben von Rabbiner 1)r. Ludwig Philippson in Bonn. Brrlag von Baumgörtucr's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen iverdeu mit 12 Mark berechnet. In redactioneNen Angelegenheiten irende man sich an l>r. r. Phllippson in Bonn: binfiditiidi feci Inserate in Tji. . Zvosse i« r'eivzig und dessen -Nialea in Berlin. Breslau rc.! 3iifrrotf, n elcke diSvonnerrlagringehm,! finden in der darauffolgenden Rümmer j Berücksichtigung. 43. Jahrgang. Leipzig, den 0. September 1879. X 37. Inhalt. Leitende Artikel: Eine Stimme aus Amerika. — Ter Kampf in Rumänien. VHI. — Literarischer Wochenbericht. — " *- ' •'- Deutschland: Berlin. Breslau, Angenrod. Dobr^ca, Tuchel. Leipzig. — Oesterreich-Ungarn: Brümr. - — Amerika: Bonn. RewOrlcans. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Ein Bild aus dem'Mittelalter (Fortsi) Zeitnnäsnackrickren Frankreich: Paris. ^?«Aloltc)e Ä-r-lllrel!. Eine Stimme NUS Amerika. Chicago, Ende Juli. Seit zehn Jahren lebe ich in der Union, habe mich dem hiesigen Leben völlig accomnlvdirt und fühle mich mit einein gewissen Stolz als amerikanischer Bürger. Dies verhindert aber nicht, daß ich eine warnte Liebe für mein altes deutsches Vaterland in meinem Herzen trage, und lnich überhaupt für alle Verhältnisse des europäischen Continents auf's Höchste interessire. Und da wird es mir wohl einmal gestattet sein, ntich über zunächst liegende Vorgänge auszulassen, mag man mich auch zu sehr auf amerikanischem Standpunkte finden. Zunächst sei es gesagt, daß uns hier zu Lande die höchste Entrüstung über die Behandlung erfüllt, welche gegenwärtig in Deutschland die Juden erfahren. Man thut sich da etwas darauf zu Gute, daß die Gewissensfreiheit und Gleichberechtigung ein Staatsgrundgesetz geworden. Wie lange dies gedauert, wie schwer sich die Deutschen dazu entschlossen haben, ist bekannt genug. Aber kaum ist dies erreicht, strengen sich nanlhafte Parteien an, nicht blos Alles wieder in Frage zu stellen, sotldern sie wühlen bei Regierung und Volk, um das ebenerlangte Recht wieder zu rtichte zu machen. Auch in England und Frankreich kommt wohl einmal eine judengehässige und vorurtheilsvolle Phrase zum Vorschein. Aber wer beachtet sie! In Deutschland aber werden neuerdings die Juden mit unzähligen Schand- und Vrandschriften überschüttet und ein großer Theil der Presse schmäht und verfolgt sie Tag für Tag, während die liberale Presse schweigt und kein Wort zur Abwehr hat. Es giebt keine Lüge, keine Verdrehung. der Wahrheit, deren man sich nicht gegen die Juden bediente, und die allergemeinsten Mittel werden verwendet, tun sie zu brandmarken. Das deutsche Publicum aber verschlingt alle diese Machwerke mit Behagen und läßt sie. gemächlich auf sich wirken. So geschieht es bei dem „Volke der Denker", bei dem Volke, das sich auf seine Intelligenz, auf die Schöpfungen und Errungnisse derselben so viel zu Gute thut und sich so gern die Tugenden der Ehrlichkeit und Treue zuschreibt — von denen man freilich in der Geschichte Deutschlands schon von der Zeit der sächsischen Kaiser an wenig Spuren findet! Doch ich will diesem gerechten Zorne Einhalt thun und mehr zur Sache kommen. Nichts ist lächerlicher, als die Zähigkeit, mit welcher man in Deutschland die Juden als ein „fremdes" Elentent bezeichnet und behandelt und sich ein Verdienst daraus macht, sie zu „dulden", während jene, doch früher auf deutschem Boden angekommen, als die Ahnen der deutschen Stämme, und seit anderthalb Jahrtausenden Freud und Leid mit ihnen thcilten, auch seitdem man es ihnen gestattet, seit 1813, ihr Blut auf den deutschen Schlachtfeldern verspritzen. Man werfe doch einen Blick auf Amerika! Wer hierher kommt, welchem Lande er auch entsprossen sei, hat sofort die Freiheit der Niederlassung und des ganzen bürgerlichen Lebens und