Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1879)
- Date
- 1879-09-02
- Page
- Seite 571 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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571 Petersburg, 17. Aug. (Berichtigung.) Bezüglich der Correspondenz aus Petersburg in Nr. 31 der Zeitung des Judenthums ist zu berichtigen: Olga Schapiro, die Verfasserin des Nomans: „Eine von Vielen", geborene Kisliakoff, gehört einer alten russisch-polnischen Familie an, hat mit dem Judenthum nur das gemein, daß sie sich vor einigen Jahren mit einem jüdischen Arzte, welcher zum Cbristenthum übergegangen war, Namens Schapiro, verheirathete. Wir können sie also keineswegs zu den Unsrigen zahlen. Dr. L. B. Ieuitleton. Correspondenz. Lehrerversammlung. Eannstadt, 14. August 1879. Heute fand hier die jährliche freiwillige Conferenz der israelitischen Lehrer Württembergs statt. Die israelitischen Kirchenvorsteher hatten hierzu das geeignete Gemeindezimmer im Synagogengebäude -verwilligt. Der Ausschuß des Unterstützungsvereins hatte schon gestern Abend eine Sitzung und Vertvilligte an zehn Wittwen und kranke Lehrer zehn Gaben im Betrage von 75—120 Mark, zusammen ca. 1000 Mark Das Vermögen des Vereins beträgt jetzt 17,00.0 Mark. Zur Versammlung erschienen ca. 20 Collegen, darunter ein Lehrer aus München. Die Mitglieder der K. Israel. Oberkirchenbehörde und des Vorstands der Gemeinde Cannstatt glänzten durch ihre Abwesenheit. Der Vorstand des Unterstützungsvereins, Herr Oberlehrer Liebmann von Stuttgart, begrüßte die Anwesenden mit herzlichen Worten und verlas die Entschuldigungsschreiben mehrerer Collegen. Herr Oberlehrer Stern in Eßlingen referirte über eine Reise, die er im Monat April an verschiedene jüdische Lehrerbildungsanstalten machte. Die israelitischen Schulamtszvglinge Württembergs erhalten ihre Ausbildung im Kön. (evang.) Lehrerseminar zu Eßlingen und erhalten von dem Referenten wöchentlich 10 Unterrichtsstunden in den religiösen Lehrfächern. Es ist nun schon in Württemberg der Wunsch laut geworden, unsere Schulamtszöglinge an einem jüdischen Lehrerseminar des Auslandes ausbilden zu lassen. Herr Stern schilderte nun in einem sehr interessanten Vortrage die Verhältnisse der Seminarien in Karlsruhe, Kassel, Münster, Hannover und Würzburg, den Lehrplan derselben, besonders die Zahl der wöchentlichen Lehrstunden für die religiösen Fächer, immer im Vergleich mit der Ausbildung unserer Schulamtszöglinge. Er resumirte das Ganze in nachstehenden Thesen: 1) Unsere heimische Ausbildungsweise jüdischer Lehrer und Vorsänger — richtig vorbereitet und entsprechend vervollkommnet — ist angemesien den Interessen des Dienstes, wie denjenigen der Lehrer. — 2) Ehrensache der letzteren muß cs sein, dem Stande die geeigneten Kräfte zuzusühren und deren Entwicklung bis zur Seminarzeit zu übernehmen. 3) Das Seniinar hat seine Zöglinge in den Geist des Judenthums und dessen Ouellenschristen einzuführcn und so Geschick wie Liebe des Lehrer-Vorsängers für Amt und Beruf zu wecken und zu fördern. 4) Dem angehenden Lehrer-Vorsänger ist Gelegenheit und Anleitung zur plamnäßigen Weiterbildung zu geben und deren Ausnützung von Seiten der Behörde zu überwachen. 0) Der Lehrerverein mit seinen jährlichen Conferenzen ist ein vorzügliches Mittel der Anregung und Weiterförderung der im Amte befindlichen Lehrer-Vorsänger. Ein Artikel „aus Süddeutschland" in Nr. 32 der „Israelitischen Wochenschrift" gefährdet die Ehre des württembergischen israelitischen Lehrerstandes und bezeichnet die Lehrer als „Subjecte", die nicht nur selbst nicht rituell leben, sondern auch die religiösen Gebräuche in den Augen der Jugend lächerlich machen, und bildete nun den Gegenstand einer erregten Debatte. Die Versammlung betraute eines ihrer Mitglieder mit der Ausführung der nörhigen Schritte gegen diesen Schmähartikel. Lehrer Preßburger in Rexingen begründete nun seinen Antrag auf Gründung eines „württembergischen israelitischen Lchrervereins" und beschloß die Versammlung, einen provisorischen Ausschuß, bestehend aus Elsäßer lLaugheim), Löwenstein (Heilbronn», Preßburger sRexingen), StraßburgerVuttenhausen) mit der Ausarbeitung eines Statuts zu betrauen, das der nächstjährigen Versammlung zur Beratbung vorgelegt werden soll. Es sollten nun noch Thesen des Vorsitzenden über das Thema: „Die israelitische Schule und ihre Lehrer gegenüber dem Karnpfe der Religion, Toleranz und Humanität mit der Negation, Sittenlosigkeit, Inhumanität und Brutalität, besonders in Beziehung der Erscheinungen in Betreff der Juden", berathen werden, mußten aber wegen der vorgeschrittenen Zeit von der Tagesordnung abgesetzt.werden. Ein gemeinschaftliches Mittagsmahl vereinigte sämmtliche Teilnehmer in der Restauration von Killsheim und, wurden dabei die officiellen und viele humoristische Trinksprüche ausgebracht. Der Tag wird allen Theilnehmern in angenehmster Erinnerung bleiben. 36*