Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1879)
- Date
- 1879-09-02
- Page
- Seite 570 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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570 als er einen Kameraden von der „Northern Border Korse'41 Abtheilung in ritterlicher Weise aus dem feindlichen Feuer' herauszubringen versuchte. Der Feind war hinter Schanzen ' aufgestellt, denen man durch einen tiefen Abgrund mit Ueber-! Windung großer Schwierigkeiten nahe kommen konnte. - Als! unsere Leute den Abgrund erreichten, gaben die „Corranas“ in einer Entfernung von 30 Jards Feuer. Durch dieses! Feuer wurde auch der erwähnte Kamerad verwundet. Als Lieutenant Kohn im fortwährenden Kugelregen hervorsprang,1 um den Verwundeten in Sicherheit zu bringen, wurde er von' zwei Kugeln tödtlich getroffen. Ich hatte Gelegenheit, ihn bei! mehreren Gefechten zu sehen, und ich muß gestehen, daß Niemand tapferer Stand hielt. Am Abend vor seinem Falle sprachen wir längere Zeit mit einander, und er sagte mir, er würde bei der Hochzeit seiner Schwester gern anwesend sein, allein er möchte nicht gern feine Stellung auf dem Schlachtfelde verlassen. Ich bemühte mich, ihn zu überreden, daß er sein Entlassungsgesuch rechtzeitig einreiche, damit er noch mit dem Mitte Mai abgehenden Schiffe reisen könne,. wozu er sich auch entschloß. Keiner von uns Beiden glaubte, daß er sein Vaterland nicht mehr sehen werde. Wenn Sie so freundlich sein Iverden, mir die Adresse seines Vaters mitzutheilen, werde ich ihm selbst über den traurigen Fall schreiben." — Man schreibt uns aus Coblenz: Herr Landgerichtsaffessor B. Götz von hier, welcher im Monat e. sein großes Staatsexamen gemacht hat, fungirt eben als stellvertretender Staatsprocurator und wurde von vielen hier amtirenden, sogar älteren Assessoren zu diesem Amte berufen, weil er cs während der kurzen Zeit seiner amtlichen Thätigkeit verstanden hat, sich die Achtung seiner Vorgesetzten und Collegen in hohem Maße zu erwerben. — Man schreibt uns aus Gießen: Am 6. October c. begeht hier der Großherz. Bezirksrabbiner Dr. Levi sein Mjähriges Amtsjubilaum. Es werden von allen Seiten Vorbereitungen zur Feier dieses seltenen Festes getroffen. Homburg v. d. Höhe, 20. August. Die in Nr. 32 enthaltene, mich betreffende Notiz ist geeignet, ein falsches Licht auf mich zu werfen. Ich ersuche Sie daher höslichst um Abdruck folgender Zeilen: „Der von mir angestrengte Proceß hatte nur den Zweck, einem verleumderischen Gerede, welches darauf berechnet war, meine Autorität in hiesiger Gemeinde zu schädigen, die Spitze abzubrcchen. Diese meine Absicht habe ich erreicht. Jrrthünrlicher Weise berichten Sie, daß „mehrere orthodoxe Rabbiner" in der betr. Sache ein Gutachten abgegeben hätten. Ich bitte, dies dahin zu berichtigen, daß die erwähnte Expertise Don drei Herren abgegeben wurde, von denen der eine zwar orthodox, aber kein Rabbiner, sondern Rechtsanwalt ist, der andere zwar Rabbiner a. D. ist (Dr. Auerbach), dessen Orthodoxie aber ununtersucht bleiben mag, der dritte endlich weder orthodox, noch Rabbiner, sondern Fellhändler ist. Dr. M. Appel, Rabbiner. Vom Rhein, im August. (Literarische Notizen.) Geschichte der deutschen Nationalliteratur des neunzehnten Jahrhunderts, von Ludwig Salomon (Levy LMüller, Stuttgart 1879)." Die thätige Verlagsbuchhandlung hat sich schon durch zahlreiche populäre Veröffentlichungen bekannt gemacht; zu diesen gehört auch die in ihrer ersten Lieferung vorliegende Schrift, die auf acht Hefte berechnet ist. Sie ist offenbar für die Jugend und solche Erwachsene bestimmt, die sich in angenehmer Weise ohne Anstrengung zu belehren wünschen. Von tieferem Eingehen auf die Grundtendenzen der Zeit, der Dichterschulcn und der einzelnen Schriftsteller ist nicht die Rede. Vielmehr werden die letzteren nach ganz zutreffenden Gesichtspunkten gruppirt, ihre Lebensgeschichte erzählt, ihre Werke kurz und angemcffcn gewürdigt. Die einzelnen Proben, die von diesen mitgetheilt werden, sind zu geringfügig, um den Leser in das Wesen der Dichter einzuführen. Der Styl ist anziehend, einfach, frisch. Die Ausstattung des Merkchens ist recht lobenswertb, wenn auch ^ie Porträts in Holzschnitt Manches zu wünschen übrig lassen. Innerhalb der angegebenen Grenzen empfehlen wir das Buch'um so lebhafter, je weniger in den Schulen auf die Literaturgeschichte des neunzehnten Jahrhunderts Rücksicht genommen zu werden pflegt. — Die „Grenzboten" Nr. 28 d. I. bringen einen lesenstvcrthen Aufsatz von Rabbiner Dr. I. Landsberger in Darmstadt: „Der Moses des Michel Angela". Bekanntlich stellte der unsterbliche Bildhauer unsren Gesetzgeber mit ztvei Hörnern an der Stirn dar, während frühere Bildwerke und Gemälde der«, gleichen nicht zeigen. Ter Verfasser erweist nun, das; Michel- Angelo dieses Symbol aus der falschen lateinischen Uebersetzung von 2 Mos. 34, 29 in der Vulgata entnommen hat, tvo das hebräische pp mit cornutus, „gehörnt", übertragen ist. Aus diesem Umstande ergiebt sich aber auch, daß die Auffassung früherer Kritiker von der Situation, in welcher Michel- Angelo sich den Moses gedacht, eine irrige gewesen. Ohne weiter hierauf einzugehen, fügen wir eine Notiz bei, die uns Dr. Landsberger aus Vasari B. V. p. 292 mittheilt: Vasari schildert hier die Statue in allen ihren Theilen und meint, sie sei so köstlich vollendet, „daß man jetzt mehr als je Moses einen Liebling Gottes nennen kann, da er ihm vor allen Andren den Leib durch die Hand des herrlichen Michelangelo zur Auferstehung hat bereiten wollen, und die Juden, Männer wie Frauen, mögen nur fort und fort, wie bis jetzt geschehen ist, jeden Sonnabend in Schaaren zu ihm wallfahrten und beten, sie beten nicht zu einem menschlichen, sondern zu einem göttlichen Werk." Diese Bemerkung Vasari's wird schon sowohl von Bottari, als auch vom Abbate Concielieri stark angezwcifelt, ja geradezu als unglaublich bezeichnet, da, wie sie behaupten, „keinJude in Rom die Kirchenbesucht." Daß Vasari's Behauptung bezüglich der Juden in der That unwahr ist, braucht den Juden gewiß nicht erst klar gelegt zu werden.