Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1879)
- Date
- 1879-09-02
- Page
- Seite 564 (sequence 4)
- Language
- German
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564 Denn nach dem HinLritL Frankens füllte die Stelle des Dirigenten der in diesem Jahre verstorbene Lazarus nur drei Jahre aus, und bis jetzt ist sie noch nicht wieder besetzt, auch ein Lehrer des Talmudischen nur provisorisch angestellt. Möge es bald gelingen, diese beiden für die Lehranstalt so wichtigen Aemter in genügender Weise zu besetzen! — Das Anfangs mit dem Rabbinerseminar verbundene Lehrerseminar wurde nach einigen Jahren aufgegeben, weil die Vereinigung beider Abtheilungen unthunlich erschien. Deshalb hatte die Anstalt nur 40 Schüler in der Lehrerabtheilung, dagegen die stattliche Zahl von 232 in der Nabbinerabtheilung. 62 dieser Schüler wurden nach beendetem vollen Cursus und abgelegtem Rabbinatsexamen entlasten, gegenwärtig zählt das Seminar 26 Schüler. Bekanntlich ist eine verhältnißmäßig große Anzahl als Rabbiner, Prediger oder Lehrer in den namhaftesten Gemeinden thätig. Unter B. werden die Schriften der Lehrer und Schüler des Seminars aufgezählt, unter 0. die Preisaufgaben des Seminars, unter I>. die Bibliothek des Seminars, welche bereits 12,310 Bände und 1440 Broschüren umfaßt. Die Beilagen bringen manche beachtungswerthe Documente. —So ist nach menschlicher Voraussicht dieser Lehranstalt der jüdischen Theorie noch eine weite Zukunft gesichert^ in welcher es ihr an einer tüchtigen Entwicklung, an hervorragenden Lehrern und begabten Schülern nicht fehlen mag! Streitschriften für die Zuden. II. wir daher in keiner Weise verbürgen. Danach soll Marr's Pamphlet die zehnte Auflage erreicht haben — darauf käme es nun wenig an, vielmehr auf die Höhe der Auflagen — er will es als Tractatchen in 150,000 Exemplaren verbreiten wir wollen abwarten, ob er dies ausführen könne - er habe Freunde gefunden und durch diese werde das „antisemitische Wochenblatt" zu Stande kommen — das wird die Welt auch nicht erschüttern — das erste Feldgeschrei, das er erheben wolle, werde sein: „Wählet keinen Juden!" Würde Marr hiermit Anklang und Erfolg finden, so würde dies nicht etwa ein Unglück für die Juden sein, deren Vertreter die Abgeordneten jüdischer Religion ja gar nicht find, sondern nur ein schwerer Schaden für das deutsche Volk. Denn es könnte diesem vor dem Angesichte der ganzen civitifirten Welt nur zur Schande gereichen, sich vor dem Einflüsse von fünf oder sechs Abgeordneten zu fürchten, und dann hat das deutsche Parlament durchaus keinen solchen Reichthum an bedeutenden Parlamentariern, daß es so leichthin eine Anzahl tüchtiger Männer, als solche bezeichnet sie ja eben das Benehmen der Gegner erst recht, entbehren könne. Daß aber ein solcher Mensch, der aus dem Judenhaste und der Schriftstellerei gegen die Juden sich einen Berufs- und Erwerbszweig machen will, nicht durch eine so gelinde Gegenschrift gepackt wird, wie die dritte, nämlich: „Politik und Wucher der Juden von F. X. Hclmdörffer (Freiburg, Trümer, 1879)", ist offenbar. Die Schrift ist in wohlwollendster und gefälligster Weise abgefaßt und hat sicherlich überall das Nichtige ausgesagt. Was sie über die rcichsfreundliche Politik der Juden, gegen die maßlosen Uebertreibungen hinsichtlich der Prcste und des Wuchers darlegt, ist unwiderleglich. Aber was hilft das Unwiderlegliche, wo man auf Widerlegung gar nichts giebt und nichts als Meine Leser müssen verzeihen, wenn ich diesen zweiten Artikel, verschieden von dem ersten, mit einem Gleichniß aus dem! Gift und Galle verbreiten will? Da muß in ein ganz anderes gewöhnlichen Leben beginne. Ich hatte jüngst Veranlastung,? Horn geblasen iverdcn, wenn man gehört sein will und auch in starker Sommerhitze eine Reise zu Wagen zu machen. Die Schmeißfliegen quälten die Pferde erbarmungslos; alle Bewegungen des Schweifes, alles Abwehren mit Blätterbüscheln halfen nur wenig und als wir an's Ziel kamen, rann den Pferden das Blut von Bauch und Schenkel. Jndeß ein paar nur einigen Eindruck machen möchte. Wir sind daher dem Verfaster dankbar verpflichtet; vielleicht trifft seine Schrift auf manchen Zweifler, dem es darum zu thun ist, eine Ueberzeugung zu gewinnen, und da wird das Schriftchen am Platze sein. Uebrigens ist es nicht ohne Fehler. Der Verfaffer scheint Eimer kalten Masters und eine gute Krippe Hafer stellten die anzunehmen, daß der Talmud tvährend der babylonischen Rößlein bald wieder her, und frisch und munter legten sie in! Gefangenschaft entstanden sei. Seite 18 thut .er, als ob in der Abendkühle den weiteren Weg zurück. Ein solcher Schwarin | der Bibel der Wucher nur „dein Freunde gegenüber" verboten von Schmeißfliegen hat sich seit einigen Jahren in unsrem sei. S. 31 meint er, daß „drei Procent Juden im Reiche lieben deutschen Vaterland« auf die Juden geworfen, um sie! lebten", es sind aber nur l*/4 Procent. — in aller möglichen Art zu stechen, zu verletzen, zu schädigen^ Wir verlaffen nun diese ganze Misäre und wenden un§ und wenn sie es könnten — sie können es aber nicht — zu einer wohlthuenden Erscheinung zu, die schon mehrere Male vernichten. Zu den in der jüngsten Zeit am lebhaftesten uns ^ms wahrhafte Freude bereitet hat. Der pseudonyme Gerumkreisenden Brummfliegen gehört nun W. Marr. Daß erihard von Amyntor, über desten „Randglossen zum Buche mehr ausrichten werde, als seine giftigen Genossen, glaubendes Lebens" wir 1876 S. 719, und über deffen „Zug des wir nicht, so vielen Lärm er auch zu machen sucht. Wir er-!Todes" wir 1878 S. 555 berichteten, ist in einer jüngst halten vyn Hamburg eine anonyme Correspondenz, deren Inhalt! veröffentlichten Schrift: „Ans der Bresche", 1l. Aust., Berlin,