Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1879)
- Date
- 1879-08-26
- Page
- Seite 555 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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555 ) ungefähr folgendes: „Indem ich mich in Alhen befinde, fchätze ich mich glücklich, meinen Segen Euer Majestät persönlich ertheilen zu dürfen, welchen Segen ich mit höchster Inbrunst auch über Ihre Majestät die Königin und höchst deren glorreichen Familie erflehe, und erneuere unterthanigst Sr. Majestät die Versicherung meiner Gefühle der Ergebenheit und Treue, wie ich schon die hohe Ehre hatte, sie in Eorfu auszudrücken." Se. Majestät dankte mir und war so huldvoll, mir nicht verhehlen zu wollen, daß Höchstderfclbe diesen Tag nach Athen kam, eigens um mich zu empfangen. Diese Erklärung. der Gewogenheit hatte nach in höchstem Maße gerührt. Der König fragte mich sodann, ob ich zum ersten Male in Athen sei und ob icb blos zum Vergnügen hieherkam. Ich crwiederte bis jetzt die berühmte Hauptstadt Griechenlands Wohl noch nicht gesehen zu haben. Aber eine wichtige Enltussrage nöthige mich, meine Beschivcrde dem Ministerium persönlich vorzubringen. Der König befragte mich nach dem Gegenstand meiner Beschwerde, was ich in kurzen Worten abthat, und als ich des schmeichelhaften Empfanges seitens der Minister und anderer Behörden erwähnte, konnte der König seinen Gefallen darüber nicht verbergen und gab während meiner Ansprache zum wiederholten Male Zeichen der Zustimmung. Er sprach auch unter anderen von der respectiv genügenden Anzahl der Juden, die in der Armee dienen, und sagte, er fei erfreut, das; unter ihnen einige im Range vorrückten. Er versicherte, daß nie mehr in Griechenland ein Unterschied zwischen Bürger und Bürger aus confessioncllcn Gründen eristircn werde, seine Negierung habe immer die isr. Bevölkerung, die er dem Vaterland und der Monarchie treu ergeben weiß, begünstigt, und daß es einer der schönsten Tage seiner Negierung sein, an welchem er Juden Sitz im Parlamente einnehmcn sehen werde. Ce. Majestät richtete auch mehnnals das Wort an meinen Begleiter, Herrn J osua, in der griechischen Nationalsprache. Um die königliche Gunst nicht zu sehr zu mißbrauchen, empfahl ich mich, ein Gebet für das Wohlergehen Sr. Majestät eristirt eine alte jüdische Familie, Namens Sassun, deren Mitglieder sich stets durch große jüdische Gelehrsamkeit und Wohlthatigkeitssinn auszeichnetcn. Ein Abkömmling dieser Familie, Namens Samue! Sassun, sungirt jetzt eben als Chacham Baschi (Ober-Rabbiner) in dieser Stadt. Im Jahre 1840 war wieder ein David Sassun, Sohn des verstorbenen Bagdader Rabbiners Abraham Sassun, Vorsteher der dortigen jüdischen Gemeinde. Eines Tages lud ihn nun der Statthalter, Ibrahim Pascha, ein geldgieriger Beamter, zu sich und forderte von ihm eine enorme Summe Geldes als Anlehen vorgestreckt. David, dem jedoch für sein Geld bangte, erbat sich eine zweitägige Bedenkzeit, die er schlau dazu benützte, um mit seiner Familie und seiner Habe nach Bafsorah und von dort nach Bombay zu fliehen. In dieser Stadt, die nun seine zweite Heimath wurde, gründete er ein Exporthaus für den Verkehr mit dem persischen Meerbusen, wobei er sich colossale Rcichthümer erwarb. Er errichtete dann in den vorzüglichsten Seestädten Indiens und Chinas Comptoirs, und als er 1661 starb, schätzte man sein Vermögen aus drei Millionen Pfund Sterling. Seine Söhne, von denen einer in London wohnt, besitzen schon längst den englischen "Adel und haben jetzt dein verstorbenen Gemahl der Königin Victoria, Prinzen Albert, in Bombay eine colossale Neitcrstatue errichten lasten, die vor einigen Tagen feierlichst enthüllt wurde. Die Söhne David Sassun's sind heute die Nothschilde des Orients. — Die „schwäbische Chronik" berichtet aus Ulm vom 7. Juli über eine Versammlung des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben. Alls diesem Berichte heben wir folgende Stelle hervor. „"Nun erhielt Pros. Vcesenmeyer das Wort, um über einen neu aufgesuudencn jüdischen Grabstein zu berichten, welcher laut entzifferter Inschrift vom Jahre 14.46 stamme, aber seit 1505 mit der als Wappentafel bearbeiteten Rückseite über dem Portal der sog. Schelerci (jetzt Kaufmann Daumcr gehörig) angebracht sei. Bei einer jüngst stattgehabten Ballreparatur dem Könige, der Königin und der königlichen Familie und für! die künftigen Geschicke. Griechenlands verrichtend. Se. Majestät, drückte mir nochmals die Hand und ich zog mich nach halb-! ständiger Unterredung zurück." - Kaum sind wir in unser Gasthaus zürückgckehrt, als ein > neuer Trompetenstoß die Abreise des Königs nach seinen; Lust-, schlosse Decelea verkündete. Ich erfuhr nachträglich, daß Se. Majestät einen Befehl erließ, mir auf meinen Wunsch alle Gemächer des königlichen Palais zu zeigen, von welchem neuen. Beweis königlicher Huld ich aber wegen der kurzen Frist meines Aufenthaltes keinen Gebrauch machen konnte. : sei die mit einer hebräischen Inschrift versehene Nückscite dieser Wappentafel aus kurze Zeit losgelegt und durch Entzifferung der Schrift der Stein als jüdischer Grabstein erkannt tvorden. Es seien schon früher in Ulm 17 solcher Grabsteine ausgesunden worden, über weiche Häßler in den Vereinovcrössentlichungen von 1850 und 1>65 berichtet habe, den 18. Stein habe Redner selbst im Jahre 1860 gedeutet, wie aus dem Vereinsheft von 187<t zu entnehmen sei. Dieser neu gefundene jüdische Grabstein sei wob! bei der 2. Periode der Versolgung, welche die Juden m Ulm im Jahre 1100 zu erleiden hatten, seinem ursprünglichen Zwecke entfremdet tvorden. Jnterestant war hierbei zu vernehmen, wie Kaiser Maximilian, der immer in Geldnölhen war und viel Geld von den Reichsständen ent- Bonn, 14. August. (Notizen.) Die Familie Sastoon lehnte, seine Schulden bezahlte, indem er die Reichsstädte an oder Sassun ist bereits öfter in diesem Blatte ertvähnt worden, das Eigenthum seiner Kammerknechte, der Juden, verwies. Eine ausführliche Notiz findet sich in Folgendem: In Bagdad Nachdem im vorliegenden Falle der Kaiser die liegenden Grunde . n*