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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-08-26 · Heft 35 (26.8.1879) · p. Seite 551

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 35 (26.8.1879)
Date
1879-08-26
Page
Seite 551 (sequence 7)
Language
German
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551 Zum wesentlichsten Theile den Geldumlauf der Nationen regeln, die Reichsbank in Berlin, die Nationalbank in Wien, die Banque de France in Paris, die Bank ot' England in London wagt ja nicht einmal Herr M a rr als jüdische Finanz- Institute hinzustellen. Die hervorragenden Actienbanken, wie die Norddeutsche Bank in Hamburg, die Disconto-Gesellschast und die Deutsche Bank in Berlin, die Creditanstalt in Wien, stehen so sehr unter dem Einfluß von Christen, daß die Annahme nicht so ganz fern liegt, diese „christliche Leitung" sei keine ganz zufällige." Ferner: „Ich glaube annehmen zu müssen, daß dem „Gründungsschwindel^ doch vielfach Unrecht geschehen ist, daß wir demselben doch auch Vieles verdanken, das dem „Taumel der Milliardenzeit" noch manches Lob cinbringen wird." — Und so sei nur noch aus den Schlußworten Folgendes angeführt. „Das Judenthum reicht hinab in die fernste Vergangen - heit, in die fernste Zukunft wird es währen, denn um Ihnen, gnädige Frau, doch auch einen talnmdischen Ausspruch zu citiren: „Auf Wahrheit ist es gegründet, und Wahrheit ist sein Wahrzeichen." „Daß Angriffe und Hetzereien, wie sie die Marr'schen Schmähschriften enthalten, auf Wahrheit nicht beruhen, hat nicht erst die Gegenwart erkannt. Noch ist die Wett nicht zu der Erkenntniß gelangt, was Wahrheit sei. Noch kämpft der Politiker, noch streitet der Jurist, noch forscht der Gelehrte: ihr Kampf, ihr Streit, ihre Forschung gelten der Erkenntniß der Wahrheit. Nicht unbetheiligt sind die Juden an diesem Ringen nach Wahrheit in der Gegenwart, und wenn es wunderbar erscheinen kann, daß, während ringsumher Völker verschloanden, Staaten vergingen. Throne brachen, das Judenthum die Zeiten überdauerte, so erklärt sich dies Wunder der Wett aus seinem nie unterbrochenen Streben nach Wahrheit. Das neu geeinte Deutsche Reich wird nicht die Beute jüdischer Eindringlinge. Wir Alle lverden sein Angehörige des Deutschen Reichs, an dessen Mehrung und Förderung und Besserung Juden wie Christen mit vereinter Kraft, mit gleicher Vaterlandsliebe, ohne Haß und Zwietracht, ohne Rücksichtnahme auf religiöses Bekenntniß urü> Urabstammung nicht als Juden und Christen, sondern als gleichberechtigte und gleichverpflichtete Bürger arbeiten." „Die Nationalität des Staatsbürgers kann durch religiöse Anschauung nicht berührt lverden. So lvenig das Staatsbürgerthum des Christen von seinem Glauben oder Unglauben an die Lehren der Kirche abhängig ist, ebenso lvenig hängt das Staatsbürgerthum des Juden von seinem Judenthum ad. Die jüdische Nationalität hat aufgehört zu sein. Das Judenthum aber, das nicht versiegte auf dem Felsenboden der Verachtung, nicht verdorrte unter dem Sonnenbrände des Haffes, lvird dauern, bis cs seine Mission erfüllt hat, bis alle Bewohner der Erde erkennen, daß Gott einzig ist! und sein Name einzig, bis es keinen Haß mehr giebt, sondcrn nur noch jene Liebe, derer; Dogma schon heute Christen wie Juden gleichmäßig anerkennen: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst." -.Fortsetzung folgt.) i ii cj Aiuxc^ttcßteii/. Deutschland. Berlin, 13. August. (Privatmitth.) Sie gestatten mir gegenlvärtig, wo die reaktionäre Presse täglich ihre Hetzartikel gegen uns losläßt, ich sage mit Recht gegen uns, da sie die wirkliche Schuld irgend Eines gleich auf die ganze Judenheit wirft, jener bisweilen doch ein lvenig auf die Finger zu klopfen, namentlich dem Jesuitenblatte „Gerrnania", das sich ans der! gemeinsten Verleumdung der Juden ein tägliches Geschäft macht. Ueber zwei Erscheinungen klagt dieses Blatt mit himmelstürmenden Seufzern, über die entsetzliche Zunahme der Verbrechen gegen die Sittlichkeit und über die bereits lvachsende Vertheuerung des unentbehrlichen Lebensbedarss. Nun, lvas die ersteren betrifft, können loir ihr doch die Frage stellen: kommt diese erschreckende Unsittlichkeit, dieser verbrecherische Hang zur Unzucht auch von den Israeliten? Das kann sie selbst mit den besten Willen nicht behaupten, da im Gegentheil des sittliche Wesen der Inden durch die Beriihung mit den; modernen Lebe» gelitten hat. Dazu kommt, daß diese Verbrechen in den katholischen Landestheilen noch öfters vorkamen als anderswo, und höchst, höchst selten, fast nie ein Jude dabei sigurirt. Bester thäte freilich das Blatt nicht selbst auf's Fleißigste die Berichte über derartige Schändlichkeiten zu bringen. Was nun die seit der Veröffentlichung des neuen Zolltarifs an vielen Orten steigenden Preise der Lebensbedürfnisse betrifft, so ist es bekannt, daß! sich äußerst wenige Juden mit dem Großhandel.für dieselben, namentlich für alle sog. Colonialwaaren und noch lveniger mit dem derartigen Detailhandel beschäftigen. Also auch hier haben die Juden keiner; Antheil. Dennoch, aus die Unlenntniß der Leser spekulirend, läßt sie sich z. B. aus München schreiben, als ob die Juden vorzugsweise es seien, welche diese Steigerung durch Spekulation herbeiführen. Es ist dies geradezu eine Lüge! — Gießen, 6. August. (Privatmitth.) In diesem Blatte ist kürzlich mit Recht darüber geklagt Word«;, die Aera Falt

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