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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-08-19 · Heft 34 (19.8.1879) · p. Seite 540

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 34 (19.8.1879)
Date
1879-08-19
Page
Seite 540 (sequence 12)
Language
German
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540 wider sie zurückgezogen, mit den Worten: „Nechamiasleben, küß dem gnädigen Herren vom hohen Gericht die Hand." — „Das; schickt sich nicht", erwidert der Kleine, verbeugt sich aber vor dem Richter in anständiger Weise und folgt seiner Mutter. zu können, daß die Regierung sich veranlaßt gesehen, seine Verdienste anzuerkennen, indem sie die Funktionen des Amtes noch erweitert habe, an dessen Spitze er sich befinde. — vermischtes. Eine Hochzeit in Besan^on. Unsre Leser wissen, daß wir Personalien in dieser Zeitung keinen Raum gewähren. In der folgenden Mittheilung, die wir dem «Journal dos Debats vom 29. Mai entnehmen, ist jedoch eine allgemeine Beziehung enthalten, und sie zeigt, wie man in Frankreich literarischen Verdiensten auch bei Juden gerecht wird. Der deutschen Presse gegenüber ist daher die Wieder-! gäbe nicht überflüssig. Montag fand in Besanoon die Hochzeit unseres ehemaligen Mitarbeiters, des Herrn Henry Aron/ Tireetors des Journal officiell, mit Frl. Weil-Picard statt.! Der «Herr Senator Oudet, der Maire der Stadt, war zur Vollziehung der Civiltrauung von Paris gekommen; er hatte es sich zur Ehre gemacht, als Beamter, wie als Freund, der Verbindung dieser beiden so geachteten und seit Generationen in der alten hochburgundischen Stadt verehrten Familien zu präsidiren. Die Zeugen des Herrn Henry Aron waren H. Anatole de la! Forge, Director der Presse im Ministerium des Innern, und! H. Jules Papst, Director des Journal dos I)cbat.s. Die Braut wurde von H. Poubelle, Präfect von Doubs, u. Herr Lissajoux, Rector der Academie, geführt. Der Herr Senator Audet erwähnte mit einigen bewegten, und herzlichen Worten der patriotischen und wohlthätigen; Werke, die das Leben des «H. Weil-Picard ausfüllen und durch j die sein Rame an der Spitze der Wohlthäter von Besam-on verzeichnet ist; dann sprach er von den literarischen und academischen Erfolgen des «Herrn Henry Aron, dessen Vergangenheit die Zukunft zu Gunsten des Departements, das ihn geboren werden sah, garantirt. Die religiöse Eeremonie wurde in der Synagoge mit ungewöhnlichem Pompe gefeiert; alle Rotabilitäteu der Stadt fanden sich dort versammelt. Jeder würdigte den Tact und das Rednertalent des Rabbiners, der mit schönen Worten und! erhabenen Gedanken den jungen Gatten die Pflichten vorführte. ‘ die ihre Religion, ihre Stellung in der Welt und das Ansehen ihrer Familien ihnen auferlegen.! Beim Banquct brachten die «Herren Anatole de la Forge und Lissajoux Toaste auf die Neuvermählten aus. Herr Anatole de la Forge zeigte dem Herrn Henry Aron an, daß der Mi/ nister soeben seine Ernennung zum „Director der sämmtlichen' osficicllen Journale" unterzeichnet habe und fügte hinzu, daß er sich glücklich schätze, ihm an einem solchen Tage aussprechen I O'Connell über die Juden. Im Jahre 18.35 bewerkstelligte Disraeli seinen Uebergang von der radicalen Partei zu den Tories. Er hatte damals sich noch keinen Sitz in, Parlament erobern können, war vielmehr bei drei Wahlen durchgefallen. Bei einer dieser hatte er sich von dem gewaltigen irischen Agitator O'Connell als Radicaler einen Empfehlungsbrief erbeten und denselben drucken und anschlagen lassen. Jetzt als Tory hielt er eine Rede, in welcher er auch von den „blutigen «Händen" O'Connell's sprach, was er, als darüber großer Unwille entstand, dahin erklärte, daß die Folge von O'Connells Politik ein blutiger Bürgerkrieg sein würde. Diese Abschwächung mochte wohl O'Connell noch nicht kennen, als er in Dublin eine Antwort gab. Am Schlüsse seiner Rede gebrauchte O'Coitnell die Wendung, das; Disraeli's Name auf jüdische Abstammung deute. Er erklärte es für thöricht, „jene große Nation, die Juden" zu unterschätzen; sie seien von Menschen, die sich selbst Christen nannten, grausam verfolgt worden, aber die grausanrste Verfolgung bestände in der Verleumdultg gegen sie. Er habe persönlich das Glück, einige jüdische Familien in London zu kennen und vollendetere Damen, humanere, mehr herzensgute, hochgesinntere oder, besser erzogene Gentlemen als die, tvelche sich unter ihnen fänden, habe er niemals getroffen. Niemand tvürde ihn deshalb in Verdacht haben, als wolle er Disraeli un, seiner Abstammung willen herabsetzen. Aber es gäbe auch unter den Juden schlechte Menschen, und es tnüßte ganz sicher einer von diesen sein, von dem Disraeli abstanune. Verlobungsseier beim Rabbi von Sadagura. Am Donnerstag, (3. Juli) wurde die elfjährige Enkelin des bekam,ten „Wunder-Rabbi" von Sadagura mit einem in gleichen, Alter stehenden Knaben in feierlicher Weise verlobt. Zahlreiche Gaste aus Nah und Fern hatten sich eingefunden, um Zeugen dieser mit großen, Pomp inscenirten Feierlichkeit zu sein. Auch der sogenannte Wunder-Rabbi von Wiznitz tvar erschienen. Ganz Sadagura war auf den Beinen, und bis spät in die Nacht hinein wogte die Menschenmenge vor dem „Palais" des Wunder-Rabbi auf und nieder. Es wird wohl zur Feier des Tages tvunderbar viel Branntwein getrunken ivorden sein.

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