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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-08-19 · Heft 34 (19.8.1879) · p. Seite 538

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 34 (19.8.1879)
Date
1879-08-19
Page
Seite 538 (sequence 10)
Language
German
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538 Schweiz. Bern, 29. Juli. (Privatmitth.) In dem radikalen und socialistisch gefärbten I.aeiinuxckol'olul waren jüngst rothe Plakate an den Straßenecken angeheftet, welche die Juden mit dem Tode bedrohten, weil sie die nationale Industrie ruinirt hätten! Nun, was Plakate zu bedeuten haben, hat man jüngst in Brüssel gesehen, wo solche den belgischen König; wegen des neuen Unterrichtsgesetzes mit dem Tode bedrohten.; Sic sind nur Ausfluß ohnmächtiger Wuth und Privatrache. Amerika und England haben sich von der schweizerischen Uhren- ‘ fabrikation emancipirt und liefern weit bessere Arbeit von großer Solidität. Dadurch ist die schweizerische Uhrcnfabrikation, die; im gedachten Orte einen Hauptsitz hat, bedeutend zurückgegangen ■ und dieses für einen Thcil dev Schweiz sehr bedenkliche Resultat, das diese Industrie sich selbst zuzuschreiben hat, wird! nun den Juden in die Schuhe geschoben, weil auch einige Juden die Uhrensabrikation betreiben. Der Concurrenzneid tritt überall mit denselben Tendenzen und Formen auf. Großbritannien. /London, im Aug. Das „.lew. Chron." erläßt in warmen und beredten Worten eine Aufforderung an alle Glaubensgenossen der ganzen Welt, einen allgemeinen Buß- und Bettag zu Gunsten der rumänischen Juden abzuhalten. Wir haben bis jetzt nicht gehört, daß dieser Vorschlag Anklang gesunden hat. Amerika. Ncw-Nork, im Juni In der Repräsentantenkammer der Vereinigten Staaten wurde am 2. Juni folgende Resolution angenommen: Auf den Antrag des Deputirten Cox ist durch den Senat und die Kammer votirt worden des Inhalts, daß die Rechte der amerikanischen Bürger weder im Jnlande noch im Auslande, in was es nur sei, auf Grund ihres religiösen Bekenntnisses beschränkt werden dürfe; daß folglich, wenn die zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland eingeleiteten Verhandlungen nach dieser Richtung hin Schwierigkeiten erheben oder Einschränkungen verursachen sollten, der Präsident aufgefordert wäre, die nothwendigen Schritte zu thun, um aus den beabsichtigten Verträgen jede Beschränkung in der völligen Gleichheit der amerikanischen Staatsangehörigen zu beseitigen, so daß die Gewissensfreiheit der Bürger der Vereinigten Staaten im Auslande ebenso geschützt.sei, wie sie es iin Innern ist. Aegypten. Alexandrien, im Juli. Der neue Khedive hat Herrn Blum (Israelit) auf seinen Posten als Generalsekretär der Finanzen, den er bei dem Staatsstreiche des früheren Vicej königs aufgegeben hatte, zurückberufen. — Zu den anerkanntesten! Advokaten. Alexandriens gehört Herr Lunel, einer unsrer i italienischen Glaubensgenossen. Der neue Khedive hat ihn zum Range eines Bey erhoben. Feuilleton. Der Kuß in der ßtbel. Auch den deutschen Gelehrten ist vielfach die Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit abhanden gekommen, die früher ihr größtes Lob ausmachten! Im diesjährigen Märzheft von „Nord und Süd" giebt Fr. Merkel eine Abhandlung: „Der Kuß, eine anthropologische Skizze". In derselben spricht er auch über den Kuß als Sitte bei den allen Israeliten, natürlich inwieweit wir ihn in der Bibel erwähnt finden. Er sagt da unter Anderen!: „Ein Vater, der seinen Sohn küßt, ist nur beim Evangelisten Lueas zu finden, wo der heimgekehrte und reuige verlorene Sohn mit einem Kusse bewillkomnmet wird"; das heißt also, daß in den Schriften des Alten Testaments solches nicht vorkonune. Da irrt nun der Verfaffer jener Abhandlung gar sehr. Schon 1 Mos. 27, 26. 27 fordert der blinde Isaak den Jakob auf, ihn zu küssen, was dieser auch thut. Bald darauf, 31, 28, macht Laban dem Jakob Vorwürfe, ihm nicht Gelegenheit gegeben zu haben, „seine Söhne und Töchter beim Abschied zu küssen", und 32, I thut er dies wirklich, als er aufbricht, nach feiner Heimath zurückzukehren. 48, 10 küßt Jakob seine Enkel, die beiden Söhne Joseph's, und 00,! küßt Joseph das Antlitz seines todten Vaters. Ferner küßt David den Absalom nach dessen erster Ungnade zum Zeichen der Vergebung (2. Sam. 14, 33), und da Elischa dem Propheten Elijah Nachfolgen will, bittet er, ihm noch Zeit zu lassen, seinen Vater und seine Mutter zu küssen (I. Kön. 19, 20). In letzterem liegt auch schon die Widerlegung, wenn Merkel behauptet, es käme in der Bibel kein mütterlicher Kuß vor; denn analog küßt Ruth 1, 9. 14 die Schwiegermutter die Schwiegertöchter, und ebenso Jithro seinen Schtviegcrsohn Moses (2 Mos. 18, 7). Da wir nun an diesen Gegenstand herangetreten, wollen wir die Notizen über den Kuß, wie er sich aus der heiligen Schrift als vielverbreitete Sitte bei den Israeliten darstellt, sammeln. Es fällt dies um so mehr auf, als in den homerischen Gesängen dieser Ausdruck der Liebe und Freundschaft äußerst selten vorkommt, obgleich die Gelegenheit dazu sich häufig darböte, so daß der Schluß nahe liegt, daß der Kuß bei den alten Griechen

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