Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1879)
- Date
- 1879-08-19
- Page
- Seite 537 (sequence 9)
- Language
- German
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537 Eommissanats rnb des ärztlichen Corps hielten die vier Cordons | des Leichenwagens. Ein starkes Infanterie-Detachement unter! dem Befehle des Herrn von Danian, bildete die Escorte des! Leichenzuges. Auf dem Kirchhof angelangt, hielt Herr Augarde, Schiffslieutenant, am Rande des Grabes eine sehr rührende Ansprache Ein Pelotonfeuer begleitete das Herunterlassen des Sarges in das Grab, vor welchem die Abtheilung Infanterie alsdann vorbeidefilirte. Der Commandant trat sodann vor, um die erste Handvoll Erde auf den Sarg zu werfen. Ein Jeder kam sodann, um ihm zu folgen, sich bemühend, bei dem Todten die abwesende Familie zu vertreten, ebenso wie um durch ihre Achtung vor diesen leblosen Resten die bei den verschiedenen Völker üblichen religiösen Ceremonien zu ersetzen. Dieser junge Marine-Offizier ist eines ruhmreichen Todes verblichen, indem er die französische Fahne bei den Antipoden hoch hielt und seine trostlose Familie im südlichen Frankreich wird die Befriedigung haben, zu vernehmen, daß die militärische Familie des Verblichenen nicht vergessen hat, daß er Israelit gewesen. —. In der Sitzung der Deputirtenkammer vom 30. Juli bei Berathung des Budgets des Auswärtigen sagte der Minister Waddington, aus Rumänien übergehend: Frankreich wolle, daß die Israeliten und Muselmänner als Staatsbürger zugelassen werden sollten, und er hoffe auch auf. ein günstiges Resultat. —. Die Gemeinde zu Lyon hat den Verlust ihres greisen Groß-Rabbinen zu beklagen. Er war der Nestor der französischen Rabbiner und hat in Lyon 30 Jahre fungirt. Gerade am Tage seines Todes veröffentlichte das Journal oi'liciol seine Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion. PlN'lS, 2. Aug. Die Rede des auswärtigen Ministers Herrn Waddington bei Gelegenheit der Veratbung seines Budgets hat allgemein Bcistimmung erhalten. So auch besonders seiue Aeußerung über die Lage der Dinge in Rumänien. Das Journal des Debüts in seinem heutigen Leitartikel äußert sich darüber wie folgt: „Auch die Politik, welche wir betreffs Rumäniens angenommen, steht auf dem Punkte Früchte zu tragen. In diesem Lande ist die Thatsache, der israelitischen Religion anzugehören, eine Ursache einer untergeordneten moralischen, bürgerlichen und politischen Stellung, welche die Ideen und Gefühle des occidcntalischcn Europas verletzt. Dieser Zustand der Dinge muß eines Tages aufhörcn. Ohne Zweifel sind hier beträchtliche Schwierigkeiten zu überwinden; das Werk läßt sich vielleicht nicht mit einem Schlage fertigstellen; aber die Frage ist gestellt und wird nicht verlassen werden, als nachdem sie vollkommen gelöst worden. Rumänien darf nicht vergessen, daß. wenn der Berliner Congreß ihm die Gleichheit für die Israeliten abverlanat hat, er ihm als Austausch die souveräne Unabhängigkeit gegeben und den Besitz der Dobrutscha gesichert hat. . | Paris, 3. Aug. In diesem Augenblicke sind die ofsiciellen! Aeußerungcn der maßgebenden Männer zu wichtig, um nicht? auch den Wortlaut der Rumänien betreffenden Stelle aus der großen Rede des Ministers Waddington in wortgetreuer Uebersctzung wicderzugeben. Er sagte: „Ich komme zu einem anderen Theile des Berliner Vertrages, die rumänische Frage betreffend, die eine brennende ist und um derentwillen die Verhandlungen in Berlin, London und Paris immer noch fortdauern. Ich werde also nur mit Zurückhaltung darüber sprechen, aber ich halte darauf, auszusprechcn, welches Ziel Nur ins Auge gefaßt haben. Sie wissen,!vie interessant und sympathisch diese kleine Nation unsrem Frankreich ist. Wenn es eine Macht giebt, die Rumänien in Berlin vertheidigt hat, so ist cs gerade Frankreich. Der Zuwachs an Land, das es in der Dobrutscha erhalten, verdankt es der Intervention der französischen Bevollmächtigten; wir haben bei dieser Gelegenheit gegen Rumänien unsre Schuld der Dankbarkeit entrichtet. Es blieb noch eine andere Frage übrig, den Bttrgcrstand der Rumänen betreffend und zugleich die allgemeine Freiheit berührend. Wir haben damals nicht geglaubt, als man für Alle Freiheit und Gleichheit verlangte, daß es möglich wäre, diese den Israeliten Rumäniens zu verweigern. Es besteht da eine lokale Schwierigkeit, die, wie ich hoffe, beseitigt werden wird. Wir suchen eine Grundlage, die zu gleicher Zeit für die rumänische Regierung annehmbar sein, sowie den Wünschen von ganz Europa Befriedigung schaffen wird. Deutschland, England, Italien und Frankreich arbeiten in Gemeinschaft daran. (Man darf bei dieser Rede nicht vergessen, was Herr Waddington hier mit Stillschweigen übergeht — nämlich das; auch er cs war, der die Gleichstellung der Inden als Bedingung der Unabhängigkeit Rumäniens beantragte und nachdrücklich befürwortete. —. Vor der Vertagung der Deputirtenkammer brachte noch der Abg. Eh. Boysset einen Gesetzentwurf ein, dessen erster Artikel das Eoncordat mit dem römischen Stuhle anfbeben will, und dessen zweiter Artikel lautet: „Diese Aushebung wird alle ihre Folgen vom I. Januar 1331 an haben. Von diesem Tage an wird weder der katholische noch irgend ein anderer Eultus vom Staate anerkannt und dessen Kosten bezahlt; kein Privilegium der Delegation oder der Ehrenbezeugung wird ihnen zugestanden werden können." Es hat wohl dieser Gesetzentwurf vorläufig keine Aussichten, charakterisirt aber den Parteistandpunkt. Das Judenthum kann dem Ausgang dieser Tendenz ruhig ruschen, da außer Frankreich und Belgien kein Staat der Welt einen Eultusetat für die Juden bat, und auch in diesen Staaten ist er unzulänglich, und kostet die Erhaltung der Gemeinde und ihrer Institute den Mitgliedern derselben bedeutende Opfer. 34