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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-08-19 · Heft 34 (19.8.1879) · p. Seite 536

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 34 (19.8.1879)
Date
1879-08-19
Page
Seite 536 (sequence 8)
Language
German
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r 536 Ivo die Chassidim das Heft in Händen haben. Was und wem durch diese Wahl genützt werden soll, weiß ich nicht. Wahrlich, ich fühle mich ganz frei von irgend einem Vorurtheile gegen welche Partei immer; es ist mir auch nicht unbekannt, daß ein Krakauer Rabbiner, Meisels, Mitglied des ersten österreichischen Reichstages 1-848,9 war. Aber welch ein Unterschied zwischen Meisels und Schreiber! Jener war ein Mann von klarem Verstände, der Sinn für allgemeine Fragen hatte. Er war nicht in der Lage, eine Rede zu halten, aber er wußte, um was es sich handelte, und stimmte dann nach seiner Ueberzeugung und zwar mit der Linken: Herr Schreiber jedoch ist ein Mann von ganz beschränktem Gesichtskreise. Außerhalb des talinudischen Gebietes ist für ihn die Welt mit Brettern verschlagen und wird er deshalb eine lächerliche Figur spielen. Und das ist es, was wir im Interesse der Juden und des Judenthums tief beklagen. Wir halten Herrn Schreiber für klug genug, daß er nicht öffentlich rede, es ist auch nicht anzunehmen, daß er in irgend eine Commission gewählt werden wird, aber es werden sich im Privawerkehr genug Momente finden, die ihn dem Gespött und Gelächter preisgeben werden, und das ism p"i thut uns unter allen Umständen wehe. Wenn ich aber das Vorgehen des Herrn Schreiber und seiner Partei nicht billige, so versiehe ich es doch — unerklärlich bleibt jedoch das Vorgehen der andern Partei, oder um mich richtiger auszudrücken, jener Herren, die mit Beihülfe der Polen gewählt sein wollten. Es war begreiflich, daß vor einigen Jahren, als in Ungarn die patriotische Bewegung entstand, die Juden sich derselben, oft in exalurter Weise, anschloffen. Die Magyaren waren in politischer Beziehung stets freisinnig und waren die Verhältniffe der Juden daselbst bis zum Jahre 1848 besser als in Cisleithanien, und in religiöser Beziehung waren die Ungarn duldsam Es ist zu verstehen, wenn in Böhmen da und dort Juden sich der czcchischen Partei anschließen, denn es giebt auch unter den Ezechen freisinnige Männer, die hussitischcn Tendenzen huldigen, und daher nicht das ausschließliche Heil im Katholicisinus finden. Wie anders jedoch ist es bei den Polen. Was Pole ist, ist durchtränkt von katholischem Geiste, wie sich dies am besten in den Geistes pwducten zeigt; vorn Schullesebuche bis zum Romane und Drama athrnet Alles katholische« Geist; — da ist ein Zusanrnrengehen mit Juden nicht denkbar. Ich rnöchte bei dieser Gelegenheit noch eine andere Frage erörtern. Die Frage, in welcher Weise die Juden in Galizien aus ihrer Versumpfting gehoben werden könnten, beschäftigt nicht blos die jüdischen Kreise, denen das Wohl ihrer Glaubensbrüder am Herzen liegt, sondern auch, wie ich bestimmt weiß, das Ministerium für Cultus und Unterricht in Wien. Bereits vor zwei Jahren wurde ein vertrauenswürdiger Mann (ich habe keinen Grund, seinen Namen zu verschweigen, es ist der Ihren Lesern nicht unbeAmrte I>r. G. Wolf in Wien) von maßgebender Seite eingeladen, sich mit hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten in Galizien in Verbindung zu setzen (wie den alten Mises, Prediger Löwenstein in Lemberg) und von denselben Vorschläge entgegenzunehmen, in welcher Weise die Lage der Juden in dem genannten Kronlande verbeffert werden könnte, die dann als Substrat für Verhandlungen im Ministerium dienen sollten. Bald hierauf traf genannter Herr I)r. Wolf mit Herrn Prediger Löwenstein in Karlsbad zusammen. Selbstverständlich entledigte sich Herr Dr. Wolf seiner Mission und erbat sich ein schriftliches Resumö, was ihm bereitwilligst von Herrn Prediger Löwenstein zugesagt wurde. Dasselbe ist jedoch bis auf den heutigen Tag nicht eingetroffen. Wenn das am grünen Holze geschieht, was soll man vom dürren Holze sagen! Wohl kann es möglich sein, daß gewisiermaßen ein Gesinnungswechsel stattgefunden hat, denn, wie ich hörte, sucht Herr Prediger Lötvenstein in letzter Zeit sich die polnische Sprache eigen zn machen, da er beabsichtigt, in polnischer Sprache zu predigen. Indem er in solcher Weise bestrebt war, sich den Polen zu nähen:, mied er es, mit den Behörden in Wien irgendwie in Contact zu konnnen, uud diese wieder mögen ihn auch nicht mehr für einen überzeugungstreuen Mann halten. Frankreich. Paris, 1. Aug. (Nach den i.-jl.) Ein Marine-Offizier, Israelit, noch sehr jung, ist soeben fern von seiner Familie und von Frankreich, gestorben. Herr Mossi- (Georg — Jacob) Schiffsfähnrich, zweiter Commandant des Orohena, ist am 21. April 1879 im Alter von 25) Jahren, zu Tahiti (französische Niederlassung von Oceanien) gestorben. Mosser war gebürtig in Perpignan. Der „Messager von Tahiti", ofsicielles französisches Organ, drückt sich in seiner Nummer vom 25. April folgendermaßen aus: „Herr Mossö ist im Militärbospital zu Papenton gestorben: seine Bestattung fand am anderen Morgen statt. Die Ordre, derselben anzuwohnen, war durch den Eommandanten der Niederlassungen im Namen der Familie und durch die gegenwärtigen Schiffsoffiziere gegeben. Man weiß, daß die Lokal-Goellette Orohena, deren zweiter Offizier der Verstorbene war, am 9. des laufenden Monats nach den Inseln von Tuamotu abgesegelt ist. Herr Mossö gehörte der israelitischen Religion an; da Tahiti keinen Geistlichen dieses Glaubens besitzt, hat eine eigentliche religiöse Ceremonie nicht stattgefunden. Der Commandant hat den Trauerzug in Person angeführt, zu seiner Seite der Chef des Gerichtes. Die Civil- und Militärbehörden und eine große Anzahl Einwohner folgten. Der Pfarrer und der Vicar der Gemeinde Papente, die Brüder von Ploörrnel, die barmherzigen Schwestern waren unter den Awvesenden, ebenso wie die Geistlichen des! reformirten Cultus. Offiziere der Marine, der Artillerie, des

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