Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1879)
- Date
- 1879-08-19
- Page
- Seite 535 (sequence 7)
- Language
- German
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535 Negierung Sr. königlichen Hoheit des Fürsten entschlossen ist, gleichzeitig ein Mittel ausfindig zu machen, um dem neuen Gesetze eine rückwirkende Kraft aus den Artikel 7 zu verleihen, damit durch eine sofortige Anwendung das neue, in den Artikel 7 einzuführende Princip feine feierliche Bestätigung finde. Was die Einschränkungen betrifft, welche wir auf den Erwerb vom ländlichen Grundbesitz zulaffen, so würde man leicht begreifen, daß diese Frage gegen kein Princip der äußeren Ordnung verstößt, sie würde nur in Uebereinstimmung mit unseren politischen Einrichtungen conservative Maßregeln Hervorrufen. Aus alledem ergibt sich, wie Sie, Herr Gesandter, wohl einsehen konnten, die Notbwendigkeit, in der sich die neue Regierung befand, für eine kurze Zeit die Kammersession zu prorogiren. Wir könnten cs nicht wagen, auf eine so wichtige Discufsion, aus die Lösung einer nach Außen so ernsten und im Innern so gefährlichen Frage uns einzulaffen, ohne unseren Boden genau zu kennen und uns gut vorzubereiten. Wollen Sie in diesem Sinne über unsere Politik und unser Ziel der Negierung, bei welcher Sie beglaubigt sind, Er-! klärungen abgeben und wenn man es von Ihnen verlangt, Abschrift dieser Depesche zurücklassen. Genehmigen Sie u. s. w. i u au (xcßttcßteü. Deutschland. Berlin, G. Aug (Privatmitth.) Den reaktionären Parteien erregt die Kundgebung der gouvernementalen „Nord. Ä. Z " zu Gunsten der Gleichstellung in Rumänien die Galle in äußerstem Maße. Hierin berühren sich die Organe der protestantischen und der ultramontanen Frömmelei und die „Kreuzeitung" liefert mit der „Germania" um die Wette giftige Leitartikel gegen diese Manifestation der deutschen Negierung. Für uns lie,,t hierin ein Bctveis mehr, daß die deutsche Negierung sich den Conservativcn und dem Centrmn durchaus nicht unterwirft, und sich ihrer nur da bedient, wo es ihr zu ihren Zwecken paßt. Daß tvir hierin einen großen Drost finden, wird uns Niemand verdenken. Außer den gewöhnlichen Uebertreibungen der Anzahl und der Verleumdungen der gewerblichen Dbätigkeit der Juden in Rumänien bringen diese Blätter die sonderbarsten Argumente zu Tage, und zeigen, wie gering ihre eigene Logik ist oder tvie schwach sie die ihrer Leser anschlagen. So sagt die „Germania": „Seit wann ist es denn internationales Recht, daß man sich in die inneren Angelegenheiten unabbangiger Staaten mischen kann?" Nun handelt es sich doch eben erst um die Erlangung der Unabhängigkeit für Rumänien, daß bis vor Kurzem niemals ein Staat gewesen ist; dieser unabhängige Staat ist ein Werk der europäischen Mächte und so haben diese doch ivohl das vollste Recht, gewisse Bedingungen aufzustellen. Die bekannte ultramontane Logik wird dies nicht verdrehen können. In dieser Angelegenheit liebäugeln die Ultramontanen denn auch mit Rußland, dem sie sonst in allen Stücken so feindselig sind. Allein Fürst Gortschakoff hat die Congreßacte mit unterschrieben und Rußland hat dieser die größten Opfer gebracht. Somit erkennt es doch die Bestimmung desselben als vollgültig an. — Hierbei sei noch bemerkt, daß jenes edle Blatt eine neue antijüdische Broschüre von dem als Judenfresser schon bestraften Redacteur des „Fränkischen VolkSblattes" ankündigt. Man steht offenbar, daß seit der Schwenkung im Reichstage, welche das Centrum gentacht, seinen Anhängern die Flüge! von Neuem gewachsen sind und ein allgemeiner Sturm gegen die Juden von ultramontaner Seite mit Hülfe der Conservativen und einiger Radikalen geplant wird. OcsLerreich-Nrigarn. AUS Galizien, Anfangs August. (Privatmitth.) sZustände und Verhältnisse.) Der Ausfall der Wahlen für den Reichsrath von Seilen der Juden in Galizien bedarf der Erklärung und ich will versilchen, sie hier zu geben. Sie erinnern sich der Lersamnllung, welche vom Sehomor Isriel einberufen wurde, die zur Verbesserung der jüdischen Zustände in Galizien mehrere Beschlüsse faßte. Zu den wichtigsten derselben gehörten die Errichtung von Rabbiner- und Volksschulen. Hierauf that sich der Krakauer Rabbiner, Herr Schreiber, mit mehreren Gesinnungsgenossen zusammen, denen derartige Bestrebungen ein Greuel sind. Diese erklärten das Judenthum in Gefahr und erließen eine Bannbulle gegen jene Männer, die die angeführten Beschlüsse. faßten Es erschienen dann Replik und Duplik und die Parteien singen an sich noch strenger zu sondern, als die» bis dahin der Fall war. Jnztvischen rückte die Zeit der Reichsrathswahlen heran. Die Partei Schreiber beschloß, ihre Stimmen lieber Christen zu geben, als Männern von »Schomer Israel oder Jenen, die derartige Gesinnungen hegen. Die Männer dieser Partei wieder haben in ihrer Mitte einige ehrgeizige Persönlichkeiten, welche sich vorschoben und amte ^uc autc in den gesetzgebenden Körper gewählt werden wollten. Diese gingen mit den Polen, weil sie von denselben gefördert zu werden hofften. Wie sehr sie sich darin getäuscht haben, ist bekannt, und es siegte blos Herr Schreiber und zwar nach einem zweiten Wahlgange da,