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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-08-19 · Heft 34 (19.8.1879) · p. Seite 532

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 34 (19.8.1879)
Date
1879-08-19
Page
Seite 532 (sequence 4)
Language
German
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532 rumänischen Kammern und vom dortigen Regierungstische aus j eingehendere Erörterungen sich ergeben hätten, aber die prin- \ cipielle Unterwerfung unter den Willen des vereinigten Europa i mußte jedenfalls vorher außer aller Frage stehen und bleiben. ( Verwöhnt durch die bisherige Gunst der Verhältnisse hatte ) Rumänien sich dieser principiellen Unterwerfung entziehen zu dürfen geglaubt, und noch in dem jüngst in einem Auszuge ' mitgetheilten Circularschreiben des damaligen rumänischen Mi- 1 nisters des Auswärtigen, Herrn Campineanu, trat ein neuer ■ Versuch der amtlichen rumänischen Sphären in die Oeffentlich- < feit, mit den europäischen Großmächten in eine Art von Contro- ' verse über die auf Rumänien bezüglichen Congreßbeschlüsse! einzutreten. < Die Würde dieser Entscheidungen muß eine solche nach- ' fragliche Auseinandersetzung unter allen Umständen als unzulässig erscheinen lassen, und es ist wohl kaum zu bezweifeln, daß Herrn Campineanu's Rundschreiben, welches übrigens, wenn wir genau berichtet sind, hier amtlich gar nicht zur Kenntniß gelangte, überall einer gleichen Auffassung begegnete. Die rumänische Negierung in ihrer neuen Zusammensetzung hat sich jetzt mit einem Programme an die Kammern gewendet, in welchem der Bereitwilligkeit zu einer Lösung der Judenfrage im Sinne der Berliner Congreßbeschlüsse Ausdruck gegeben ist. Das eigene Interesse Rumäniens läßt es geboten erscheinen, daß die Ausführung dieser Absicht nicht etwa wieder in parlamentarischen Jntriguen und Fractionsmanövern, wie gewöhnlich, ein unüberwindliches Hinderniß finde. Man sollte an der Dumbowiza sich nicht mit der Ausflucht trösten, daß von einem Zwange für die Ausführung der Congreßbeschlüsse nicht die Rede sein könne und daß Rumänien es demnach Wohl wagen dürfe, seinen Widerstand fortzusetzen. Es ist die erste Lebensbedingung für den modernen Staat, sich den Gesetzen des internationalen Rechtes zu beugen: Rumänien würde seine Gegenwart gefährden und seine Zukunft preisgeben, wenn dort in unbegreiflicher Ueberhebung im Ernst daran gedacht werden sollte, sich selbst dauernd außerhalb der normalen internationalen Beziehungen zu stellen." Der Artikel zeigt, daß man auch in den auswärtigen Aemtern der rumänischen Regierung selbst das ganze Jntriguenspiel zuschreibt, daß man der Circulärnote des Ministers Campineanu keinen Werth beilegt, sondern in ihr einen Beweis für den schlechten Willen der rumänischen Regierung erblickt, und zuletzt tritt er dem Wahne entgegen, als ob Rumänien zur Erfüllung des Artikels 44 doch nicht gezwungen werden könne. Wir haben nun abzuwartcn, welche Wirkung diese Auslastung des ministeriellen Blattes in Rumänien haben wird. Einstweilen versuchen die „Kreuzzeitung" und „Germania" den Eindruck abzuschwächen- und finden nicht Worte der Mißbilligung genug, daß man sich für eine Handvoll polnischer Juden so in den Harnisch werfen könnte — als ob es sich hier nicht um ganz andere Dinge, um die Unterdrückung des Religions- und Raccnhastes im Oriente handelte. Uns im Gegentheil ist dieser Artikel ein neues Pfand, daß es Europa höchster Ernst um die Gleichstellung und besonders um das Princip derselben ist. Die neuesten Nachrichten melden, daß der rumänische Minister des Auswärtigen Boerescu in Wien eintrifft. Derselbe unternimmt eine Rundreise nach den europäischen Hauptstädten zu dem Zwecke, um eine Verständigung mit den Berliner Signatarmächten in Betreff der Durchführung des Artikels 44 des Berliner Vertrages herbeizusührem Ueber die Mission Boerescu's schreibt uns ein Correspondent Folgendes: „Wie es heißt, soll die Reise Boerescu's insofern mit der Lösung der Judenfrage in Rumänien Zusammenhängen, als man rumänischerseits in dem schon mehrfach ventilirten Projecte der Gründung eines Hypothekar-Institutes, welches belastete Realitäten an sich bringen soll, das einzig mögliche Auskunftsmittel erblickt, um die Schwierigkeiten, die der Judenemancipation in Rumänien im Wege stehen, zu überwinden und die Furcht der Bevölkerung vor Entnationalisirung des Grundes und Bodens zu bekämpfen. Herr Boerescu soll nun, nachdem bereits Herr Sturdza kürzlich in derselben Angelegenheit in , Berlin Sondirungen vorgenommen, das Terrain recognosciren, ob die Regierungen dieses Project zu unterstützen geneigt sind, und ob hier und in den erwähnten anderen Städten Capitalskräfte für die Schaffung des projectirten Hypothekarinstitutes zu gewinnen wären." Zu gleicher Zeit wird auch die Fürstin von Rumänien nach Wien kommen, um sich in ein deutsches Bad zu begeben. Graf Andrassy eilt nach Wien, um mit der hohen Frau und dem rumänischen Minister zu conferiren. Vielleicht war es die Bestimmung des obigen Artikels der „N. A. Z", dem rumänischen Minister im Voraus ein Avis zu geben. Uebrigens hat der rumänische Finanzminister Sturdza, der in Eisenbahnangelcgenheiten verhandelte, in Berlin keinen Erfolg gehabt. Daß die Rumänen die Judenfrage benutzen wollen, um eine große Hypothekenbank zu Stande zu bringen, ist abermals recht schlau erdacht. Nur scheint uns der Grund, daß die Juden den größten Theil des Grundbesitzes durch Hypotheken in Händen hätten, zu den rumänischen Erfindungen zu gehören.; Denn da die Juden keinen Grundbesitz erwerben können, was [ nützt ihnen die Hypothek, wenn ihnen kein Zins bezahlt wird? > Daß sie also in Wirklichkeit ihre Capitalien dem Grundbesitz t zugewendet haben sollen, erscheint sehr fraglich und nichts als \ eine irreführende Behauptung. i Bukarest, 4. August. Der neue Minister des Aus- - wärtigen Boerescu hat ein neues Rundschreiben an die : Vertreter Rumäniens erlassen. Die Signatur dieser neuen - Stylübung ist wiederum: „Nichts, gar Nichts!" „Das \ Princip wird angenommen, sofort aber durch

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