Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1879)
- Date
- 1879-08-12
- Page
- Seite 523 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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523 fühlbar machende Mangel an Energie sehr zu bedauern sei, weil dadurch allen Eventualitäten Thür und Thor geöffnet werde. — Amerika. S1 Louis, im Juli. Das „N. Wr. Tageblatt" schreibt: „Ein seltenes Beispiel von Toleranz und dem friedlichen Zusammenleben der Bekenner zweier Confessionen enthalten die soeben hier eingetroffenen amerikanischen Blätter. Dieselben berichten über ein Ereigniß, deffen wir, nach Privatbricfen, vor einiger Zeit bereits gedacht haben. -Denselben zufolge meldeten wir damals, daß in St. Louis, als die dortige Baptistengemeinde durch eine Feuersbrunst ihrer Kirche verlustig ging, die Baptisten ihren Gottesdienst im jüdischen Tempel abhieltcn. Seit damals wurde an jedem Sonntage der baptistische Gottesdienst in dem Judentempel gehalten, bis vor einigen Wochen derselbe in die Beaumont-Kapelle verlegt wurde. Die amerikanischen Blätter berichten nun, daß am 29. Juni Abends die Baptisten von der gastlichen Stätte des Judentcmpels Abschied nahmen mit einem gemeinschaftlichen Gottesdienst. In dem dichtgefüllten Tempel hatten sich Juden und Christen eingefunden und den Gottesdienst versah der Baptistcnprediger Dr. Bohd und der jüdische Rabbiner Dr. S. H. Sonneschein. Beide Priester hielten Predigten, in welchen sie die Toleranz feierten und Dr. Sonneschein speciell wies darauf hin, daß es aus die äußere Form des Gottesdienstes nicht ankomme. Weiter wurden aus dem jüdischen Gesangsbuche Verse gesungen, ferner ein Chor von Beethoven und aus dem baptistischen Gesangsbuch ein stimmungsvolles Lied. Die Journale constatiren, daß dieser Gottesdienst, der erste in seiner Art, einen großen Eindruck auf alle Anwesenden machte, und daß er geeignet sei, religiöse Vorurtheile zu bannen. Aus diesem Grunde wird der gemeinschaftliche Gottesdienst als ein socialpolitisches Ereigniß lebhaft besprochen. Der jüdische Prediger Dr. S. H. Sonneschein, welcher seit einigen Jahren in St. Louis dieses Amt bekleidet und sich dort großen An- A e u i t Correspündenz. Die Jahresversammlung der israelitischen Lehrer Hessens- Cassel, am 7. Juli IS79. Am heutigen Tage fand dahier die Jahresversanunlung oer israelitischen Lehrer des Regierungsbezirks Cassel statt Es waren etwa 45 Lehrer aus allen Theilen Hessens - unter ihnen auch einige Gäste — anwesend. Etwa 12 College» hattensich.schriftlich entschuldigt. Diese große Anzahl Besehens erfreut, ist ein geborener Oesterrcicher. Die amerikanischen Blätter rühmen an Dr. Sonncfchein die schwungvolle Diction, den tiefen Gehalt seiner Predigten und seinen lebhaften Vortrag; sie anerkennen cs sehr warm, daß gerade von jüdischer Seite die Anregung zu einem Schritte ausging, welcher die Religionskämpfe und feindlichen Contraste in den religiösen Anschauungen aus dem socialen Leben Amerikas zu entfernen bestimmt ist." " New-Aork, io. Juli. (Privatmitlh.) Im Septetnber d. I. endlich wird das Hcbrew. Union College, welches die künftigen Rabbiner, Prediger und'Religionslehrer ausbildcn, also in die Reihe der Rabbiner-Seminare treten soll, eröffnet. Somit wird die Idee solcher Lehranstalten, die bereits in Frankreich, England, Deutschland und Ungarn verwirklicht worden, auch in Amerika feste Wurzeln geschlagen haben. Zu den Lehrern gehört auch Dr. W. Wielginer, der zu diesem Bchufe aus Rew-Iork, wo er in den letzten Jahren an der hier bestehenden Vorbereitungsschule für dieses College gewirkt hat, nach Cincinnati übersiedeln, dem Sitze des nunmehrigen College. Möge die neue Anstalt allen daran geknüpften Hoffnungen entsprechen! Bonn, 3. August. (Notiz e n.)' Man schreibt uns aus Ulm unterm 20. Juli: Herr W. Plaut, früher als 2. Cantor und Schächter in Gieße», dann in gleicher Eigenschaft in Wetzlar thätig gewesen; jetzt wieder m Gießen, ist seit dem 1. Juli laut Decret des Großh. Hess. Ministeriums des Innern zum Z. Classenlehrer der gehobenen Bürgerschule in Gießen ernannt worden. Meines Wissens ist dieses der zweite Fall im ganzen Großherzogthum. — Aus Mellrichstadt berichtet das ultramontane „Frank. Volksbl." vom 20. Juli: „Gestern früh waren am hiesigen Rathhause zwei große Plaeate angcheftet mit der Inschrift: „Tod den Juden und Halsabschneidern!" Dieselben wurden erst gegen Mittag beseitigt." (Die Placate bilden jetzt wieder eine famose Rolle bei den Ultramontanen — v i«lo Vrüss!) f e t o n. sucher der seit erst so kurzer Zeit bestehenden Versammlungen ist ein Beweis, wie sehr das Interesse au denselben bei den College« zunimmt und wie sehr ihre Existenz berechtigt ist. Nur wurde mit Bedauern bemerkt, daß auch uicht ein einziger College aus der vorhinnigen Provinz Hanau anwesend war, ja, daß es Niemand für gut befunden, sein Ausbleiben auch nur zu entschuldigen. Nach einem kurzen „Willkommen" seitens des Vorsitzenden, Herrn Dr. Stein, wurde die Versannnlung durch Absingung des Chorals: „Ja, mein Gott, sie wird einst kommen" ('Nr. 29) eröffnet, tvorauf Herr Dr. Stein die Verhandlungen mit einer