Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1879)
- Date
- 1879-08-12
- Page
- Seite 521 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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521 Stadt gefahren. Hier suchten ihn sehr Viele auf, um ihm die Hand zu küssen. Die Lebensweise des Rabbi ist hier eine anständige. Sein Kleid ist rein, sein Bart sorgfältig gekämmt, er nährt sich regelmäßig, nur sieht er selten Jemandem in's Gesicht. Er studirt den ganzen Tag. Frauen empfängt er nur ausnahmsweise und dann schließt er immer die Augen. Der Rabbi hat schon dreimal geheirathet. Vor einigen Jahren nahm er als 62 bis 65jähriger Greis ein lOjähriges hübsches Mädchen zur Frau. Geld nimmt er selbst nicht an, Wohl aber sein Bevollmächtigter. Angeblich heilt er Kranke, conversirt mit Gott u. s. w. Hillel bleibt bis Sonntag hier. Italien. Ans Lberitalien, 25. Juli. (Privatmitth.) Als Nachtrag zu meinen jüngsten Notizen über die letzten Ehrenbezeigungen, die in Turin dem seligen Giacomo Dina, Direktor der Opinione erwiesen wurden, diene der telegraphische Bericht, welchen die Gazzetta Piemontese über die von der „Associazione della Stampa'4 am 22. l. M. in Rom abgehaltenen Trauerfeierlichkeiten zur Erinnerung an den Betrauerten." — Diese ist sehr imposant ausgefallen. Ungefähr 700 Personen waren zugegen unter denen viele literarische und wissenschaftliche Notabilitäten und einige jetzige und frühere Minister als: Cairoli, Sella, Finali, Torelli, Zanardelli u. s. w. der Präfect von Rom, der Syndicus (Stadtpräses) der Militär-Divisions-Commandant der spanische Gesandte, die Municipal-Assessoren, sehr viele Deputirte und Senatoren, die Frau Bonghi und viele andere Damen sich befanden. Der Dante-Saal war auf Veranstaltung der „Association" einfach und geschmackvoll der Gelegenheit angemessen eingerichtet. Von der Wand hinter dem Präsidial-Sitze hing ein sehr getroffenes großes Bildniß des Dina, zur Seite zwei Kronen, eine vom Wahl-Comite der Stadt Castello (deren Vertreter er früher getoesen, die andere von der Associazione generale della Stauipa. Eine von jungen Publicisten gebildete Commission machte die honneurs, und begleitete die Damen zu ihren Sitzen. Den Vorsitz hatte der Deputirte Desanctis (gewesener Minister), ihm zur Seite saßen zwei Vicepräsidenten der Associazione giornalistica. Desanctis eröffnete die Sitzung auf den großen Antheil hinweisend welchen Dina an der italienischen Tagespresse hatte, und verlas zahlreiche Telegramme, welche von italienischen Zeitschriften bei dieser Trauerfeierlichkeit einliefen. Dep. Bonghi (vormal. Minister) hielt eine lange Rede, hob die Tugenden des Dina hervor, sprach von den ersten Tagen des italienischen Journalismus, betonte die Wichtigkeit der Opinione, die Ehrenhaftigkeit und Unbescholtenheit des Directors derselben, und erwähnte deffen Benehmen und Aufopferung, die er bei Gelegenheit der September-Convention 1864 an den Tag gelegt hatte. Zanardelli (Minister der Linken) redete kurz aber eindrucksvoll, und sagte Giacomo Dina sollte den Zeitungsschreibern zum Muster dienen. Er that auch der schonen Zeiten des piemontesischen Journalismus Erwähnung. Alle Redner wurden beifällig ausgenommen. An der in diesem Telegramm beschriebenen Trauerfeierlichkeit werden die salbungsreichen, christlichen deutschen Publicisten, welche an jüdischen Mitarbeitern in der Tagespreffe Anstoß nehmen, ersehen können, daß es um jüdische Publicisten doch nicht so schlimm steht, wie sie es glauben machen wollen, und daß Juden auch auf diesem Felde dem Vaterlande nützen und Lorbeeren sammeln können. Freilich gehört dazu Unparteilichkeit, Gerechtigkeitssinn, Mäßigung, edler Sinn für Menschlichkeit, heiterer Kampf für Principien und Ideen, die mit Grobheit, Anspielungen auf Persönlichkeiten und Fanatismus nicht Hand in Hand gehen können. Das „Risorgimento" von Turin hat eine öffentliche Sammlung zu einer marmornen Gedenktafel für den geehrten Dina eröffnet.. Die isr. Gemeindeverwaltung von Turin hat jüngst ein in geeigneter Stelle gelegenes Grundstück zum Vau eines Bethauses angekauft. Der Baukostenanschlag beläuft sich diesmal auf <100,000 Francs, von denen 240,000 bereits vorräthig sind. Es steht zu hoffen, daß sic sich diesmal nicht mehr verrennen tvird, und wie cs heißt, wird der Bau binnen zwei Jahren fertig sein. —. In der Deputirtenkammer zu Rom erklärte der neue Ministerpräsident Cairoli auf eine Interpellation, daß die Unabhängigkeit Rumäniens anerkannt werden tvürde, sobald cs dem Art. 44 des Berliner Vertrages genügt hätte. Großbritannien. London, 25. Juli. Es ist sicherlich von Wichtigkeit, genau die Worte zu kennen, welche der Minister des Auswärtigen, Lord Salisbury der Deputation der Anglo- Jewish Association, geführt von Baron Henry de Worms, geantwortet hat. Sie lauten in tvortgetreucr Uebersetzung: „Sie wissen ohne Zweifel, daß diese Frage in diesem Augenblicke in ihre letzte Phase tritt. Rumänien hat den abendländischen Mächten Vorschläge gemacht, welche den Forderungen des Berliner Vertrages nicht zu entsprechen scheinen. Aber das rumänische Ministerium hat soeben einen Wechsel erfahren und es ist ihm ein Aufschub von einem Monat gewährt worden, um zu prüfen, bis zu welchem Punkte es die Stipulationen des Berliner Vertrages zu erfüllen habe, deffen Ausführung erforderlich ist, tvenn Rumänien von den Mächten als unabhängiger Staat anerkannt sein will. 33