Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1879)
- Date
- 1879-08-12
- Page
- Seite 520 (sequence 8)
- Language
- German
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ti 520 i X den Evangelischen wie 1 zu 1052, bei den Juden wie 1 zu .1440. Diese Zahlen sind ausdrucksvoll genug. Erwägt man, daß gerade bei den Katholiken die kirchliche Frömmigkeit am größten und die kirchliche Zucht am strengsten ist, so zeigen diese Zahlen unwidersprechlich, was von den Phrasen der ultramonanten Blätter über den demoralisirenden Einfluß des Liberalismus und besonders der Juden zu halten ist, da gerade bei den Katholiken die schweren Verbrechen am häufigsten, bei den Juden am seltensten sind! In den Gefängnissen ist das Verhältniß noch schlimmer, bei den Katholiken nämlich wie 1 ju 590, bei den Juden wie l zu 1136, also bei jenen fast die doppelte Zahl! — Es ist nicht zu verkennen, daß die Wühlereien der Rumänen gegen die völlige bürgerliche Gleichstellung der Juden in ihrem Lande doch einige Wirkung, namentlich in Deutschland gemacht haben, und man wird sich darauf gefaßt halten müssen, daß die Großmächte einigen Verklausulirungen und Beschränkungen nicht entgegentreten werden. Daß die Rumänen mit ihren Verleumdungen gerade in Deutschland einigen Glauben finden, ist nicht zu verwundern, nachdem die reaktionäre Presse seit Jahren die größten Anstrengungen gemacht hat, alle möglichen Verdächtigungen der Juden zu verbreiten. Sie haben bereits bemerkt, daß die Wiener „N. fr. Pr." die jetzt Bratiano's Fahne hochhält, hinsichtlich der rumänischen Juden mit ihren eigenen Prinzipien in Conflikt gerathen ist. Ebenso haben die gouvernementalen „Grenzboten" sich jüngst gcgm die völlige Gleichstellung in Rumänien ausgesprochen. Die „Germania" übergehe ich; sie wüthet ganz besonders gegen die Alliance isr. univ., die sie gern zu einem Schreckbild für ganz Europa machen möchte, indem sie von den. ungeheuerlichen Mitteln faselt, welche diesem Vereine zu Gebote ständen! Glücklicherweise sind alle Verhandlungen der Alliance öffentlich und die Zahl ihrer Mitglieder (20,000) und ihres Einkommens bekannt. Was will das gegen die immensen Mittel und die großen Zahlen der katholischen Vereine und ihrer Mitglieder, welche doch eine bestimmte Spitze in Rom, eine feste Organisation und strenge Disciplin besitzen, sagen. Darmstadt, 28. Juli. <Privatmitth.> Gegen die Entscheidung des Gr. Kreisamtes, welche die Annahme eines weiteren Religionslehrers guthieß, hatten die Reclamanten Recurs bei Gr. Ministerium des Innern ergriffen, und dieses entschied zu ihren Gunsten, daß nämlich kein weiterer Lehrer aufzunehmen sei, und gab dein Kreisamte die Weisung, die im Gemeinde-Budget für denselben angesetzte Besoldung zu streichen. — Hierauf haben alle Mitglieder des Vorstandes mit Ausnahme eines einzigen ihre Demission eingereicht, die, wie verlautet, auch angenommen worden ist, so daß die Gemeinde jetzt wieder vor einer neuen Vorstandstvahl steht. — Möhringen, 1. Aug. (Privatmitth.) In Betreff des jetzt in ultramontanen Kreisen so viel Staub erregenden Judenwuchers kann ich als authentisch folgendes hübsche Geschichtchen mittheilen. Als ich im Jahre 1845 im Oberamt Meisenheim, damals Landgraf Hessen-Homburgerisch das Amt als Rabbiner antrat, fand ich ein Decret Napoleons l. noch in gesetzlicher Kraft, nach welchem Urkunden in den Händen von Juden nur dann Geltung beanspruchen konnten, wennderJnhabervom Bürgermeister seines Heimathsortes ein Zeugniß vorlegen konnte, daß er kein Wucherer sei. Und dieses Zeugniß mußte von Jahr zu Jahr erneuert werden. Kaum vier Wochen im Amte, entwarf ich ein Gesuch an die landgräfl. Regierung in Homburg v. d. H. um Aufhebung dieses ehrenkränkenden Decrets. Die Regierung sah sich darauf veranlaßt, den damaligen Justizrath Sandheimer — wir nennen absichtlich den Namen — zum Bericht darüber aufzufordern, ob die Juden in Meisenheim des Wuchers bezichtigt werden könnten. Der Bericht lautete wörtlich: „Jüdische Wucherer sind im Oberamt keine bekannt, wohl aber viele christliche!" Und das fragl. Decret wurde zu Grabe getragen. Wenn die alten Acten aus dem Jahre 1845 noch nicht eingestampft sind, muß sich gedachter Bericht bei denselben noch vorfinden lassen. In der That waren die Juden in M. nicht die Wucherer, sondern die Wucher-Zahlenden. So mußte die isr. Gemeinde selbst für^ eine hypothekarisch dreifach versicherte Summe einen der angesehensten dortigen Christen einen, damals gesetzlich unerlaubten, Zins von sechs Procent zahlen. F. Oesterreich-Ungarn. Ans Ungarn. Die Szegediner jüdische Gemeinde hat durch die Ueberschwemmung nach der Schätzung der betreffenden Commission einen Schaden von 62,371 fl. erlitten. Der „Pesti Naplo" schreibt unter dem 24. Juli. Der gestrige Zug brachte uns den Wunderrabbi Hillel ausKolomea in Galizien. Der Rabbi wirkte vor 10 Jahren in Szikßö und übte durch seinen Fanatismus eine große Pression auf die orthodoxen Juden Ungarns aus. Er war es, der das von 70 Rabbinern unterfertigte Schreiben zustandebrachte, worin sich dieselben verpflichteten, die strengsten Orthodoxen zu bleiben und alle Gemeinden mit dem Bann zu belegen, in denen die Orgel, ungarische Predigten oder eine andere zeitgemäße Institution eingeführt wird. Gestern um 3 Uhr Nachmittags drängte sich eine ungewöhnliche Masse auf den Perron des Bahnhofes, um den Wundermann bei seiner Ankunft zu sehen. Der Zug blieb stehen und ein von den Jahren gebrochener Greis mittlerer Statur trat aus dem Waggon, einen dicken, silberbeschlagenen Hirtenstab in der Hand. Der seidene Kaftan und die russische Kucsma vcrriethen sofort, daß dies Hillel sei. Als die Juden ihn erblickten, eilten sie auf ihn zu, drückten ihm krampfhaft die Hand und überhäuften dieselbe mit tausend Küssen. Sodann wurde er unter großer Begeisterung in die *