Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1879)
- Date
- 1879-08-12
- Page
- Seite 519 (sequence 7)
- Language
- German
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519 die außerordentliche Session der Kammern auf Einen Monat, von heute angefangen. Gegeben in Bukarest, den II. (23.) Juli 1879. Gezeichnet: Carol; gegengezeichnet: I. C. Bratiano." — Um auch anderen Ansichten Ausdruck zu geben, ziehen wir hier eine Stelle aus der „Pol. Corr." vom 18. Juli an. Es heißt da: „Fragt man nun, wie es denn eigentlich komme, daß die 'dem Minister Bratiano stets treu ergebene, überwiegende Majorität der jetzigen Kammer gerade in dieser so ernsten Frage gegen ihn sich gewendet hat, so wird in officiösen Kreisen versichert, daß die so sehr betonte, so arg verschrieene Antipathie gegen die Israeliten und die angebliche Furcht vor diesem Elemente durchaus nicht den Grund der im hiesigen parlamentarischen Leben unerhörten Opposition der eigenen Partei bilden, sondern daß diese Haltung absolut auf russische Einflüsse zurückgeführt werden müsie, die hier im Spiele sein sollen. Man will sehr genau wissen, daß russische Agenten sowohl bei Mitgliedern der Legislative, wie auch in allen Schichten der Bevölkerung die Judenfrage in jenes Schreckbild umgewandelt hätten, als welches dieselbe heute faktisch im ganzen Lande angesehen wird. Diese auf die Jsolirung Rumänien von allen übrigen Mächten hinauszielende Agitation werde namentlich in der Moldau im großartigsten Maßstabe betrieben. Man will selbst in gouvernementalen Kreisen genau davon unterrichtet sein, daß in jedem, auch dem kleinsten Städtchen der Moldau zwei bis drei russische Agenten thätig feien, um die Bevölkerung zum äußersten Widerstande gegen die Emancipirung der Juden aufzureizen; das Haupt dieser russischen Agitation, welche auch den separatistischen Tendenzeu einer nicht zu unterschätzenden Moldauer Partei schmeichelt, sei der bekannte Prinz Grigorie Sturdza, welcher sich schon als Fürst der von der Walachei losgetrennten Moldau betrachte. Die zahllosen, an Senat und Kammer täglich einlaufenden Monstre-Petitionen der Moldauer Städte um Nichtrevidirung des Artikels 7 der Constitution sollen ausschließlich diesen Agitationen zuzuschreiben sein." — Ferner: „Zur Lösung der so schwierigen Frage der Juden- Emancipation in Rumänien hat nach der Berliner „National- Zeitung" „eine Macht" den in der That durch klassische Einfachheit überraschenden Vorschlag gemacht, daß der Staat die Hypothekenschulden der Herren Bojaren übernehme, und so als Gläubiger an die Stelle der Juden trete, gegen deren Emancipation nach dieser Finanz-Operation kein besonders schweres Hinderniß mehr bestünde. In einer Bukarester Correspondendes genannten Blattes wird die Sache wie folgt dargelegt: „In dieser kritischen Situation ist eine Macht auf einen Ausweg gekommen, den sie zunächst Rumänien empfohlen und nach gepflogenen Pourparlers auch den übrigen Mächten zur Begutachtung unterbreiten wird. Es soll nämlich von der Regierung ein fürstlich rumänisches Hypotheken-Jnstitut errichtet werden, tvelches die Aufgabe hätte, die in Händen israelitischer Gläubiger befindlichen Hypothekenschulden der rumänischen Grundbesitzer abzulösen und selbst als Gläubiger aufzutreten. Mit einem Worte, aus dem Schuldgeschäfte mit den Israeliten würde ein Pfandbriefgeschäft mit der fürstlichrumänischen Hypothekenbank entstehen. Dadurch würde dem runiänischen Großgrundbesitz eine Erleichterung in der Zahlung zugute kommen, die politische Verfassung des Landes würde keine Alternative erfahren und die Judensrage dann einer raschen Lösung entgegengehen, weil dann nur noch die nationale und religiöse Abneigung gegen die Israeliten zu bekämpfen wäre, aus welche die Mächte natürlich keine besondere Rücksicht zu nehmen gewillt sind. Welches ungeheure Machtmittel die rumänische Negierung, im Innern des Landes durch diese Art vorzugehen, gewänne, darüber erst Betrachtungen anzustellen, erscheint völlig überflüssig." AitcxcSttcßtcit. Deutschland. Breslau, 27. Juli. In Sachen ,des jüdischen Referendarius^ ist nun auch die vom Redacteur der,Schles. Volksztg/, Herrn Nowak, eingelegte Nichtigkeitsbeschwerde vom Obertribunal zurückgewiesen worden. Die Schrift bleibt consiscirt und die zuerkannte Strafe ist rechtskräftig geworden. —. Am 10. August begeht das jüdisch-theologische Seminar sein 25jähriges Bestehen. Die Herren Gr ätz und Zuckermann waren während dieser Zeit thätig an dieser Anstalt, und man bereitet für ersteren eine.einträgliche Ovation vor. Auch Rabbiner Di*. Joel, der seine wissenschaftliche > Thätigkeit an dieser Anstalt begann, feiert sein Jubiläum aus! diesem Grunde.! Berlin, 30. Juli. (Privatmitth.) Im Ministerium! des Innern wird für jedes Jahr die Statistik der Straf- und Gefangenen-Anstalten im preußischen Staate bearbeitet.. Die Tabellen für das Jahr 1878 erweisen abermals die stetige > Zunahme der Verbrechen in den letzten Jahren. Wir übergehen den Zahlenbeweis hierfür und heben nur hervor, was jbie Confesfion betrifft. Hiernach stellt sich die Zahl der Gegangenen in Zuchthäusern im Verhältmß zur Gesammtzahl j ihrer Glaubensgenossen bei den Katholiken wie 1 zu 944, bei