Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1879)
- Date
- 1879-08-12
- Page
- Seite 518 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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518 diesen Gegensatz aufmerksam mit den Worten: ,Da, das ist die Judenfragc! Wollt Ihr den Kamps siegesfreudig mit den? Juden aufnehmen, dann seid arbeitsam, nüchtern, sparsam wie sie, und Ihr werdet nichts zu furchten haben.' Was ich damals gesagt habe, meine Herren, ich wiederhole es noch heute: Die Lösung der Judenfrage liegt nur in dem Wettkampf der Arbeit."" („Monit. off." Nr. 159.) Bukarest, 23. Juli. Das neue Ministerium hat sich heute der Kammer vorgestellt und sein Programm verlesen. Nachdemdies geschehen, wurde ein fürstliches Decret zur Kenntniß gebracht, nach welchem die Kammern auf euren Monat, das ist bis zum 23. August, vertagt sind. Das Programm des Ministeriums tautet: „Herren Abgeordnete! In Folge des Rücktrittes der vorigen Negierung stellt sich Ihnen heute das neue Ministerium vor, welches, ob-- gleich aus diversen Schattirungen hcrvorgegangen, dennoch in dem allgemeinen Principe einig ist; besonders was ihr Vorgehen in der gegebenen Situation und den mit ihr verbundenen großen Schwierigkeiten betrifft. Die Zeiten sind schwer, Herren Abgeordnete; schwerer, als sie jemals unser Land durchzumachen hatte. Wir haben jeglichen Parteigeist, jegliche Leidenschaft, jede Rancüne beiseite gesetzt und uns Alle die Hand gereicht, so wie es unsere Vorfahren ehemals in früheren schlimmen Zeiten gemacht hübe«: denn nur auf diese Weise können wir die theuersten und legitimsten Interessen unseres; Vaterlandes vertheidigen. Nicht gegen die nationale und gej rechte Strömung der Ansichten des Landes bezüglich der Entscheidung der Tagesfrage, noch gegen die legitime Besorgniß, welche sie hervorgerufen, haben wir uns als neue Regierung constituirt. Wir theilen diese Ansichten und Besorgnisse mit Ihnen und der ganzen Nation." „Das Land hat durch die früheren Kammern und durch die Sektionen der gegenwärtigen Kammern feierlich und fest: erklärt, daß es sich dem Vertrage von Berlin fügen imd den? Artikel 7 der Verfassung revidiren will, und die Negierung,' meine Herren, glaubt, daß dies der richtige Weg ist, um btc; gegenwärtigen Schwierigkeiten zu beseitigen und ohne Jnconj venienz in unser öffentliches Recht das Princip aufzunehmen,; daß der Unterschied der Religion kein Hinderniß bildet, um. die civilen und politischen Rechte zu erlangen und auszu-? üben." j „Auf diese Weise wird die Regierung, gestärkt durch den, von der Nation ausgesprochenen Willen, in der Lage sein, die? Signatannächte des Vertrages von Berlin zu versichern, daß' das rumänische Volk nicht die Absicht hat, sich dem in diesem Vertrage ausgesprochenen Principe bezüglich der Revision des Artikels 7 der Verfassung zu widersetzen, noch demselben zu? widersprechen oder dasselbe zu umgehen." „Die einzige legitime Vesorgmß des ganzen Landes ist von innerer Gattung und bezieht sich auf unsere nationalen und ökonomischen Interessen, welche vertheidigt werden müssen, sobald die gedachte Revision vollzogen wird. Somit, Herren Abgeordnete, glaubt Ihre Regierung sowohl den Wünschen der europäischen Diplomatie wie den gerechten Besorgnissen de- Landes zu entsprechen, wenn sie neben der Anerkennung des Princips der religiösen Gleichheit und der Freiheit der Culte bei Revision des Artikels 7 bezüglich unserer inneren Interessen eine Entschließung zuläßt und unterstützt, welche auf dem Principe der individuellen Naturalisation beruht, die von allen Kategorien absieht, sowie von besonderen Beschränkungen bezüglich des Nural-Grunderwerbes." „Das sind unsere Ansichten, welche sich binnen Kurzem in Thaten verwandeln werden, und Sie werden dann zuerst in der Lage sein, zu beurtheilen, ob wir es verstanden haben, Ihren Erwartungen und den Bedürfnissen des Landes zu entsprechen. Wir hoffen, Herren Abgeordnete, daß bis dahin diese einfache, aber genaue Auseinandersetzung genügen wird, um die Geister zu beruhigen und - die Besorgnisse zu beschwichtigen. Bei diesem Werke rechnen wir auf Ihre Mitwirkung, von der wir glauben, daß sie uns niemals fehlen wird, denn das Werk, welches wir übernommen, ist nicht das einer Partei oder irgend einer politischen Farbe, sondern daS eines ganzen Landes, besten Wohl wir Alle wünschen und dessen Interessen wir alle vertheidigen. Gezeichnet: I. Bratiano, N. Cr>tzulesco, M. Kogalniceano, B. Boeresco, Oberst Lecca, A. Solojanu." Bukarest, 24. Juli. Die fürstliche Botschaft, mittelst Ivelcher gestern die Kammern bis zum 23. August vertagt worden sind, lautete: „Meine Herren Senatoren! Meine Herren Deputaten! Die Revision des Artikels 7 der Verfassung beschäftigt ganz Rumänien; dieselbe muß noch um Vieles mehr die Regierung beschäftigen. Um die verschiedenen Phasen kennen zu lernen, durch tvelche diese Frage sowohl im Auslande wie im Jnlande gegangen ist, bedürfen meine neuen Minister einer gewissen Zeit. 'Sie, meine Herren, werden, nachdem Sie die Schwierigkeiten näher kennen gelernt haben, welche mit dieser Frage verbunden sind, gleichfalls ein dringendes Bedürfniß fühlen, sich auf's neue mit Ihren Wählern, mit dem Lande in Verbindung zu setzen, und zwar bevor die Frage desinitiv entschieden wird. In der Zwischenzeit tvird meine Regierung den Beschluß der Nation zur Kenntniß der europäischen Großmächte bringen können, in ihre Gesetzgebung das Princip aufzunehmen, welches im Artikel 44 des Vertrages von Berlin ausgesprochen ist, gleichzeitig aber auch ihre Besorgnisse und die dringende Pflicht, die wir haben, unseren nationalen und ökonomischen Interessen eine Garantie zu geben, die für jeden Staat und für jedes Volk eine heilige Pflicht ist. In Folge des Berichtes meines Ministerrathes unter Nr. 441 und vast des Artikels 95 der Verfassung vertage ich