Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1879)
- Date
- 1879-08-12
- Page
- Seite 517 (sequence 5)
- Language
- German
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517 Schwierigkeit, daß diese Specialgesetze alle „Fremden" ohne j Unterschied der Confession treffen werden, weil man eben die Juden nur unter der Rubrik: „Fremde" auszuschließen vermag. Daß unsere Ansicht die richtige ist, erwies auch, wie wir gezeigt haben, das Rundschreiben des Ministers des Auswärtigen, Campineano. Ihm trat das „Comitv für Anerkennung der Gleichstellung der jüdischen mit den christlichen Rumänen" zu Berlin in einem offenen Schreiben vom 22. Juli entgegen, aus welchem wir Folgendes hervorheben.- „Eine kurze Beleuchtung dieser Circularnote wird genügen, um die Haltlosigkeit ihrer Argumentation klar zu legen." „Herr Campineano gesteht zu, daß im Lande eine große Anzahl Israeliten spanischer Herkunft seit Jahrhunderten lebt, die vollständig mit der rumänischen Bevölkerung assimilirt, bereits im Jahre 1818 die völlige Gleichstellung erlangt hatte, die ihnen später wieder entzogen wurde. Als im Jahre 1866 die Judenfrage auf's Neue aufgeworfen wurde, konnte, wie Herr Campineano behauptet, den spanischen Juden die Gleichberechtigung deshalb nicht gewährt werden, weil dieselben inzwischen dem Geiste und den Tendenzen der seit l 818 in die Moldau eingewanderten polnischen Juden sich angeschlosfcn hätten. Herr Campineano versucht indeß mit keinem Wort die jedweder logischen und psychologischen Erwägung widersprechende Behauptung zu begründen, wie es denn möglich sei, daß eine seit Jahrhunderten im Lande lebende, mit der rumänischen Bevölkerung völlig assimilirte Bevölkerungsclasse im Laufe von zwei Decennien ihr ganzes Wesen mngestalten und Geist und Tendenzen einer nach Ansicht des Ministers unter ihr stehenden Masse annehmen konnte." „Ebenso unrichtig ist die fernere Behauptung, daß die Juden in Rumänien der vollständigsten Freiheit der Bewegung sich erfreuten, daß sie im Gemeinwesen mit absoluter Selbstverwaltung, ja sogar zu einer starken politischen Association mit weitverzweigten Verbindungen im ganzen Lande sich zu constituircn vermochten." „Wie die den Juden gegönnte freie Bewegung beschaffen ist, beweisen die vielen Ausnahmsgefetze, wodurch denselben die Niederlaffung auf dem Lande, der Erwerb jedweden Grundeigenthums und die Ergreifung vieler Erwerbszweige unmöglich gemacht wurde." „Die Selbstverwaltung der jüdischen Gemeinden wurde durch Ministerialverordnung vom 3./15. Juli 1862 vernichtet, durch dieselbe wurde es den jüdischen Communen in erheblicher Weise erschwert. Schulen zu gründen, und so die Assimilation gehemmt, über deren Mangel Herr Campineano in so beweglichen Worten klagt." „Daß im Laufe dieses Jahrhunderts eine zahlreiche jüdische Einwanderung in das Land stattfand, ist wahr; die Unrichtigkeit der Behauptung aber, daß die Juden des Schachers und Wuchers wegen nach Rumänien kamen, daß sie zur Entschlagend nachgewiesen in der Rede, tvelche Herr Epureano, der gewesene Präsident der Constituante, am 7./i9. März 1879 im Senate gehalten. Wenn der rumänische Gutsbesitzer, sagte Herr Epureano, einen Marktflecken gründen wollte, so ließ er mehrere Juden kommen, und jeder derselben mußte irgend eine j Profession ausüben. Jetzt nach dreißig oder vierzig Jahren sind in Folge der Niederlaffung der Juden diese Marktflecken! gu größeren Städten herangeblüht, wo Pächter und Landleute j den Bedarf für ihre Haus- und Landwirthschaft und sogar Geldmittel finden. Die wichtigsten Professionen, ja sogar die die der Acrzte und Apotheker werden daselbst von den Juden ausgeübt. („Monit. off." Rr. 49.) „Die Juden in der Moldau haben den Theil des Landeskapitals, der in ihren Händen sich befindet, durch ehrliche und productive Arbeit erworben, sie haben den Handel in der!; Moldau, der früher einen überwiegend naturalwirthschaftlichen Charakter hatte, erst geschaffen und zur Blüthe gebracht und sich somit als civilisatorisches Element erwiesen".; „Die Behauptung des Herrn Campineano, daß durch die Zulassung der Juden zum Erwerb von Grundbesitz eine Des- . Organisation der Wahlcollcgien erfolgen und eine Art Dualismus von Tendenzen entstehen würde, entbehrt jedweder Begründung. Der Jude, der als Gutsbesitzer durch Grund und Boden an's Land gefesselt ist, hat nicht nur dieselben Interessen und Tendenzen wie der christliche Gutsbesitzer, sondern ist unstreitig ein viel besserer und nützlicherer Staatsbürger als . jener christliche Bojar, dessen Grundbesitz mit Hypotheken über und über belastet ist, und der sich von dem in den Tag hin- 1 einlebenden Proletarier nur dem Namen nach unterscheidet."! „Wenn Herr Campineano behauptet, daß die Lösung der! Judenfrage im Sinne des Berliner Vertrages für die rumänische Gesellschaft und Nationalität Gefahren heraufbeschwören! würde, so können wir diese unrichtige Behauptung nicht besser j widerlegen, als mit den folgenden Ausführungen in der Rede,! die Herr Carp, einer der erleuchtetsten Männer Rumäniens,!am 29. Juni 1875als Cultnsminister in der rumänischen! Kammer gehalten hat: „Glauben Sie", sagte damals Herr Carp, „daß Sie die Judcnfrage durch Ausnahmegesetze und Verordnungen regeln könnend Nein. Alle Ihre restrictiven Maßregeln haben Ihnen bis jetzt absolut nichts genützt. Wiffen ^Sie, wie Sie diese Frage lösen können? Ich will es Ihnen j sagen. Eines Abends debattirten wir in der Gesellschaft!„Junimea" in Jaffy über die Judenfrage, ohne daß es uns gelungen wäre, uns darüber zu verständigen. Als wir uns! auf den Heimweg machten, gewahrten wir einen armen Juden, j der, es war 6 Uhr Morgens, bei der Lampe saß und in seinem Handwerke arbeitete, während aus einer nahen Weinschenke i drei rumänische Arbeiter hinausstolperten, angetrunken und - patriotische Lieder singend. Ich machte meine Opponentemauf--