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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-08-05 · Heft 32 (5.8.1879) · p. Seite 507

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 32 (5.8.1879)
Date
1879-08-05
Page
Seite 507 (sequence 11)
Language
German
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507 seitdem die Frage in herzlichem Einvernehmen mit Deutschland, Frankreich und Italien verhandelt. Er glaube nicht, daß die Mächte davon abstehen würden, an dem feierlichen und ohne Beispiel dastehenden Acte festzuhalten, den sie in Berlin vollendet hätten, und welcher die Anerkennung der Selbstständigkeit Rumäniens von der Abänderung innerer Gesetze dieses Landes abhängig gemacht habe. Rumänien verdanke seine Unabhängigkeit schließlich allerdings Rußland. In erster Stelle hätten aber schon England, Frankreich und Italien durch den Krimkrieg dazu mitgewirkt. Rumänien würde eine vollkommene Thorheil begehen, wenn es die Bedingungen des Berliner Vertrages nicht erfüllen sollte; denn seine staatliche Existenz werde, sobald ein neuer Fall einer Umwälzung eintrete, nur von der strengen Beobachtung der Bestimmungen der internationalen Verträge abhängen können. Türkei. Constantinopel, 1*. Juli. Daß es in der Türkei in vielen Stücken doch schon ganz anders geworden, hat sich in diesen Tagen bewährt. An einem jungen Israeliten Namens Pako ist ein Raubmord verübt worden. Der Thäter war Abdullah, ein Reitknecht Sadik-Boys. Es!var die erste Verhandlung, welche nach der neuen Strafprozeß-Ordnung vor dem Eriminalgerichtshofe stattfand. Die Einrichtung ist völlig nach europäischer Weise, und darum die Verhandlung auch öffentlich. Trotz der beredten Rede des Vertheidigers wurde Abdullah einstimmig zun, Tode verurtheilt. Serbien. Belgrad, im Juli. Wie der „Pol. Eorr." berichtet wird, gedenkt Serbien die Lösung der Judenfrage in Rumänien abzuwartcn und erst dann diese Angelegenheit der großen Skupstina vorzulegen. Es tvird hinzugefügt, daß die Judenfrage in Serbien wieder Wichtigkeit hat, da in diesem Lande nun etwa 3—4000 Juden leben, welche beinahe alle serbische Unterthanen sind. Amerika. Ntlv-Uork, 11. Juli. (Privatmitth.) Seit dem H. d. tagt hier die Convention der k'nüw «1° American Uebr. 1 grugatiuns, bei der an 120 Gemeinden durch 200 Delegirte vertreten sind. .Ich übersende Ihnen einen ausführlichen Bericht über die Sitzungen der Convention. (Wir gebe» denselben in nächster Nummer. Bonn, 27. Juli. (Notizen.) Man schreibt aus Dransfeld vom 21.Juli.'Gestern tourdc der arn vorigen Donnerstag im Alter von 00 Jahren gestorbene älteste Einwohner unserer Stadt, der Veteran der Freiheitskriege Heinemann Mündheim, beerdigt. Derselbe kämpfte in den Schlachten bei Leipzig, Bautzen, Großbeeren rc. Dem Verstorbenen gab der hiesige Krieger- und Gesangverein, sowie der größte Theil der Bürgerschaft das Geleit zu seiner letzten Ruhestätte. Der einzige noch lebende Veteran Klippel folgte dem Lcichenzuge im Wagen. — Man schreibt der „N. Fr. Pr." aus Krakau unterm 18. Juli: Heute wurde hier ein junges Genie zu Grabe getragen, das berufe» war, unter den zeitgenössischen Malern einen bedeutenden Rang einzunehmen. Moriz Gottlieb, so hieß der hier allgemein betrauerte Künstler, ist im Alter von fauin dreiundzwanzig Jahren gestorben. Er war der Sohn eines amte» Juden aus der ostgalizischen Stadt Drohobocz und hatte schon als Knabe durch manche Zeichnungen die Aufmerksamkeit seiner Umgebung auf seine Begabung gelenkt. Gottlieb studirte einige Zeit in der Krakauer Malerschule unter der Leitung des ihn protegirenden Dircctors Matejko, begab sich dann nach Wien, wo er unter Makart bedeutende Fortschritte machte, und ging endlich nach Rom, wo Sicmiradzki fördernd auf sein Talent wirkte. Moriz Gottlieb hatte eilte gewisse artistische Verwandtschaft mit seinem leider ebenfalls zu früh Hingeschiedenen Landsmann Arthur Grotger. Wie dieser größtentheils Moutente aus der Leidensgeschichte der polnischen "Nation mit dem Stifte verewigte, so hat Moriz Gottlieb mit Vorliebe jüdische Typen zum Vortvurfe feiner Bilder getvählt. Bekannt sind sein „Uriel Acosta", „Shylock und Jessica" mtd andere Bilder dieses Genres. Als Matejko diesen Winter in Nom war und Gottlieb in dessen Atelier besuchte, sagte dieser seinem früheren Lehrer, daß er die Absicht habe, ein großes Bild zu utalen: „Der politische König Kasimir der Große, den Juden die Bürgerrechte ertheilend." Matejko beredete ihn, nach Krakau -zu kommen, wo er ihm die notbwendigen Materialien zu dem gedachten historischen Bilde zu geben versprach. Gottlieb kaut auch bald darauf »ach Krakau und Matejko wies ihm tu der Malerschnle ein besonderes Atelier an. Hier arbeitete Gottlieb an mannigfachen Borlvürsen, in jüngster Zeit namentlich an einem großartigen Kunstwerke: „Christus, in der Synagoge predigend". Obgleich dasselbe noch nicht fertig ist, wurde es bereits u>n lt:>,000 Rubel nach Warschau verkauft. Leider ist dasselbe (wie so manche andere Entwürfe und Skizzen) unvollendet geblieben. Sein Leicheltbegängnis; fand unter allgemeiner Theilnahme statt. Marejkv eilte von seinem Landaufenthalte herbei und gab dem jungen Kunstgenossen bis auf den entlegenen jüdischen Friedhof das letzte Geleite. "Wie verlautet, soll Matejko sich bereit erklärt haben, das Bild: „Christus in der Synagoge" zn vollenden, um den gedachten Kauf zu Gunsten des hart getroffenen armen Vaters des verstorbenen jungen Künstlers ausrechtzuerhalten. — Wie vor Kurzem in Berlin und Bonn ein Jnjurienprozeß wegen einer Tasse Bouillon stch absptelte, so

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