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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-08-05 · Heft 32 (5.8.1879) · p. Seite 503

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 32 (5.8.1879)
Date
1879-08-05
Page
Seite 503 (sequence 7)
Language
German
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503 wirksamer für Rumänien sein würden. Es wird nun eine Hindeutung auf zu befürchtende Unruhen im Lande hinzugcfügt, und das große Machwerk ist fertig. Ob sich die Mächte durch solche Machinationen täuschen lassen, das müssen wir abwarten. Vorläufig ist nicht zu verkennen, daß namentlich in Deutschland eine Anzahl Preßorgane sich auf die Seite Rumäniens stellt, und nicht etwa blos die ultramontane „Germania", sondern auch die „Neue freie Preffe", die in der letzten Zeit für Bratiano gewonnen worden. Sie dreht zwar immer noch einige allgemeine liberale Floskeln, aber von ihren Artikeln gilt, was man zu bezeichnen pflegt: Yenennm in cauda! Bukarest, 22. Juli. Die Bildung des neuen Ministeriums ist erfolgt- Dasselbe besteht aus: Bratiano Ministerpräsident und Cultusminister, Sturdza Finanzminister, Stolojan Justizminister, Oberst Lecca Kriegsministcr, Boerescu Minister des Auswärtigen, Kretzulescu Minister für öffentliche Arbeiten, Cagalinceanu Minister des Innern. Bratiano, Sturdza, Stolojan und Lecca sind Mitglieder der liberalen Partei, Kretzulescu ist conservativ, Boerescu gehört dem Centrum an. Das neugebildete Cabinet forderte die Kammern auf, sich auf einen Monat zu vertagen, um die gegenwärtig herrschende Erregung beizulegen, eine Lösung der Judenfrage vorzubereiten und zu diesem Zwecke auch mit den Großmächten unterhandeln zu können. Bukarest, 23. Juli Abends. Das beiden Kammern beute milgetheilte Programm des neuen C a b i n e t s besagt, daß nur ein wie das gegenwärtige gebildetes Fusionsmiuisteriuin der schwierigen Lage des Landes begegnen könne. Das Cabinet sei entschlossen, den Rumänien durch den Berliner Vertrag auferlegten Verpflichtungen nachzukomnien, jedoch auch die öconomi schon und socialen Interessen der Nation zu wahren. Die Regierung glaubt, sowohl, dem Verlangen der europäischen Diplomatie, als auch den berechtigten Besorgnissen des Landes gerecht zu werden, wenn sie neben der Anerkennung des Grundsatzes der Gleichheit der Religionsbekenntnisse und der Freiheit aller Culten bei der Revision des tbeilweise die inneren Interessen Ruinäniens berührenden Artikels 7 eine Lösung zulasse, welche auf dem Grundsätze individueller Naturalisation und specieller Beschränkungen zur Erlangung von Grundeigenthum beruhe. Diese Erklärungen wurden alsbald zur That werden. «,Die vier Wochen will man benutzen, die europäische > Meinung zu bearbeiten und umzugestalten.') ^etfcuii^Aitaeßuxrßtett. Deutschland. Berlin, 23. Juli. (Privatmitth.) Daß die Verbindung des Centrums mit den conservativen Fractionen im Reichstage Gefahren für die gesetzliche Stellung der Juden mit sich bringen könnte, tritt immer deutlicher hervor. Wenigstens spricht dies das Organ des Centrums, die „Germania", immer klarer aus. Nachdem der Reichstag geschlossen ist und das genannte Blatt dadurch mehr Raum gewinnt, daß es die langen Reden der ultramontanen Abgeordneten wörtlich nicht mehr wiederzugeben bat, denn die Reden der Gegner werden mit wenigen Zeilen abgefertigt, seitdem kann es wieder frisch auf die Juden losschlageni So feiert es z. B. in seiner Nummer vom 21. Juli die Absage der gouvernementalen „N. A. Z." an die liberale Presse als ein Zeichen der Verbindung der Conservativen mit den Ultramontanen gegen die Juden (!) und fügt hinzu: „Mögen den Worten aber auch bald Thaten folgen, damit nicht erst das christliche Volk durch große Ccllamitäten, welche das gouvernementale Blatt Voraussicht, gezwungen werde zur Einkehr und Umkehr. In weiten Kreisen der Bevölkerung hat bereits die Befürchtung Platz gegriffen, es könnte schon zu spät sein, dem Uebel zu steuern, das Alle kennen und wenige öffentlich zu nennen wagen. Nein, zu spät ist es nicht, aber hohe Zeit, zu retten, was noch zu retten ist." Deutlicher kann doch keine Sprache sein! Nachdem man Jahrelang sich die Mühe gegeben, den bittersten Haß in das Herz des Volkes zu verpflanzen, will man auch die Früchte dieser giftigen Saat ernten! Ebenso benutzt die „Germania" die Vorgänge in Rumänien nicht blos gegen die Juden dort, sondern in allen Ländern, zu agitiren. Ganz besonders richtet sie ihren Stachel fortwährend gegen die ,,Alliance isr. univ.‘\ die sie dem gläubigen Volke zu einem wahren Popanz der Macht, des Einflusses und der jüdischen Herrschaft macht. Der ganze Berliner Congreß soll nach der Pfeife der Alliam e getanzt haben. Daß die Mächte erkannten, der Friede im Oriente sei nur möglich, wenn der Religions- und Raeenhaß durch das Staatsgesetz eingedämmt würde, es sich hierbei auch nicht um die Juden, sondern noch mehr um die Mohamedaner, lmt die Griechen, Armenier u. ff. handelt, tvill natürlich das Jesuiten- ' blatt nicht einsehen, sondern die dessallsigcn Artikel des Berliner Vertrages sind lediglich auf den Wunsch der Alliance entstanden und ausgenommen tvorden. Es bedroht daher die Alliance, die doch nur „das Ziel hätte, den jüdischen Wucherern ein neues und ergiebiges Operationsgebiet zu erschließen", daß ihre Bemühungen bei dem ganzen christlichen Volke eine entgegengesetzte Wirkung üben werden, deren „Zeichen und Symptome an Zahl und Jntensivität immerfort zunehmen." Wir können

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