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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-08-05 · Heft 32 (5.8.1879) · p. Seite 501

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 32 (5.8.1879)
Date
1879-08-05
Page
Seite 501 (sequence 5)
Language
German
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501 Unabhängigkeit des Landes anerkenne und daß die Judenfragc der ewigen Lösung entgegenharre? In dieser Hinsicht ist die Majorität der Kammern aufrichtiger, ja am aufrichtigsten die 23, welche den Artikel 7 als unantastbar in der Verfassung beibehalten wollen. So soll die Lage der Juden Rumäniens selbst nach der Ansicht einer „liberalen" Negierung jetzt wie früher eine wenig beneidenswerthe bleiben. Und wer noch für einen Augenblick den Vorspiegelungen der Rumänen Glauben geschenkt, daß hier zu Lande kein Neligionshaß existirt und daß die Restrictionsmaßregeln nur wegen socialer und öconomischer Ursachen erfordert würden, wird hoffentlich durch das Amendement Marzesko's, des Berichterstatters der Commission, zur Commissionsvorlage anders belehrt werden. Dieses lautet: „Fremde lein anderes Commissionsmitglicd hatte durch ein anderes Amendement dafür gesorgt, daß unter Fremde nur Juden zu verstehen sein sollen) dürfen in Rumänien jetzt wie früher auch kein städtisches Grundstück erwerben, weder durch Verträge intor vivo*, noch durch usuca]»io, noch durch testamentarische Verfügung." Nun durften z. B. Juden vor den» Jahre 1866 in Rumänien Häuser erwerben, und giebt es auch Juden, welche solche besitzen. Jene sollten nun ihr Eigenthum auf ihre Nachkommen nicht vererben dürfen, sondern —. Hier bleibt nichts Anderes übrig, als daß das Eigenthum der Juden für vogelfrei erklärt werden dürfe. So steht es mit der religiösen Toleranz der Rumänen. Wird Europa sich irre führen lassen? Das ist die Frage, die uns heute beschäftigt. Die Emancipation einer bisher unterdrückten Mcnschenclaffe ist eine zu wichtige Cülturfrage, als daß Europa mit sich schachern ließe. Adolf Wahrmann. Die wichtigste Kundgebung, die wir hier augenblicklich zu verzeichnen haben, ist die Circularnote des rumänischen Ministers des Aeußern, I. Campineano, an die rumänischen Vertreter im Auslände. Zuerst führt der Minister die gesetzgeberischen und administrativen 'Anstrengungen uns vor, welche Rumänien seit 1860 gemacht hat, um Ordnung und Eultur in dem verwahrlosten Lande zu schassen. Namentlich hebt er hervor den Straßenbau und die Befreiung der leibeigenen Bauern und Zigeuner, denen das Eigenthumsrecht an Grund und Boden gewährt wurde. Das Schulwesen übergeht er wohlweislich. Die Stellung Rumäniens vor dem letzten Kriege und während desselben tvird gezeichnet und besonders das Verdienst Rumäniens hcrvorgehoben, die Bestimmungen des Berliner Congresses ausgeführt, Bessarabien an Rußland abgetreten unb die Dobrudscha übernommen zu haben — ein Verdienst, das freilich einer Macht wie Rußland gegenüber sehr schwach erscheint, noch dazu, da damals Rumänien von den russischen Heeren besetzt war. 'Nach der Meinung des Herrn Ministers hat Rumänien dies jedoch nur aus dein Motive gethan, dem Friedcnswerke im Oriente keine Schwierigkeiten zu bereiten. 'Es folgen nun Vorwürfe darüber, daß der Berliner Congreß sich nicht mit einem protocollarischen 'Wunsche für die Gleichstellung der Juden begnügt, sondern diese als eine bestimmte Forderung in den Vertrag ausgenommen habe. Erfährt fort: ' „Diese Forderung hat insbesondere mit Rücksicht auf die Milde, welche Europa den anderen 'Nationen des Orients gegen- . über entwickelte, die Rumänen in große Unruhe versetzt. Man ' kann in der That die Lösung der Judensrage in Rumänien mit : bcr Emancipation der unterjochten Völkerschaften des Orients Glicht vergleichen. Diese Letzteren, bestehend aus den alten! Betvohnern des Bodens, den Eingeborenen,. Autochthonen, wurden durch einen fremden Eroberer unterworfen, der als; solcher gehandelt hat. Die Israeliten Rumäniens sind dagegen! fremd im Lande und sind erst seit, kurzer Zeit ihres Handels oder vielmehr ihres Schachers tvegen dahin gekommen. Nur j eine kleine Zahl derselben befindet sich seit Jahrhunderten' dort. | Dies sind die aus der Türkei als Rajahs gleich den Griechen,! Bulgaren und Armeniern nach der Walachei gekommenen spai nischen Juden. Diese Israeliten haben sich der rumänischen! Bevölkerung assimilirt, und es besteht kein Hinderniß dafür, j daß sie nicht alle jene gleichen Rechte, wie sie andere Bevölkerungen fremden Ursprungs erhalten haben, bekommen. Daher hat ihnen auch die Constitution vom Jahre 1848 diese Rechte ohne Einschränkung ertheilt und wurden diese Rechte denselben nur in Folge der Veränderungen genommen, welche die fremde Invasion dem Lande aufgedrungen hat. Im Jahre 1860 wurde die Frage neuerdings aufgeworfen, damals war jedoch die Union der Fürstcnthümer bereits vollz ogen, und die Moldau befand sich in einem ganz anderen Zustande als die Walachei. Eine starke Eimvandcrung von angeblich polnischen Juden aus Rußland und Galizien überschwemmte dieses Gebiet. Reit Pässen versehen, welche nur zum Verlassen ihres Heimatlandes berechtigten, fanden diese Israeliten, als sie dahin zurückkehren wollten, die Grenzen desselben gesperrt, und die Moldau ist hierdurch unfreiwillig zur Ablagerungsstätte der hin und her wogenden unbemittelten Bevölkerung der großen Nachbarstaaten geworden." „Diese Israeliten leben im Lande in der Eigenschaft auswärtiger Unten Hanen und. Dank der Consular-Gerichtsbarkeit, die noch vor Kurzem bei uns in Uebung war, genoffen sie alle Vortheile des austvärtigen Schutzes, ohne irgend eine der Lasten zu tragen, zu denen sie in den Staaten herangezogen tvorden wären, als deren Unterthanen sie sich erklärten. Nach der Vereinigung der Fürstenthümcr übte diese Masse von Israeliten neuer Herkunft, unterstützt durch die Thätigkeit der Allinmr isrju'lito wniv»TMlli*, einen großen Einfluß auf ihre Religiousgeuoffen in der Walachei. Das Asstmilationswerk, welches bei Letzteren sehr weit vorgeschritten war, wurde alsbald unterbrochen, und eine große Anzahl von ihnen schloß sich dein Geiste und den Tendenzen der fremden Juden in der

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