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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-07-29 · Heft 31 (29.7.1879) · p. Seite 491

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 31 (29.7.1879)
Date
1879-07-29
Page
Seite 491 (sequence 11)
Language
German
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491 bedeutende Autoritäten angeschlossen. Zu dem Ziele, selbstständige deutsche Expeditionen zur Erforschung des heiligen Landes zu veranstalten, kann er aber nur gelangen, wenn die Zahl seiner Mitglieder sich bedeutend vermehrt. Bekanntlich ist der Jahresbeitrag 10 Mark, wofür die Zeitschrift gratis geliefert wird. Die letzten drei Hefte bringen des Interessanten, ja des Wichtigen recht Vieles. Nach einer Biographie des berühmten Palästina-Reisenden Titus Tobler, welcher vier Mal (18o;>, 1845, 1857 und 1 -w05; Palästina bereiste und eine Reihe tüchtiger Schriften topographischen und literarhistorischen Inhalts verfaßte, giebt Baron von Alten eine sorgfältige und resultatreiche Untersuchung über „die Antonia und ihre Umgebungen", sowie Baurath Schick eine Abhandlung über „die Wasserversorgung der Stadt Jerusalem", namentlich die Salomonischen Wasserteiche und den großen Aquäduct, in 'welcher der Salomonische Ursprung beider Werke erhärtet und die sorgfältigste Beschreibung gegeben tvird. Von demselben Verfasser rührt auch eine ausklärende Erforschung des „Davidthurms" in Jerusalem her. Außer einigen kleineren Artikeln bringt die Zeitschrift noch den Abdruck der Erzählung von der Pilgerfahrt des Herzogs Friedrich 1i. von Liegnitz, die dieser 15'<7 gemacht hat, sowie der Dcscripiio lempli Domini von Philippus de Aversa. Karten, Tafeln und Umrisse begleiten diese Arbeiten. Der Leser wird hieraus den Werth dieser Zeitschrift erkennen, welchen sie sich in so kurzer Zeit zu erwerben gewußt hat. Bonn, 20.' Juli. (Literarische Notizen.) Frau Elise Henke, die Verfasserin des preisgekrönten Lustspiels „Durch die Intendanz" hat mit ihrem neuen Lustspiele „Die Wiener in Stuttgart" aus dem Eannstatter Theater einen schönen Erfolg errungen. - Die Verfasserin ist die Schwester des Münchener Rechtsanwalts und Abgeordneten Hofraths Di-. Sigmund Henle. Sie ist die Gattin eines Herrn Levv, nahm aber als Dichterin den Namen ihrer Familie an.' — H. B. 0 ppcnheim, der rühmlich bekannte, wissenschaftlich gebildete Volkswirlh und liberale Abgeordnete hat als fünftes Bändchen der bei Köbeneo in Breslau erscheinenden „Deutschen Volksschritten" eine sehr empfehlenstverthe Schrift: „die Gewerbesreiheit nnd.der Arbeitsvertrag" veröffentlicht, welche die dahin einschlägigen Fragen in ebenso populär verständlicher Sprache wie in gründlicher und in geschichtlichem Zusammenhang beleuchtender Weise behandelt. — Nebenbei wollen wir für Leser, die sich dafür interessiren,bemerken, daß jetzt bereits über den Darwinismus und Häckelismus wissentschastlich der Stab gebrochen ist. Tie Kritik, welche Albert Wigand in seinem Werke: „Der Darwinismus und die Ralurforschting Newtons und Euvier's" geübt, hat diese Hypothese selbst innerhalb der speculirenden Naturforschung geradezu vernichtet! — Ieuil .Aus einem iimibenicbcn vor fünfzig Führen. Der auch als Novellist rühmlich bekannte Dr. Honigmann in Breslau veröffentlicht in dem nächstens erscheinenden diesjährigen Liebermann'schen Kalender unter obigem Titel Skizzen aus seiner frühesten Jugend, die eben so geistreich abgefaßt tvie voll Interesse, namciitlid; culturhistorischer Art, sind. Der Herr Verfasser hat die Aufmerksamkeit gehabt, uns einen Separatabzug noch vor dem Erscheinen jenes Kalenders zuzusenden und uns zu ermächtigen. Einiges aus seinen Skizzen an dieser Stelle mitzutheilen. In einer Provinzialstadt des Großherzogthums Posen geboren, schildert er das abgeschlossene geistige Leben in derselben folgendermaßen: „Hier war Alles noch so, wie es sich von altersher von Geschlecht auf Geschlecht vererbt hatte, ganz wie in den Ghettogemeinden des Mittelalters, noch dazu mit dem jeder verschönernden Außenseite abholden halbslavischen Gepräge. Der gesammte Erziehnngs- und Unterrichtsapparat war, obwohl lange schon unter staatlicher Controle, mehr als primitiv; er war geradezu noch barbarisch, das Religionswesen selbst in craffeste talmndisch-cabbalistische Orthodoxie versunken; von deutscher Aufklärung keine Spur, von dem in der Entfernung von kaum einer Tagereise schon hellglänzenden - Lichte. feto n. der Mendelssohn'schen Reformideen drang auch nicht der leiseste Schimmer einer Ahnung durch die dicke Mauer des geistigen Burgverlicßes, in dem eine ganze Bevölkerung schmachtete, ohne ihrer schmählichen Gefangenschaft sich auch nur belvußt zu sein! Wenn in diesem Zustand geistigen Stillstandes, in dem jede freie Regung und Entfaltung einer eigenartigen Individualität schon im Keime erstickte, je Zuweilen doch eine Bewegung eintrat, so entsprang sie nicht aus dem Eindringen eines frischen Windzuges von außen, der den stockigen Dunstkreis zu reinigen und durch frische Luft zu ersetzen.vermochte; — nein, sie war nur das Ergebnis; einer durch die Reibung von Personen und Verhältnissen hervorgebrachlen Gährung der aus dem Fluß gekommenen Stoffe, und die Wirkung aus die allgemeinen Zustände, auf die Moralität und das religiöse Bewußtsein war deshalb nur derjenigen vergleichbar, welche durch das Aufrühren eines lange stagnirenden Sumpfes erzeugt wird." — Es handelte sich um die Wahl des Rabbiners, ob der junge Cohn des verstorbenen oder der älteste Vorsitzende des Herl» Diu gewählt werde. Es versteht sich, das; damals die Schule noch das alte Cheder war, welches auch der jetzigen Generation aus vielfachen Beschreibungen nicht unbekannt ist. Auch Honigmann ckcbildert es in beredter Weise, und wir heben nur folgende

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