Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-07-29 · Heft 31 (29.7.1879) · p. Seite 486

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 31 (29.7.1879)
Date
1879-07-29
Page
Seite 486 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227231-3227263--37335-3256735
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

486 S^eiiu itvj M i occßtxcßtew/. _ Deutschland. Frankfurt a. Main, 15. Juli. „Auf den Wunsch mehrerer jüdischer Eltern wird, wie der ,Köln. V.-Ztg/ berichtet wird, für die israelitischen Kinder, welche die Coinmunalschule besuchen, an den schulfreien Nachmittagen ein regelmäßiger Unterricht in der Religion und dem Hebräischen eingeführt. Die städtische Behörde hat zu diesem Zwecke bereits in zwei öffentlichen Schulen Lehrlocale, eines für Knaben, eines für Mädchen zur Disposition gestellt. Die Einrichtung wirkt ohne Zweifel anlockend für die Simultanschulen. Wird besonderer Religionsunterricht in denselben erlheilt, so beruhigt das die Gewissen der Ellern, die dann der Meinung leben, damit seien die Gefahren der confessionslosen Schulen für die religiöse Erziehung ihrer Kinder entfernt. Uebrigens sind die Juden die einzigen Insassen Frankfurts, die noch btt volle Freiheit in der Wahl der Schulen besitzen. Die, welche für ihre Kinder eine israelitische Erziehung wollen, können sie in die unangefochten bestehenden jüdischen Gemeindeschulen, die zu ihrer Aufnahme vollständig ausreichen, schicken. Darauf wies bereits im vorigen Jahre der jüdische Stadtverordnete und Reichstagsabgeordnete Sonnemann hin, indem er sich gegen die Einführung eines israelitischen Religionsunterrichts in einer hiesigen Simultanschule erklärte." - Die „K. V.-Z." und die „Germania" sehen dies als eine Verlockung der Juden zu den Simultänschulen an, und erwägen nicht, daß an tausend und abertausend Orten die Juden genöthigt sind, ihre Kinder selbst in die christlich confessionellen Schulen zu schicken, ohne daß daselbst für ihren Religionsunterricht gesorgt wird. Freilich, das Ideal der Ultramontancn ist, daß die Jugend gezwungener Maßen in getrennte Schulen von der Elementarschule bis zur Universität hinauf — man denke an die „katholischen Universitäten" — gesondert eingepfercht werde. Unsere Zeit geht aber nicht zu diesem Ideale hin, sondern entfernt sich davon immer mehr. Frankfurt a. M., 16. Juli. (Privatmitth./) Demnächst wird eines der bedeutendsten Rabbinate Deutschlands vacant. Der Stadtrabbiner Iw. Friedmann in Mannheim hat sich in Folge seines durch harte Schicksalsschläge erschütterten Gesundheitszustandes (es sind ihm in den letzten zwei Jahren nach einander drei Söhne in der Blüte der Jahre gestorben) veranlaßt gesehen, seine Versetzung in den Ruhestand nachzusuchen. Das Gesuch ist unter Zusicherung einer angemessenen lebenslänglichen Pension von dem Synagogenrath genehmigt worden. I) Diese Mittheilung kommt uns aus zuverlässiger Quelle zu. und tritt den mannigfachen Gerüchten entgegen, die über den Vorgang verbreitet worden. Nedacsiori. Herr Dr. Friedmann wird also demnächst in den Ruhestand treten und, wie wir hören, wird auch der erst feit Kurzem als zweiter Stadtrabbiner fungirende Herr Dr. Porges seine Stelle aufgeben, die nur dadurch ihm wünschenswerth war, daß sein Schwiegervater an erster Stelle stand. — Es ist ein Vorzug der Mannheinier Gemeinde und seit den Tagen des sel. Rabbiner Do. Praeger das Verdienst ihrer Führer, daß, während in anderen großen Gemeinden durch die verschiedenen Parteirichtungen Spaltungen hervortraten, sie sich als eine einheitliche große Gerneinde behauptet hat. Möge ihr dieser beneidenswerthe Vorzug auch in der Zukunft erhallen bleiben! Trier, 13. Juli. (Privatmitth.) Daß es gerade dem großh. weimarischcn Landesrabbiner Herrn Dr. Kroner geschehen mußte, durch seine Wahl die Gemeinde, die ihn gewählt, gespalten zu schert, ist hart, da Dr. Kroner bekanntlich sehr stark zur Orthodoxie hinneigt nnd dafür in Mainz schon öfter belobt worden. Aber es ist dies aberrnals ein Zeugniß von der Unversöhnlichkeit der Separatisten. Die Mnorität der hies. Gemeinde wollte durchaus einen Rabbiner nach dem Herzen des Herrn Lehmann. Da die Majorität sich nicht beherrschen lasten und fügen wollte, trat jene aus der Gemeinde, um einen eigenen Gottesdienst und Rabbiner zu haben und sich selbst zu begraben. Dergleichen wird wohl bei Gelegenheit noch hier und da passiren, aber einen Sieg des Separatismus bedeutet es nicht, und die dauerhafte Existenz der kleinen Separatistengemeinden ist durch nichts verbürgt. Mannheim. im Juli. (Privatmitth.) „Der Verein zur Erziehung armer Weisen und Kinder dürftiger Eltern israelitischer Eonfession" hat seinen 20. Bericht über seine Wirksamkeit vom 1. October 1877 bis 30. September 1878 ausgegeben. Der Verein ist in der glücklichen Lage, sein Wachsthum in allen Zweigen seiner Thätigkeit bekundet zu sehen. In dem abgelaufenen Rechnungsjahre hatte er 17 Ganz- und 19 Halbpsleglinge, also Pfleglinge mehr als im Vorjahre. Acht Pfleglinge, die sämmtlich seit einer Reihe von Jahren unter der Obhut des Vereins gestanden, wurden entlasten; 3 davon erhalten noch weitere erhebliche Unterstützungen. Der Verein erhielt in diesem Jahre an Geschenken wieder 6042 Mark. Auch der junge Fond zur Erbauung eines Waisenhauses ist durch neue Schenkungen gewachsen. So besteht das Vermögen des Vereines mit seinen Rebenstiftungen zusammen in M. 132,976. Hierin liegt sicherlich die Bürgschaft, daß dem Vereine eine gedeihliche Zukunft bevorstehe, worin gelviß der beste Dank für diejenigen Damen und Herren besteht, die sich mit Eifer den Angelegenheiten des Vereins widmen. Leipzig, 15. Juli. (Privatmitth.) Hier und in Wien erscheint eine Zeitschrift, die sich unter dem Titel „Alma Mater"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.