Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1879)
- Date
- 1879-07-29
- Page
- Seite 485 (sequence 5)
- Language
- German
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485 um len Berliner Vertrag betreffs der konfessionellen Gleichstellung in dem Fürstenthume in Ausführung zu bringen. Indem die österreichische Negierung sich zu dieser Art von Intervention verstand, schließt sie sich nicht der Zwangspolitik an, die einige Mächte einzuschlagen bereit schienen, sondern geht lediglich als ein Mitunterzcichner des Berliner Vertrages vor." Nach einer Correspondenz der „N. fr. Pr." vom 11. d. sollen die Abgeordneten der ministeriellen Partei dem Minister Bratiano erklärt haben, daß sie in allen Fragen mit ihm gehen und ihm ihre Zustimmung geben werden, nur nicht in der Judenfrage, selbst aus die Gefahr seiner Demission hin. Dies ist für jeden Unbefangenen ein sehr deutlicher Fingerzeig über die wirkliche Quelle dieser Opposition. Die „N. fr. Pr." wird dies ebenso gut, wenn nicht bester wissen als wir. Aber sie tritt seit einiger Zeit so offen für Bratiano ein, daß sie bereits aus dem Standpunkte des Grafen Andrassn in unsrer Frage steht. Wir können ihr daher keinen vollen Glauben schenken, wenn die gedachte Correspondenz folgendermaßen schließt: „Seit etwa drei Tagen hat sich der hiesigen Juden, namentlich der mittleren und unteren Elasten, ein wahrhaft panischer Schrecken bemächtigt, und zwar in Folge des Gerüchtes, daß die rumänische Bevölkerung in den hiesigen ausgedehnten Vorstädten eine allgemeine Judenhetze zu insceniren beabsichtige. Die Negierung ist in vollster Kenntniß dieser Gerüchte und hat in considentiellem Wege auch bereits constatirt, daß es in der That Elemente giebt, die der momentanen Opposition angehören und es an Hetzereien unter der unteren rumänischen Bevölkerung gegen die Juden nicht fehlen lassen; noch mehr aber sollen fremde, erst kürzlich aus dem Auslande hier eingctroffene Emissäre sehr angelegentlich daran arbeiten, um Excesse gegen die Juden hervorzurufen und dadurch das Land in unabsehbare Verwicklungen zu stürzen, durch tvelche sie ihre feindseligen Pläne gegen Rumänien zur Reife zu bringen hoffen. Daß die Negierung gegen diese Wühlereien und gefährlichen Jntriguen, wenn auch nur im Stillen, umfassende und energische Vorkehrungen getroffen hat, wird mit dem Beisatze versichert, daß die öffentliche Ruhe und Ordnung weder in der Hauptstadt noch in der Provinz tverden gestört werden." — Solche Schreckmittel kennt man. Sollte der Bericht die Wahrheit enthalten, so wäre dieser Zustand eine neue Folge der ministeriellen Politik. Bukarest, 16. Juli. Das Comitö der Kammersektionen zog heute den Paragraphen der Versaffung, betreffend die Erwerbung ländlichen Grundbesitzes, in Berathung und änderte die ursprüngliche Fassung des Commissionsentwurfs dahinab. daß er das Princip beibehieltdaß nur Rumänen und naturalisirte Ausländer unbeweglichen Besitz erwerben können. Angesichts der unversöhnlichen Haltung des Comitös erklärte der. Ministerpräsident Bratiano, daß das Ministerium vom Fürsten seine Entlastung erbitten werde. Man werde sich nur mit zwei Arten der Lösung der Frage über die Juden-Emancipation zu beschäftigen haben, und zwar 1) mit dem vom Comita unwesentlich abgeändcrten Anträge der Mehrheit des Jnitiativausschusses und 2) mit dem auch von der Regierung befürworteten Anträge Rosetti. Nach diesem letzteren sollen ohne vorhergängiges Verlangen nach im Voraus combinirten Listen en bloc die zu folgenden Kategorien gehörigen Juden zu Rumänen erklärt werden: l) Diejenigen, welche in der Armee gedient oder an der Militärlosung Theil genommen haben; 2) diejenigen, welche commcrcielle oder industrielle Etablissements errichtet haben; 3) diejenigen, tvelche Unterrichts- oder Wohlthätigkeits-Anstalten Geschenke gemacht haben; 4) diejenigen, welche einen von rumänischen Unterrichtsanstalten verliehenen akademischen Grad besitzen oder wenigstens das Baccalaureats-Examen abgelegt haben, und 5: diejenigen, welche ein literarisches oder wissenschaftliches Werk in rumänischer Sprache geschrieben haben. — Das ist die Weisheit, mit welcher endlich die vfsikielle Regierungspartei herv.ortritt, und die fast ganz dieselbe Illusion dem Artikel 44 des Berliner Vertrags gegenüber enthält, wie der Enttvurf der Gegenpartei. Wir sehen keinen irgend bedeutenden Unterschied ztvischen beiden ein. Daß man nun die ganze Spiegelfechterei benutzt, um durch die rumänischen Agenten bei den Großmächten aus die „unüberwindlichen Schwierigkeiten" hinzuweisen, welchen man bei dem besten Willen seitens der Negierung begegne, ist selbstverständlich. Bukarest, IX. Juli. Bratiano und sein ganzes Ministerium haben ihre Entlassung gefordert und vom Fürsten erhalten. Rosetti hat das Kammerpräsidinm niedergelegt und trotz seiner Wiederwahl mit 74 Stimmen nicht wieder angenommen. Rach einer Berathung des Fürsten Karl mit dem Senats- und Kamnierprüsidenten steht die /Reubildung des Cabinets Bratiano als ein Fusionsministerium und die Vertagung der Kammern bevor. (Das ganze Spiel geht also nach dem Schema, das wir oben gezeichnet haben, weiter vor sich! Wir erhalten soeben aus Vottuschan eine Correspondenz, welche unsere Ansicht in allen Theilen bestätigt, die wir jedoch aus Mangel an Raum erst in der nächsten Nummer geben können. Redaction.)