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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-07-22 · Heft 30 (22.7.1879) · p. Seite 477

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 30 (22.7.1879)
Date
1879-07-22
Page
Seite 477 (sequence 13)
Language
German
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477 Und rangen nur aus einem Auge Thränen! Der Liebe heiß für Dich sich los —! Dann war Dein Thun kein Wähnen, Dann warst Du groß! Drum zage nicht, wenn Dir der Ruhm verblich. Verzweifle nicht, wenn Dir Erfolg entwich — Jedwedem ist's gegeben. Wahrhaft zu leben! j * | In rauhem Winter selbst der Sonne Strahl j Erwärmt zumal — Der Geist, der stets nur zu verneinen weiß. Ist immer Eis. Erwacht der Lenz, ist schnell der Frost vergessen. Die düstren Unbill' all — Doch wer hat je der Lenzeslust vergessen Selbst in des Nordsturms Schwall? Er denket deß und setzt darauf sein Hoffen, Bis cs ist eingetroffen. Hat sich der Frost Dir in's Gemüth gewühlt. Ist Dir um's Herz so kalt — Denk deß, was einstens Du gefühlt. Und überwind' es bald! Durch des Systemes eisige Ideen Ist Dir der Geist erstarrt? Hin zu des Gottesglaubens Sonnenhöhen — Die Rinde schmilzt, sie sei auch noch so hart! Des Menschen Geist gleicht einem reichen Garten Mit Baum und Strauch, mit Blumen, Gras und Kraut. Doch emsig mußt Du sichten, ordnen, warten. Daß wachs' und blühe was Du angebaut! Denn Blum' und Gras gedeiht nicht unter Schatten Und Unkraut überivuchert schnell die Matten. Lebst Du der Zier, wirst Du die Frucht nicht ziehen. Dein Nutzen nur, wird Dich das Schöne fliehen. Du fragst den Gärtner, den erprobten: Was soll ich thun? Die gestern dies, und heute jenes lobten, Die lassen mich nicht ruh'n! Gieb Jedem nur sein Recht und seine Stätte Und Pfleg' zur rechten Zeit — Pflanz' nicht zu viel, daß Keines Raum noch hätte. Beschneide fix, daß nichts zu breit —! Gehst ernstlich Du auf diesen Pfaden, Kann auch ein Fehltritt Dir nichts schaden. Dann hilft Natur mit ihrer Kraft, Die unbewußt das Rechte schafft. Es ist Dir nicht gelungen, Die Scheuern Dir zu füllen — Nun, so viel hast Du stets. Den Hunger Dir zu stillen. O prüfe, was Du Dir ersehnst! Das ist der Sache Kern — Sonst kommt Befriedigung Dir nie. Wo sie Dir gar nicht fern. Nichts ist' gefährlicher als Launen Und steter Wechsel im Gemüth, Wo schnell Verachtung folgt auf Staunen, Der Wille welkt, der eben blüht' — Da rollt bald rechts, bald links das Schiff Und nah', zu scheitern, ist das Riff.. Doch wo die Consequenz zur Kette, Zu eh'rner Ruthe wird Beschluß — Wer soll da vor dem Jrrchum retten. Vor unbarmherz'gem Wurf und Schuß? (Fortsetzung folgt.) vermischtes. Immer zwei verschiedene Maße. In Kleinpaul's Poetik, siebente Auflage, findet sich eine rationalistische Erklärung des christlichen Abendmahls. Die „Germania" bemerkt hierzu: „Wir machen das Cultusministcrnun auf das Buch ge- | bührcnd aufmerksam und werden Gelegenheit nehmen anzui zufragen, was geschehen ist, um Miseren berechtigten Forderungen in dieser Hinsicht zu genügen." — Nun, es wurde vor einiger Zeit das Eultus-Ministerium darauf aufmerksam gemacht, daß in einer in katholischen Schulen weitverbreiteten biblischen Geschichte gelehrt werde, die Juden seien Brudermörder und flüchtig über die ganze Erde wie Kain. Wir glauben, daß dies ein viel schädlicherer Lehrsatz in einem Schulbuchc Kr das kindliche Alter, als eine rationalistische Deutung in einer Poetik. Wir haben bisjetzt nicht gehört daß die „Germania" sich den jüdischen Forderungen angeschloffen habe, noch daß vom Cultus-Minifterium eine Antwort erfolgt sei.

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