Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1879)
- Date
- 1879-07-22
- Page
- Seite 476 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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476 ein Jude, bekam am 22. d. ein anonymes Schreiben, in welchem es wörtlich also hieß: „Du ungetanster Jude, betrügst und stiehlst genug, zahle wenigstens eine Abgabe an die nationale Negierung, die Dich bis morgen leben lassen wird, damit Du bis dahin 50,000 Rubel zahlen kannst. Das Geld tvird aus dem südlichen Winkel des Zacharowparkes unter der äußersten Bank geholt werden. Das Revolutionscomitv." Klein übergab den Brief der Polizei, und am nächstfolgenden Tage um 8 Uhr früh brach in seinen Magazinen Feuer aus, welches in kurzer Zeit Maaren im Merthe von 21,000 Rubel vernichtete. Doch nicht an einzelne Personen allein, auch an die Gemeinden wenden sich die Revolutionäre mit ihren Forderungen. So ist am 21. d. M. das jüdische Städchen Uziany im Gouvernement Kowno total niedergebrannt, weil die Gemeinde die ihr vom Revolutionscomitv auferlegte Contribution von 200,000 Rubel nicht bezahlt hatte. Es brannten mehr als 300 jüdische Häuser ab. Das Feuer dauerte vier Tage lang, und die aus den benachbarten Dörfern herbeigeeitten Bauern retteten nur die Gegenstände aus der katholischen Kirche und die des katholischen Geistlichen. Vierzehn Juden, acht Männer, zwei Frauen und vier Kinder fanden in den Flammen ihren Tod. (Das letzte Factum zeigt, daß es Wohl nicht bloß die Nihilisten sind, unter deren Verbrechen die Juden zu leiden haben.) Bonn, 6. Juli. (Notizen.) Man schreibt uns aus St. Gallen: Die hiesige israelitische Gemeinde hat dieser Tage einen sehr passenden, günstig gelegenen Bauplatz zu einer neuen Synagoge angekauft und gedenkt demnächst den Bau zu beginnen. So consolidirt sich diese junge Gemeinde immer mehr. — Als im Anfang der Vierziger vom König Friedrich Wilhelm IV. in Verbindung mit der englischen Negierung das protestantische Visthum in Jerusalem begründet und mit einem getauften Juden Alexander besetzt wurde, wirbelte die Sache damals viel Staub auf. Gegenwärtig erregt sie wenig Aufmerksamkeit mehr. Nach dem Tode des zweiten Bischofs Gobat ist jetzt durch die englische Negierung ein Dr. Joseph Barclay (kein getaufter Jude) ernannt worden, dessen Kenntnisse im Hebräischen, auch im Talmud, gerühmt werden und der bereits zehn Jahre in Jerusalem gelebt. Bonn, 13. Juli. (Notizen.) Italienische Blätter berichten: Am 1. Juli empfing Papst Leo XIII. den gelehrten israelitischen Orientalisten Benjamin Eon solo in Audienz, wobei ihm dieser seine italienische Uebcrsctzung des Buches Hiob und der Klagelieder der Propheten Jeremias präsentirte l). Se. Heiligkeit nahm die Gabe sehr wohlwollend auf und als er erfuhr, daß Consolo ein Schüler des verstorbenen Cardinals Barili gewesen, gratulirte er ihm dazu, einen so gelehrten Meister gehabt zu haben. Als sich das Gespräch auf das Studium des Hebräischen wendete, bemerkte Consolo, daß er bei dem im vorigen Jahre in Florenz abgehaltenen Congresse der Orientalisten nebst seinem Freunde, dem Professor Lasino, auch mehrere Geistliche, wie Monsignor Fabbiani, den Abba Valerga und andere tiefe Kenner des Hebräischen gefunden habe. Se. Heiligkeit zeigte sich sehr zufrieden, als ihm Consolo eröffnete, daß er beschlossen habe, seinen bleibenden Aufenthalt in Rom aufzuschlagen, um die Cultur des Hebräischen zu fördern. Der gelehrte Orientalist war seinerseits sehr gerührt von dem Wohlwollen, mit dem sich Leo XIII. lange mit ihm über alles Das unterhielt, was die Entwicklung und den Fortschritt der Wissenschaften betrifft. — Herr Lehrer S. Cohn schreibt uns aus Bromberg vom 8. d.: Am 1. dieses Monats verstarb hier plötzlich der in weiten Kreisen bekannte Literat Julius Kossarski-). Sein Tod hat die ganze Gemeinde in tiefe Trauer versetzt, denn der Verklärte verband mit seiner wissenschaftlichen Bildung Glaubensinnigkeit und seltene Herzensgüte. Er hatte ein warmes Herz für alles Edle und Schöne und trotz seines siechen Körpers widmete er unverdrossen seine geistige Thätigkeit allen Interessen des Judenthums, dem er mit ganzem Herzen anhing. Alle, die ihm näher standen, haben ihn wegen seiner Charaktervorzüge schätzen und lieben gelernt, und durch diese seltenen Vorzüge hat er sich ein dauerndes Denkmal in den Herzen Aller gesichert. 1) Wir haben diese beiden Arbeiten des Herrn Consolo S. 477 vor. Jahrg. besprochen. Redaktion. 2) Neben einer reichen Auswahl von Gedichten und Novellen sind aus seiner Feder folgende Werke hervorgegangen: „Segen des Morgenlandes", „Titus", „Der Mönch von Meran", „Der Schloßherr", „Die Wallfahrt nach Palästina", von denen einige hervorragende Beachtung fanden. Auch als Numismatiker besaß Julius Kossarski umfangreiche Kenntnisse und er hinterläßt eine große Münzsammlung von bedeutendem Werthe und mit vielen Raritäten, mit deren Ordnung und Beschreibung er sich besonders in den letzten zwanzig Jahren beschäftigte. § c« x f I c f o n. Antipessimistische Venkspriiche von L. PH. (Fortsetzung.) Der Nachruhm, Freund, ist nur ein Schatten, Der' aus das Grab vom Leben fällt. Ein Name, den die krit'schen Ratten Zernagen, bis er ganz zerfällt. Erfolg? In wen'ger Tage Lauf Ist er davon und auf! Doch wecktest Du in einer Menschenbrust Die Helle Freude, ach! Die frohe Lust,