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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-07-22 · Heft 30 (22.7.1879) · p. Seite 475

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 30 (22.7.1879)
Date
1879-07-22
Page
Seite 475 (sequence 11)
Language
German
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475 waffneten SLrcitparteien zu einem blutigen Gefechte, in welchem mehrere Juden und einige Griechen getödtet und gegen 50 Personen verwundet wurden. Ungeachtet dessen, daß an Ort und Stelle des Gefechtes zwei türkische Infanterie-Bataillone behufs Herstellung der Ruhe entsendet jvurden, wiederholten sich auch am nächsten Tage diese Kämpfe nicht nur in Kuskundschuk allein, sondern auch in vielen anderen Dörfern längs des Bosporus. Diese Unruhen drohen nun sehr ernst zu werden, da die türkischen Truppen griechischen Rebellen gegenüber sich als unzureichend erweisen und die Bewegung sich sogar bis nach den jüdischen Vierteln von Pera und Galata verpflanzt, wo die Griechen abermals zu den Waffen griffen und viele Juden attaquirten und maffacrirten." Bei Lesung dieses Art. darf man nicht vergessen, daß es der „Golos" ist, der ihn bringt und der sich bemüht, die Zustände in der Türkei als unhaltbar zu schildern. Auf Wahrheit kommt es dabei nicht immer an! Redaction.) Philippvpcl, 27. Juni. (Die Judenverfolgung in Karlovy) In dem während der bulgarischen Metzeleien zu einer traurigen Berühmtheit gelangten vstrumelischen Städtchen Karlowa sind in der verflossenen Woche Ruhestörungen vorgekommen. Der Director der inneren Angelegenheiten hatte dem S. Veneziani, Vertreter der „^Ilinnee lsraelite'*, die Erlaubniß ertheilt, die fünfzehn israelitischen Familien, welche früher in Karlowa ansässig waren, dort abermals zu installiren. Am 23. Juni gegen 10 Uhr Vormittags betraten ungefähr sechzig Individuen jüdischer Confession das Weichbild der genannten Stadt, wohin sie die vorn Vezirkshauptmann Naidcnow entgegengrsendeten fünf berittenen Gendarmen begleiteten. Kaum verbreitete sich die Nachricht von ihrer Ankunft in der Stadt, als die bulgarische Bevölkerung beiderlei Geschlechtes nach dem Absteigequartier der Juden eilte und unter wüstem Geschrei mit der Demolirung des Hauses und Massaerirung der Ankömmlinge drohte, falls dieselben nicht unverzüglich Karlowa wieder verlassen sollten. Der mit weiteren fünf Gendarmen herbeigeeilte Bezirkshauptmann konnte die hocherregte Menge niche beruhigen und traf rasch Anstalten, um die Juden über Kudjerlia nach Philippopel zurückzuschicken. Die bulgarischen Organe suchen eine Beschönigung dieses für die Vulgaren höchst beschämenden Vorganges in dein Umstande zu finden, daß die Juden die Hauptanstifter eines Massacre in Karlowa gewesen wären. Das französische Mitglied der vstrumelischen Conunission, Baron de Ring, hatte vollkommen Recht, wenn er diese Entschuldigung zurückwies. Weiters aber ist die Behauptung, daß jene unglücklichen sechzig jüdischen Männer, Weiber und Greise an den Massacres von Karlowa irgendtvie betheiligt tvaren, eine reine Erfindung. Rur der russische Eommifsar, Fürst Tscheretlew, schenkt den.gegentheiligen Behauptungen der hiesigen Maritza vollen Glauben und hätte nicht übel Lust, die mißhandelten Juden noch vor das Forum des Gerichtes zu ziehen. Die änderen Delegirten der vstrumelischen Commission können sich allerdings zu der Höhe dieser Anschauungen nicht aufschtvingen und verlangen vom General-Gouverneur eine exemplarische ' Bestrafung der Schuldigen. Aleko Pascha hat in Berücksichtigung dieser Forderung die Entscheidung von drei Compagnien angeordnet und zugleich eine viergliedrige Commission zur Untersuchung des Vorfalles ernannt. Eine prompte und rücksichtslose Bestrafung der Schuldigen von Karlotva ist um so nothtvendiger, als sich die Bulgaren allerorten die ärgsten Ausschreitungen zu Schulden kommen lassen. Die ostrumelische Conunission hielt cs für angezeigt, sich authentisch darüber zu informiren. Die in objcctiver Weise eingestellten Nachforschungen ergaben, daß in den Dörfern Beijöki, Kuru-Himetly und Tschoba- Gerenkiöi thatsächlich von allen Mahomcdanern gehörenden Baulichkeiten kein Stein auf dem andern geblieben ist, daß im Districte von Kazanlik, und zwar in den Dörfern Vujuk-Ova- Kutschuk-Ova, Modcriski, Ak-Bach und Lidjülar, das gesammte unbewegliche Gut der geflüchteten Mahomedaner völlig demolirt wurde, und daß in einer ganzen Reihe von Dörfern des Philippopeler Kreises eine ähnliche vandalische Procedur im Werke ist. Die Bulgaren verfolgen dabei offenbar den Plan, die Rückkehr der Türken unmöglich zu machen, denn tver sollte ihnen neue Wohnhäuser erbauend Jedenfalls ist die Situation durchaus keine Vertrauen einflößende, und die Bemerkung eines europäischen Diplomaten, Aleko Pascha arbeite auf seinen Sturz los, findet in den faetischen Vorgängen eine gewisse Berechtigung. Die Pforte hat daher nicht ganz Unrecht, als sie gleich nach Empfang des telegraphischen Berichtes über den Vorfall in Karlowa den General-Gouverneur in gemessenen Ausdrücken einlud, dem Gesetze und dem blechte aller Einwohner der Provinz volle Geltung zu verschaffen. Zur Verlvirklichung der von der türkischen Negierung ersehnten Nepatriirung der aus Ost-Rumelien ausgetvanderten. Muselnranen ist eine Commission vom Direktorium ernannt worden, welche aus fünf Mitgliedern gebildet ist. Der Wankelmuth Aleko's hat neuerlich dringende Instructionen der Pforte in dieser Richtung veranlaßt, und die Einsetzung der fraglichen Courmission ist hauptsächlich darum erfolgt. (P. C.) Rußlands Moskau, 30. Juni. Daß unter den furchtbaren Zuckungen, welchen Rußland gegenwärtig unter dem scheußlichen Wühlen und Treiben der Nihilisten ausgesetzt ist, auch die jüdische Bevölkerung eine schwere Last zu tragen hat, läßt sich als unausbleiblich voranssetzen. Einige speeiclle Fälle sind folgende, wie sie ein Moskauer Blatt berichtet: Am 23. d. haben hier in Moskau allein neun verschiedene Feuersbrünste ftattgefunden. Der erste Brand brach in den Magazinen der Alarm - faeturlvaaren des Moskauer Kaufmanns Klein aus. Klein, 30*

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