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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-07-22 · Heft 30 (22.7.1879) · p. Seite 474

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 30 (22.7.1879)
Date
1879-07-22
Page
Seite 474 (sequence 10)
Language
German
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474 in engerer Wahl zum Neichsraths-Abgeordneten gewählte orthodoxe Rabbiner von Krakau, Simon Schreiber, wird, wie man heute bestimmt versichert, dem Polen-Club nicht beitretcn, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil er wohl der deutschen Sprache, der polnischen Sprache aber ganz und gar nicht mächtig ist. . Belgien. Brussel, 7. Juli. (Privatmitih.) Obschon es auch mir bekannt ist, daß Sie, Herr Nedacteur, Persönliches in diesem Blatte grundsätzlich nicht zur Sprache kommen lassen, so ist es doch eine Thatsache, deren ich hier Erwähnung thun möchte. Diese besteht darin, daß hier und in Belgien überhaupt Ihre Vorlesungen über die Entwicklung der religiösen Idee ff., in der französischen Uebersetzung „le developpemcnt de l’idee rdigiousc“, in den christlichen Gelehrtenkreisen sehr verbreitet und genau gekannt ist. Vielleicht besser als in Deutschland weiß man, daß die freisinnige Darlegung der politischen, socialen und religiösen Lehren des Mosaismus, die geschichtliche und deshalb dauerhafte und zugleich wahrhaft religiöse Begründung des jüdischen Reformwerkes Ihr ausschließliches Verdienst ist. Eine stattliche Reihe exegetischer, geschichtlich und philosophisch kritischer, homiletischer und hymnologischer Schriften und über 3(100 Leitartikel, die aus Ihrer Feder flössen, haben dieses Werk ausgcführt, überzeugend gemacht und belebt. Jede unparteiische Prüfung wird dies immer mehr constatiren. Ich fühle mich zu dieser Bemerkung um so mehr gedrungen, als in den letzten Tagen durch eine Abhandlung des Herrn Astruc über die mosaische Moral ein heftiger Federkrieg zwischen den clericälen und liberalen Blättern entstanden ist, dem Sie wohl Ihre Aufmerksamkeit nicht entziehen werden. Ucbrigens füge ich hinzu, daß Herr Grvßrabbiner Astruc vor Kurzem vom Könige den Leopoldorden erhalten hat. Uebrigens steht hier in allen nichtjüdischen Kreisen Herr Astruc in großer Achtung, und hat nach dieser Seite hin außerordentlich günstig gewirkt. Türkei. Aus Ostrumelien, im Juni. Die bulgarischen Einwohner von Karlowa in Oprumelicn haben sich eine Ausschreitung gegen eine Anzahl jüdischer Flüchtlinge, welche nach Empfang einer amtlichen Aufforderung in ihre Heimath zurückgekehrt waren, zu Schulden kommen lassen. Ein Haufen von 200 Vulgaren umringte die von diesen Juden bewohnten Häuser, und nachdem sie sich durch Einschlagen der Thüren und eines Theils der Außenmauern einen Eingang verschafft, singen sie an, die Insassen zu steinigen, wodurch mehrere derselben verletzt tvurden. Die Juden, die sich vergebens an die Behörden um Beistand wandten, wurden schließlich aus der Stadt verjagt und drei Meilen weit verfolgt. Die Affaire bildet gegenwärtig den Gegenstand diplomatischer Verhandlungen, die hoffentlich damit enden werden, daß den Opfem der religiösen und nationalen Intoleranz vollste Genugthuung wird. Aus Philippopel, 28. Juni, wird dem „Reuter'schen Bureau" telegraphirt: Auf den Antrag des österreichischen Commissars beschloß die Internationale Commission die Erörterung der Frage bezüglich der Mißhandlungen, denen unlängst eine Anzahl jüdischer Flüchtlinge in Karlowa seitens der bulgarischen Einwohner unterworfen worden. Der russische Commissar machte indeß von seinem Vetorecht Gebrauch und verweigerte seine Zustimmung zu dem Vorschläge, die Discussion fand folglich nicht statt. Demselben Bureau wird unterm 29. v. Mts. gemeldet: In Folge der Petition, welche der Internationalen Commission in Philivpopel seitens der jüdischen Flüchtlinge, die von den bulgarischen Einwohnern Karlowas mißhandelt worden, überreicht wurde, ist eine aus drei Bulgaren, einem Griechen und einem Katholiken zusammengesetzte Commission ernannt worden, die sich, begleitet von einer Cavallerie-Escorte, nach Karlowa begeben wird, um die angeblichen Ausschreitungen zu untersuchen. Endlich theilen Telegramme französischer Blätter mit, daß der englische Consul aus Anlaß des in Karlowa begangenen Execsses die Berufung türkischer Truppen nach Ostrum elien beantragt habe, daß aber die Delegirten der übrigen Mächte sick) diesem Ansinnen widersetzt hätten. Ans Oftrumelien, 6. Juli. Das Bestreben der Bulgaren geht unzweifelhaft dahin aus, alle in Bulgarien und Ostrumclien ansässigen Andersgläubige aus dem Lande zu vertreiben, selbstverständlich ohne sie für den Verlust ihrer Grundstücke und ihres gewerblichen Besitzes zu entschädigen. Dieses Schicksal bereiten sie den Griechen, Juden und Mohamedanern. Das Nüttel, welches sie jetzt anwenden, ist, alle Männer zum Eintritt in die bulgarische Miliz zu zwingen. Bei den Juden verfehlt dieses Mittel seinen Zweck; sie treten in die Miliz ein, so schweren Vexationen sie auch da ausgesetzt sind. Die mohamedanische Bevölkerung aber wird dadurch vertrieben, soweit sie nicht bereits durch die Kosaken und Bulgaren weggeschafft ist. Cmlstntttittirpel, im Juli. Der Constantinopeler Correspondent des „G ol os" telegraphirt unter dem 5. d. M. seinem Blatte: „In dem am kleinasiatischen Ufer unweit Scutari gelegenen Dorfe Kuskundschuk ereignete sich folgender Vorfall: Der dortige griechische Pfarrer hat ein junges schönes Mädchen getauft. Dadurch wurde die jüdische Ortsbevölkerung in eine unbeschreibliche Aufregung versetzt. Die Griechen wurden mit den Juden handgemein, und es kam zwischen den beiden be-

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