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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-07-22 · Heft 30 (22.7.1879) · p. Seite 471

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 30 (22.7.1879)
Date
1879-07-22
Page
Seite 471 (sequence 7)
Language
German
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471 117 gegen dasselbe ergab, die 6 Abgeordneten jüdischer Religion zu den Gegnern des Gesetzes gehörten: Bamberger, Freund, Kayser, Laster, Mendel und Wolfsson. Jedenfalls bezeugt dies, daß diese Männer nicht der Tagesströmung folgen, und nicht der obherrschenden Macht huldigen, sondern nach ihrer festen Ueberzeugung handeln. Frankfurt a,M., 8. Juli. (Privatmitth.) Der Notiz in Nr. 26 d. Bl. über die Bildung eines „Mendelssohn-Vereins" allhier gestatten Sie mir einiges Nähere über die nunmehr ausgegebenen Statuten Nachfolgen zu lassen. Der nicht sehr glücklich abgcfaßte Paragraph 1 lautet: „Um den wahren Fortschritt innerhalb des Judenthums zu sichern und zu vertreten, hat sich ein Verein gebildet, der es sich zur Aufgabe macht, die jüdische Wissenschaft in Wort und Schrift zu vertreten." Paragraph 3: „Zur Erreichung der in § 1 ausgesprochenen Aufgabe gründet der Verein eine seinen Zwecken entsprechende Bibliothek und eröffnet ein Lesezimmer, in welchem alle wichtigen Zeitschriften, die das Judenthum vertreten, aufgelegt werden. Außerdem sollen durch regelmäßige Vorträge und Vorlesungen die Zwecke des Vereins gefördert werden. Die Bibliothek wird in dem Vereins-Locale aufgestellt, woselbst auch die Zeitschriften aufliegen. Monatlich cinnml findet ein Vortrag statt, zu dem auch Nichtmitglieder, durch Mitglieder eingeführt, Zutritt haben. Während des Winters sollen mehrere Vorlesungen gehalten werden, die Nichtmitgliedern, gegen Entrichtung eines Eintrittsgeldes zugänglich sind." Ferner Par. 5: „Der Verein besteht aus: a) Stiftern, d. i. Mitgliedern, welche mindestens 400 Mk. zum Gründungsfond beisteuern; b) ordentlichen Mitgliedern, welche einen jährlichen Beitrag von 10 Mk. entrichten; c) außerordentlichen Mitgliedern, welchen gegen einen jährlichen Beitrag von 5 Mk. der Besuch der Vorträge und Vorlesungen, sowie die Benutzung der Bibliothek und des Lesezimmers gestattet ist; d) auswärtigen Mitgliedern, welchen gegen einen jährlichen Beitrag von 3 Mk. die Druckschriften des Vereins gratis zugesendet werden. Dieselben haben bei ihrer vorübergehenden Anwesenheit in Frankfurt a. M. das Recht, das Lesezimmer, sowie die Vorträge und Vorlesungen zu besuchen." In diesen Paragraphen fällt cs uns auf, daß den auswärtigen Mitgliedern die Zusendung der Druckschriften des Vereins versprochen wird, während in Par. 3 von der Herausgabe von Druckschriften, unter denen doch die Vercinsberichte allein nicht verstanden werden können, gar nicht die Rede ist. Die übrigen Paragraphen bestimmen die Organisation des Vereins, und haben wir nur noch den 8 5 hervor, welcher lautet: „Alljährlich findet am 6. September, dem Geburtstage Moses Mendelssohns, eine Generalversammlung, und an dessen Todestage, am 4. Januar, eine Gedächtnißfeier statt, bei welcher auch der verstorbenen Mitglieder in entsprechender Weise gedacht wird." Obgleich es nun zu Tage liegt, daß innerhalb dieses Rahmens die Wirksamkeit des Vereins sich auf Frankfurt a. M. und dessen nächste Umgebung beschränken wird, kann doch in ihm eine gute Wurzel enthalten sein, aus welcher tüchtige Schößlinge entsprießen können. Hierzu wäre es aber noth» wendig, daß sich Männer von Geist, nicht blos von nüchterner Gelehrsamkeit, des Vereins eifrig annähmcn, um das Publicum zu beleben und dauernd zu fesseln. Auch wäre es wünschenswerth, daß Schriftsteller und Buchhändler der Bibliothek geschenkweise Bücher zuwendeten, um dieselben bald in Flor zu bringen. Denn der Mangel an Bibliotheken jüdischer Schriften macht sich überall fühlbar. Hamburg, 8. Juli. (Privatmitth.) Der Vorwurf, einem humanitären Werke hindernd in den Weg getreten zu sein, wiegt so schwer in den Augen Ihres Hamburger Correspondenten, daß er sich gestatten muß, mit wenigen Worten noch einmal auf die Gründung einer „Gabriel Nießer-Loge" zurückzukommen. Meine Ansichten über das unnütze, unter Umständen nachtheilige Logengepränge, mit tvelchem ein Wohlthätigkeitsverein umkleidet tverden soll, werden hier vielfach getheilt und giebt hierüber die „Hamburger Zeitung" vom 22. Juni hinlängliches Zeugniß, in welcher die Redaction in einem längeren Artikel einen großen Thcil «reiner Correspondenz wörtlich anführt. Ich füge nur die Bemerkung hinzu, daß die geistigen Jntcreljen des Judenthums rn eurem solchen Wohlthätrgkertsvereine zu fördern, auch keine Neuerung ist, denn in allen solchen Chebroth tvurden stets und tverden häufig noch jetzt regelmäßig religiöse Vorträge gehalten, und gehört es zu den Pflichten der Mitglieder, denselben anzuwohnen. Diese noch mit künstlichen Reizmitteln versehen zu müssen, würde nur ein Zeugniß abgeben, daß die Pietät unter uns abgenommen, welche schwerlich durch solche Mittel auf die Dauer ersetzt werden kann. Trier, 6. Juli. Die „Saar- und Mosel-Ztg." meldet: Aus Anlaß der Rabbiner-Wahl ist in der hiesigen Synagogen- Gemeinde eine bedauerliche Spaltung cingctreten, die zunächst dahin geführt hat, daß vorgestern 31 der strenggläubigen Mitglieder vor dem Königt. Friedensrichter ihren Austritt aus der Gemeinde angezeigt haben. Dem Vemchmen nach tverden ihnen in dieser Woche noch etwa eben so viel Mitglieder folgen. Die Ausgetretenen, tvclche zu den Vermögendsten der Gemeinde gehören, beabsichtigen, eine neue Synagoge zu bauen und die Trennung von den freisinnigen Mitgliedern auch in der Schule und auf dem Friedhöfe durchzuführen. Da der israelitische Friedhof von der Stadt einen Jahreszuschuß von 150 Thalern erhält, so wird die Angelegenheit demnächst, wie tvir hören.

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