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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-07-22 · Heft 30 (22.7.1879) · p. Seite 467

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 30 (22.7.1879)
Date
1879-07-22
Page
Seite 467 (sequence 3)
Language
German
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46f ohne der großen Glaubenslehren zu erwähnen, mit denen sie beginnen und in denen sie ihre ganze Wurzel haben? Man bewundert die Kürze des Ausdrucks: „Du sollst nicht tödten; du sollst nicht ehebrechen u. s. w." Woher s-llten aber diese kurzen Verbote ihr Verständniß, ihre Kraft, ihre Geltung schöpfen, wenn nicht aus jenen fundamentalen Glaubenslehren, welche vorweg ausgesprochen sind. Auch ist es allerdings eine willkürliche Behandlung, wenn man von den Zehngebotcn die sechs letzten als Morallehren ansieht und das dritte übergeht, welches die Heilighaltung des göttlichen Namens, d. h. das Verhältniß des Menschen zu Gott, und über das vierte hinwegschlüpft, welches den Sabbath als das Fundament der Gesellschaft aufstellt, der Gesellschaft, in welcher alle Menschen gleich sind und auch das Thier sittlich behandelt werden soll und die doch mit Gott in die engste Verbindung gesetzt wird, da dieser Sabbath nicht blos zur Ruhe, sondern auch zur Heiligung vor Gott bestimmt ist. Herr Astruc ist also offenbar fehlgegangen, wenn er die mosaische Moral vom Dogma, d. h. von der höchsten Glaubenslehre unabhängig hinstellt; dies ist gerade so, als wenn man einen Theil des Organismus, etwa das Herz oder die Lunge, aus demselben reißen und ihm ein selbstständiges Leben zuschreiben wollte. Der Verfasser weiß für seinen Jrrthum nichts weiter als jenen berühmten Ausspruch anzuführen (5 Mos. 30, 12 ff.), daß diese Lehre nicht im Himmel,- nicht jenseits des Meeres, sondern sehr nahe in deinem Munde und in deinem Herzen ist. Aber dieser herrliche Ausspruch besagt nur, daß (V. 11) „dieses Gebot nicht zu wunderbar für dich und nicht fern ist", daß feine Ausführbarkeit nicht über die Kraft, sein Verständnis; nicht über den Geist des Menschen hinausgeht, daß „um cs zu thun, der Verstand und das Herz genügen. Es sind in dieser Lehre keine unbegreiflichen Mysterien enthalten, sondern der Verstand und das Herz können sich mit ihr in völliger Ucbereinstimmung finden. Dies ist denn auch der Angelpunkt. Das Judenthum setzt voraus, das; seine Lehren und Vorschriften keine Widersprüche in dein Verstände und in der Gefühlswelt des Menschen finden, daß vielmehr Verstand und Gefühl mit ihnen völlig harmoniren können. Es tveiß aber auch recht gut, daß der Verstand des Menschen auf syllogistischem Wege zu anderen Ansichten gelangen und das Gefühl des Menschen weithin irregehen kann. Was will daher die Phrase, fragen wir: was ist denn dieses und wo findet es sich? Das Gewiffen ist Menschen natürliches Gefühl des Guten und Rechten, sowie dem ^.schlichen Ohre ein Gefühl der Harmonie und Disharmonie natürlich ist. Nun aber, welch' eine weite Entfernung von dem Tam-Tam des Wilden bis zu einer Symphonie von Beethoven, gerade wie von der Moral des Menschenfteffers bis zur mosaischen Moral! Als Cook zum ersten Male an der Küste von Seeland landete, fand er bei den mcnschenfreffenden Einwohnern ein ganzes Moralsystem vor, das für gut und schlecht, für ehrlich und unehrlich, für Ehre und Schande genaue Begriffe und Sittengewohnheiten hatte. Das menschliche Gewissen herbergt also die größte Mannichfaltigkeit und hält in dem einen Theile des Menschengeschlechts hoch, was im anderen Theile verabscheut wird. Da geht cs mit dem „nothwendigen Erzeugniß des menschlichen Gewissens" in die Brüche. Es kommt vielmehr, gerade wie beim Gefühl für die Harmonie, auf die rechte Entwicklung an, auf die rechte Ausbildung, und diese hängt wieder von den rechten Lehrmeistern ab. Eine solche rechte Lehrmeisterin war für das ganze Menschengeschlecht die mosaische Moral, und wenn die Herren „Freidenker" gewissenhaft sein wollten, so müßten sie bekennen) daß der beste Theil ihrer Moral ihnen in ihrer Kindheit und Jugend aus dieser nwsaischen Moral und wie sie in die civilisirte Welt hineingeleitet ivorden, erst offen und überliefert ivorden ist. Sie haben sie in ihren kindlichen und jugendlichen Geist ausgenommen, als ihr Geiviffen noch gar kein Product hervorzubringen vermochte! Doch kommen ivir nun zuvor zu einer kurzen Analyse der vorliegenden Abhandlung. 8er Kampf in Unma'nien. Die Lage der Dinge in Rumänien ist so schwierig und verworren, daß man. um sie irgend zu verstehen, den ganzen Verlauf der Angelegenheit im Auge behalten muß. Versuchen tvir daher einen Ueberblick zu geivinncn. Das rumänische Volk in seinen breiten unteren Schichten ist durchaus nicht intolerant und fremdengehässig. Es hat dies nicht allein dadie mosaische! durch bewiesen, daß in der ganzen Vergangenheit kaum eine Moral habe ihre Basis in den Tiefen des menschlichen Gej blutige Verfolgung der Juden oder eine besondere Bedrückung wiffens" besagen? Soll sie jene Uebcreinstimmung dieser, derselben zu verzeichnen ist. Es hat dies aber auch in der Moral mit dem menschlichen Gewissen, daß nämlich das richtig j letzten Zeit erwiesen, denn nachdem die rumänischen Gerichtsausgebildete menschliche Gewiffen in keinen Widerspruch mit j Höfe diejenigen Uebelthäter wiederholt freigesprochen, welche die jener Moral geräth, bedeuten, so hätte nicht das Wort „Basis",! Juden mißhandelt hatten, würde bei einem anderen Volke der. sondern „Bestätigung, Uebereinstimmung" gewählt werden, Pöbel sich an vielen Orten plündernd und mordend auf die müssen. Soll sie aber heißen, daß diese Moral das noth-; Juden geworfen haben. Man befürchtete dies sogar eine wendige Product des allgemeinen menschlichen Gewissens sei,! Zertlcmg. Aber es geschah nichts dergleichen. Die ganze wie der liberale Lertheidiger des Herrn Astruc es versteht, so j Bedrückung der Juden in Rumänien ist aus den oberen

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