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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-07-22 · Heft 30 (22.7.1879) · p. Seite 468

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 30 (22.7.1879)
Date
1879-07-22
Page
Seite 468 (sequence 4)
Language
German
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Schichte» hervor»^-utti derselbe Bratiano, der jetzt die Gleichste!!"^ "^wirken soll, war einer der ersten und heftigsten Fi^.er in der Aufhetzung gegen die Juden. Er und seine Genossen hatten dabei die Absicht, sich bei dem Volke populär zu machen, indem sie die in ihm vorhandenen Vorurthcile entzündeten und diesen Vorurtheilcn schmeichelten. Es gab daher eine Zeit, wo die konservativen Bojaren die Juden zu begünstigen schienen. Sobald daher die sogenannten Liberalen, Bratiano an der Spitze, zur Gewalt gelangt waren, trügen sie aus die Ausnahmegesetze an, denen sie die Juden unterwarfen, erklärten die Juden für „Fremde", brachten den Artikel 7 in ihre Verfassung, schlossen sie von öffentlichen und städtischen Aemtern, vorn Nuralbesitz, vom Handel mit Tabak und Spirituosen, von den Licitationen u. s. w. aus. Aus diesen: Geiste heraus war es das ganze Heer der Beamten, welche die vielfachsten Vexationen gegen die Juden anstellten und nur in den seltensten Fällen dafür eine Rüge, erhielten. Die fremden Mächte erhoben Einwendungen und Verivarnungen, wurden aber nicht gehört und erhielten als Antwort die abenteuerlichsten Anklagen gegen die Juden von volkswirthschaftlichcm und socialem Standpunkte. Der Berliner Congreß erkannte, wenn im Oriente das Friedenswerk irgend befestigt werden sollte, die Nothwendigkeit, dem Religions- und Racenhasse wenigstens in der gesetzlichen Constituirung keinen Raum mehr zu lassen, und machte daher die Gleichstellung aller Landesbewohner zur Bedingung der staatlichen Existenz und ihrer Anerkennung. So auch für Rumänien. Leider warteten .aber Rußland, Oesterreich und die Pforte die Erfüllung dieser Bedingung, die sie doch selbst mit unterzeichnet hatten, nicht ab, die Unabhängigkeit Rumäniens anzuerkennen. Das Ministerium Bratiano, welches doch die übrigen Bedingungen des Berliner Vertrages, die Abtretung des rumänischen Bessarabiens und die Annahme der Dobrudscha, erfüllt hatte, steht nun vor der Nothwendigkeit, auch die Gleichstellung der Juden zu ertvirken. Man kann sich vorstellcn, wie ungern cs dazu die Hand bietet, und aus dem Widerspruche, in welchem es hierin mit seiner eigenen Vergangenheit steht, und weil es ungern das Odium, diese Gleichstellung erzielt zu haben, vor seinen Landsleuten übernehmen möchte, ist es erklärlich, daß die Negierung selbst mit einem normirten Gesetzentwurf nicht vor die Nevisionskammern getreten ist. Dadurch aber hat es die Verwirrung erst recht herbeigesührt. Zunächst nämlich benützten alle dem Ministerium Bratiano feindlichen Elemente diese Judenfrage, um möglichst es zu stürzen, so daß diese Angelegenheit zu einer politischen Machtfrage gestempelt wurde. Andererseits hat Bratiano auf diese Weise zu sehr seinen schlechten Willen zu erkennen gegeben, als daß nicht die liberale Partei selbst alle möglichen Mittel aufsuchen sollte, um die Gleichstellung der Juden illusorisch zu machen. Daraus entsprang der .berüchtigte Entwurf der Commission, welchen Bratiano unter keiner Bedingung annehmen zu können erklären und dafür die Cabinetsfrage stellen mußte. Wir sagen „mußte", denn unterdeß hatten sich die Signatarmächte zu einer Rote vereinigt, welche der rumänischen Negierung jeden Ausweg eines illusorischen Gesetzes versperren sollte. So steht die Sache in diesem Augenblicke, und wird der Stand der Dinge durch diese Auseinandersetzung klar gemacht sein, welcher wir nun die Nachrichten aus den letzten Tagen folgen lasten. Der „Politischen Eorrespondenz" geht aus Bukarest, 5. Juli, folgender Situationsbericht zu: Die Lage ist eine hochernste; gewichtige Stimmen bezeichnen dieselbe sogar als eine gefährliche. Die Commissionen der beiden Kammern, welche einen Gesetzentwurf über die Durchführung des Artikels 44 des Berliner Vertrages auszuarbeiten die Mission haben, hielten seit ihrer Constituirung täglich lange Sitzungen und bericthen in höchst lebhafter Weise die Lösung der großen Frage. Die vorgestrige Sitzung war jedenfalls die merkwürdigste, inden: das Cabinet aus seiner bisher mit eiserner Zähigkeit festgehaltenen Reserve heraustrat und seine Ansichten über die Lösung offen aussprach. Minister- Präsident Bratiano erklärte, daß die Regierung den von der Majorität der Conunission angenonnnenen Antrag nicht acceptiren könne und nicht acceptiren werde, da der betreffende Entwurf sich nur für die individuelle Jndigenats-Ertheilung an Personen nichtchristlichen Glaubensbekenntnistes ausspreche, während der Antrag der Minorität die bekannte Nangirung der im Lande geborenen, niemals unter einer fremden Protection gestandenen Nichtchristen in fünf Elasten befürwortet, nämlich: die in der Armee gedient haben, die in den hiesigen Schulen das Baccalaureat erlangt haben, die irgend ein Werk in rumänischer Sprache geschrieben haben, die Gründer eines industriellen Etablissements und die Stifter von Wohlthätigkeits- Anstalten. Bratiano erklärte Namens der Negierung, daß diese letztere dieses Project, tvelchen: sie noch Erweiterungen geben werde, anzunehmen cntschloffen sei. Im gegentheiligen Falle sei sie gewillt, zurückzutreten und es der Gegenpartei zu überlassen, die Sache zu lösen, wie es ihr beliebe. Gestern Nachmittags war die Deputirtenkammer zur gewohnten Stunde in öffentlicher Sitzung versammelt. Cabinetschef Bratiano forderte die Kammer auf, in geheimer Sitzung zu verhandeln, weil er den Deputirten einige Mittheilungen zu machen habe. In dieser Geheimsitzung hat nun Bratiano erklärt, daß die Negierung positive Informationen aus dem Auslande erhalten habe, nach tvelchen die Berliner Signatarmächte eine Collectivnote in Aussicht genommen hätten, in welcher der rumänischen Negierung die Ansicht klar und deutlich auseinandergesetzt werden soll, nach welcher die Mächte die Durchführung des Artikels 44 des Berliner Tractates verwirklicht zu sehen wünschen. Den Schluß dieser Collectivnote würde

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