Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1879)
- Date
- 1879-07-15
- Page
- Seite 460 (sequence 12)
- Language
- German
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460 seitdem hat die Sonne vollkommener Freiheit sämmtlichen I Rumänen getagt. Diese Jahre sind für Allerem Zeitraum l des Lebens und des Fortschrittes, aber für uns Israeliten i sind es Jahre des Kummers und der Leiden getvesen. In dem Augenblicke,!vo diese allgemeine Erhebung verkündigt 1 wurde, ward für uns ein erniedrigtes und verbittertes Leben l vorbereitet. Durch die Wiedergeburt Rumäniens sind alle seine Söhne auf gleichen Fuß gestellt, aber Nur sind in einer 1 Ausnahmestellung belassen worden, die gegenwärtig um so trauriger für uns ist, als wir allein darunter leiden müssen. < Vertreter der Nation: Wir bitten Sie ergebenst, diesem Schmerzensrufe Gehör zu schenken, der aus der Tiefe unserer! Herzen hervorbricht. Mögen.alle jene Gesetze verschwinden, i die uns in einen Zustand der Ausschließung versetzen, der un- I verträglich ist mit dein Zeitalter, in welche!» wir leben. Auch! wir sind Söhne Rumäniens; auch tvir sind ihm ergeben; auch , wir beten für seine Wohlfahrt, ebenso wie wir in gleichem I Maßstabe die von seinen anderen- Kindern getragenen Bürden; theilen. Rumänien ist unser gemeinsames Vaterland; wir sind mit demselben durch alle unsere Interessen und alle unsere! Gefühle verknüpft. Die Asche unserer Väter ruht in rumänischem ' Boden. Rumänien, das edel gegen Alle und in Alle»! ist,! kann nicht ermangeln, edel gegen uns zu sein, Es kann nicht zugeben, daß Freiheit und Gleichheit ungleich vertheilt werden. Freiheit setzt Billigkeit und Gerechtigkeit gegen Alle voraus. Seien Sie, die Sie von dieser so hochherzigen und so guten Nation gewählt worden, auch gerecht und hochherzig gegen uns; denn wir lieben unser Vaterland ebenso, wie es von den anderen Rrnnänen geliebt wird. Wir Israeliten Nuniäniens, friedlichen und unermüdlichen Fleißes, haben in unseren Busen rumänische Herzen, die vor Freude jauchzen über Rumäniens Wohlfahrt und mit Kummer erfüllt sind über seine Leiden. Geben Sie nicht zu, daß wir wie Frcnide behandelt werden in diesem Lande, während die Geschichte und die Vernunft beweisen, daß wir keine Fremdlinge sind. Der Geist des modernen Zeitalters hat alle Vorurtheile, die gegen uns verbreitet wurden, verdanunt und vernichtet. Es ist eine allgemein anerkannte Thatsache, daß der Jude ein guter Bürger des Landes ist, in dem er lebt; er ist ein. ebenso guter Bürger wie der Christ. Die Civilisarion, lvelche alle Energien leitet und regiert, erkennt uns allenthalben als völlig fähig an, vollkonnnen gleiche Rechte. mit unseren christlichen Mitbürgern zu theilen. Alle jene Länder, die unsere Glaubensgenossen Naturalisirt, haben, weit davon entfernt, Gelegenheit zu haben, es zu bedauern, sich zu dieser äußerst gerechten Handlung zu beglückwünschen. Rumänien wird ebenfalls Ursache haben, sich dazu zu beglückwünschen, uns Zulaß in die gemeinsame Familie gewährt zu haben. Das civilisirte und civilisirende Rumänien kann es nicht unterlassen, uns, seine ergebenen Söhne, die bislang vergessen worden, zu erheben. , Vollziehen Sie diese Handlung hoher Gerechtigkeit und tragen Sie dadurch zu der Ehre unseres theueren Landes bei. Wir sind demüthig und ehrerbietungsvoll im Namen der rumänischen Juden erschienen, um Ihrer Weisheit und Billigkeit unsere gerechte und legitime Petition zu unterbreiten. Möge der Herrgott aller existirenden Wesen unser geliebtes nunänisches Vaterland segnen! Möge er unser erlauchtes Fürstenpaar beschützen und möge er Sie in seine heilige und allmächtige Obhut nehmen! Wir sind u. s. w.; Aus der gemeinschaftlichen Sitzung des Senats und der Deputirtenkamrner, in welcher die diplomatischen Actenstücke verlesen wurden, theilen wir der Wichtigkeit des Gegenstandes wegen nach der „Polit. Corr." noch mit: Nach Verlesung der Forderungen Italiens, welche großes Mißbehagen erregte,' „brachten den peinlichsten Eindruck jedoch die Berichte des diplomatischen Vertreters Rumäniens in Berlin,, des Herrn Liteanu-Varnav, hervor, in welchen derselbe auf Grund seiner im intimsten Verkehre mit den Berliner leitenden Kreisen gewonnenen Anschauungen die Ueberzeugung aussprach, daß die Verweigerung der Annahme der Berliner Fordemngen seitens Rumäniens für dieses die verhängnißvollsten Consequenzen nach sich ziehen würde. Diese Forderungen aber gipfeln darin, daß jeder in Rumänien geborene Jsraelite, welcher sich niemals eines fteniden Schutzes erfreut hat, gleichberechtigter rumänischer Staatsangehöriger werden müsse." (Glicht geringen Eindruck sollen die Vorgänge in Aegypten auf die hiesigen Staatsmänner gemacht haben, weil jene den Ernst und die Energie der Großmächte bekundet haben.) Jassy, 2*. Juni. Der Appellations-Gerichtshof in Jassy hat das Urtheil über die Juden gefällt, welche anläßlich des Begräbnisses des Rabbiners Schor Excesse begangen hatten, bei denen die Frau eines rumänischen Geistlichen, Sultana Petrovic, derartig mißhandelt wurde, daß sie ein Auge verlor und gelähmt blieb. Die Angeklagten Holtzmann, Herschku und Rosenbaum, -wurden zu zwei Jahre Gefängniß und zu je 1000 Francs Geldstrafe, die Angeklagten Elias Schräger und Joseph Horowitz zu einem Jahre Gefängniß und je 500 Francs : Geldstrafe verurtheilt. Die übrigen angeklagten Israeliten : Wurden freigesprochen. Die Verurtheilten wurden außerdem; solidarisch im Civilwege verurtheilt, der Frau Sultana Petrot vics ein Schmerzensgeld von 10,000 Francs zu bezahlen. Wir können von der Ferne her die Gerechtigkeit dieser Ent- , scheidung nicht beurtheilen. Aber wir werden unwillkürlich - an das freisprechende Urtheil derselben Gerichtshöfe über die - an den Juden in Darabani verübten Frevelthaten erinnert, i durch welches die Urheberin so namenlosen Unglücks, die Frau - Cimara, frei von aller Strafe hervorging! Redaction.) i Bukarest, 5. Juli. (K a m m e r s i tz u n g ) Der Bericht- - erstalter der V erfassungs-Revisions-Commission,