Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1879)
- Date
- 1879-07-15
- Page
- Seite 459 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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459 an die Juden ein Act der Erniedrigung für die rumänische Nation wäre. Der Präsident verwies die Motion an die Sectionen. Wien, 30. Juni. Die heutige N. fr. Pr. enthält folgende eigentümliche Miltheilung: „Eine Meldung, die wir selbst als ziemlich abenteuerlich charakterisiren müssen, geht uns soeben aus Bukarest zu. Danach wäre dort vor einigen Tagen ein geheimer Agent aus Berlin in der Person eines von dem. Fürsten Bismark öfter zu vertraulichen Missionen verwendeten Herrn v. Luck eingetroffen, der den Auftrag hätte, die Opposition in ihrem Widerstande gegen die J uden-Emanci p ation zu bestärken. Wir; würden von dieser Information keinen Gebrauch machen, wenn sie sich nicht selbst als „durchaus zuverlässig" bezeichnete; wir thun es aber trotzdem nur unter entsprechendem Vorbehalte." . (Wir glauben ebenso wenig an die Nichtigkeit dieser Mitteilung, und könnten uns nur denken, falls der genannte Agent nach der gedachten Richtung thätig sein sollte, er dies auf eigene Rechnung und Gefahr thäte.) —. Die Broschüre des Professors Bluntschli hat in Bukarest große Sensation gemacht und alle rumänischen Blätter, auch die offiziösen, sprechen sich in großer Erregtheit über sie aus. Man kann sich denken, daß dies nicht in freundlichem Sinne geschieht. Da man aber die strenge Logik des Gutachtens und die Gesetzesstellen, auf die es sich stützt, nicht widerlegen kann, hält man sich an Nebensachen, wie an die Anwesenheit der Juden im römischen Dacien, und hilft sich mit Tiraden, welche jedoch das Recht aus der Welt zu schaffen nicht vermögen. Jassy, im Juni. Auch in das Innere der rumänischen Judenheit haben wir einen Einblick zu werfen. Hierzu ist wohl eine Correspondenz des „Lemberger Israeliten" angemeffen. Es heißt daselbst: Die Juden in der Walachei waren von jeher, so wie im ganzen Orient, in zwei Lager gespalten. Die sogenannten Spaniolen bilden wie überall eine gesonderte Gemeinde, ja sie schlossen sich zum Theile von der Solidarität mit den anderen, den polnischen und den deutschen Juden aus. Ehemals hatten sie mit den Aschkenasim wenigstens den Gottesacker gemein. Im Jahre 1864 war cs, als die Sephardim ein Feld zum besondern Beth almin kauften, und so die Trennung bis über das Grab hinaus verlängerten. Zur selben Zeit sollte ein Count»- der „Alliance Jsr." in Bukarest gebildet werden. Herr David Popper begab sich in dieser Angelegenheit zu Chalfon und erhielt zur Antwort: „Wir Spaniolen haben mit euch pohlischen nichts gemein, wir wollen daher auch kein Comite mit euch gemein haben." Selbst das allgemein jüdische Interesse war nicht im Stande beide jüdische Lager zu vereinigen. Erst auf Antrag seines Schwiegervaters Grfn. v. Camyndo in Constantinopel ließ sich Chalfon herbei, ein gemeinsames Comite der Alliance mit den Polnischen zu bilden. Jeder dieser Spaniolen blickt in seinem Hidalgostolze mit einer gewissen Verachtung auf die Polnischen herab. Jeder glaubt ein direkter Nachkomme von Samuel Jbn Nargello, von Jbn Esra, Maimonides zu sein; scheinen sich aber weniger darauf zu verlegen, dieser ihrer Vorfahren würdig zu sein. In allerneuester Zeit hat sich aber in Rumänien eine dritte Partei unter den Juden gebildet, die sich „jungrumänische" nennt, und zum Zwecke macht, alle galizisch-jüdischen Elemente womöglich aus ihrer Societät zurückzudrängen. Dieser Narrethei gegenüber haben wir Polnische blos ein mitleidiges Lächeln, das Gebühren dieser Leutchen ist aber um so komischer, als sie selbst Nachkommen polnischer Juden sind. Selbst die drei rumänisch-jüdischen Delegirten, welche zur Zeit des Berliner Congresses nach Berlin gingen, um dort zu tveilen, sind Kinder Mariampoler, Thsmienitzer und Boherodczaner Eltern, und da alles Anständige hier in Jassy wenigstens zu weitaus größtem Theil polnisch ist, so gibt ihr possirliches Treiben höchstens ihren eigenen Vätern das Unanständigste, aber was diese Zeloten angerichtet haben, ist, daß diese Pygmäen Streitigkeiten selbst in den schönsten der hiesigen Vereine verursachen, wie im Leseverein, sa sogar im Schoße Zion wuchert dieser Krebsschaden. Dr. Lippe. Bukarest, 30. Juni. In der considentiellen Sitzung der beiden vereinigten Revisions-Kammern, welche am 24. b. M. in Bukarest stattfand, wurden die Forderungen einiger Mächte hinsichtlich der Ausführung des Artikels 44 des Berliner Vertrages von der Regierung bekannt gegeben. Danach begehrt Italien, daß allen in Rumänien geborenen Israeliten die volle Gleichberechtigung zukomme, welche niemals unter fremdem Schutz standen und seit dem Jahre 1845 sich bei der rumänischen Legislative um das Jndigenat hätten belverben können, wenn die im rumänischen bürgerlichen Gesetzbuche enthaltenen bekannten Restrictionen eine solche Bewerbung nicht unmöglich gemacht hätten. Frankreich theilt die Ansichten Italiens. Die Berliner Förderungen gipfeln darin, daß jeder in Rumänien geborene Jsraelite, welcher sich niemals eines fremden Schutzes erfreute, gleichberechtigter rumänischer Staatsangehöriger werden müsse. Oesterreich und England haben keine bestimmte Forderung gestellt. Bukarest, 2. Juli. Die mit der Berathung der Vorlage über die Emancipation der Juden beauftragten Commissionen der beiden Kammern sind bis jetzt zu einer Einigung noch nicht gelangt. Bukarest, im Juni. Die Juden Rumäniens haben an die rumänischen Kanunern für die Revision der Verfassung folgende Denkschrift gerichtet: Geehrte Herren! Viele Jahre sind jetzt verstrichen, seitdem dieses Land in seine constitutionelle Aera eintrat, und 2V*