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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-07-15 · Heft 29 (15.7.1879) · p. Seite 458

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 29 (15.7.1879)
Date
1879-07-15
Page
Seite 458 (sequence 10)
Language
German
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458 bedeutendsten Männer unter den. Rechtsgelehrten. Es mag hervorgehoben werden, daß dieser ein Nachkomme von Samuel Oppenheimer ist, und wohnt er in demselben Hause, das einst seinem Ahn gehörte, genannt zur „Brieftaube", am Prater. Vor demselben fand am 22. Juli 1700 ein Tumult statt (vergl. G. Wolf, Geschichte der Juden in Wien S. 57). In einem. Vororte Wiens, in Hernals, wurde ebenfalls ein Jude, der Ingenieur Alexander Friedmann, gewählt. Es ist selbstverständlich, daß in den Wahlcomites Juden waren. Der Schreiber dieser Zeilen hatte die Ehre, zum Obmann-Stellvertreter im Bürgerwahlcomite in der Leopoldstadt ernannt zu werden. Unerklärlich sind die Vorgänge unter den Juden in Galizien. Sie haben dieses Mal mit den Polen einen Pact geschlossen und, wie es scheint, wurden sie von denselben, wie man sagt, über den Löffel barbiert. Noch eine erfreuliche Thatsache habe ich Ihnen zu melden. Es wurden' jüngst die Würdenträger der Universität für das nächste Studienjahr gewählt und zwar zum Rector Professor Brücke, ein Protestant, und zum Decan der juridischen Facultät ein Jude, Professor Grünhut. Nachträglich zur goldenen Hochzeit des Herrn Josef Ritter v. Wertheimer will ich berichten, daß der Jubilar bei dieser Gelegenheit ein Drama, „Eudocia", veröffentlicht hat, welches am besten für die geistige Rüstigkeit und Rührigkeit desselben zeugt. Schließlich füge ich noch das Verzeichniß der jüdischen Schüler und Schülerinnen, welche die Volks- und Bürgerschulen besuchen, nach den Bezirken an: I. 546 Knaben, 802 Mädchen; II. 1948 K., 2318 M.; III. 487 K., 139 M.; IV. 92 K., 116 M.; V. 91 K., 99 M.; VI. 164 K., 237 M.; VII. 127 K., 152 M.; VIII. 73 K., 93 M.; IX. 185 K., 303 M. und X. 75 K., 101 M. Zusammen 3782 Knaben, 4415 Mädchen. — Von diesen genießen öffentlich den Religionsunterricht: I. 248 K., 437 M.; II. 1494 K., 1853 M.; 111. 220 K., 269 M.; IV. und V. 208 K., 221 M.; VI. 109 K., 140 M.; .VII. 110 K., 132 M.; VIII. 102 K.; 135 M.; IX. 240 K., 307 M. und X. 66 K., 84 M. In Summa 2797' Knaben und 3575 Mädchen. Wien, 4. Juli. (Privatmitth.) Nachträglich zu meiner Correspondenz bemerke ich, daß auch der neugewählte Decan der philosophischen Facultät, Herr Professor Lieben, ein Jude ist. Lemberg, 5. Juli. In Kolomea erfolgte bei der gestrigen Wahl eine große Stimmenzersplittenmg. Die meisten Stimmen erhielten: der orthodoxe Rabbiner Simon Schreiber (über 900), Staatsanwalt Lezanski (über 700) und Dr. Fried (nahezu 500). Des eingetretenen Sabbaths wegen ist die engere Wahl auf Montag anberaumt. Die Wahl Schreiber's ist gesichert. Das Central-Wahlcomitö wird nunmehr die Wahl Schreiber's unterstützen, um ihn zu bewegen, in den Polenclub einzutreten. Rumänien. Bukarest, 26. Juni. Da lvir alle auf die Entwicklung der Angelegenheit in Rumänien Bezug habenden Aktenstücke in dieser Zeitung sammeln, so geben wir auch die Antwort wieder, welche Fürst Karl am 24. Juni der Deputation der Kammer ertheilte, welche, geführt von dem Präsidenten Konstantin Rosetti und den übrigen Mitgliedern des Bureaus, die Adresse überreichte. Fürst Karl ertheilte nachstehende Antwort: „Herr Präsident! Meine Herren Deputirten! Ich danke Ihnen für die warmen Worte, die Sie an mich gerichtet. Die Umstände find in der That schlimm. Ich habe jedoch die feste Zuversicht, daß das Verständniß und die Vaterlandsliebe der Vertreter des Volkes die Schwierigkeiten, in denen wir uns befinden, überwinden werden. Seien wir einig, denn in der Einigkeit liegt Stärke. Heute mehr als jemals müssen wir einig sein, denn vereinigtes Denken und Arbeiten wird gegenwärtig vom ganzen Lande erwartet, damit ein Werk von der Wichtigkeit wie die Revision des Artikels 7 der Verfassung vollbracht werden könne. Wenn diese Reform durch die fernere Thätigkeit der repräsentativen Institution durchgeführt wird, so wird dadurch das Vertrauen Aller in unsere fundamentalen Einrichtungen gestärkt und befestigt werden. Stark im Innern auf der Grundlage der Gesetze und der Freiheit, wird die Entwicklung der Nation einen entschiedenen Aufschwung nehmen. Ich und die Fürstin danken Ihnen für die Gefühle, welche Sie uns ausgedrückt, und sprechen unsere besten Wünsche für Sie und unser geliebtes Vaterland aus." Am Nachmittag desselben Tages vereinigten sich Senat und Kammer zu einer geheimen Sitzung im großen Saale der Academie, um sich von dem Ministerium die diplomatische Correspondenz bezüglich der Judenfrage vortragen zu lassen. Heute findet die zweite geheime Sitzung der Kammern statt. Gestern hielt der Senat eine öffentliche Sitzung, um über die Frage definitiv schlüssig zu werden, von welcher Seite die Initiative zur Aenderung der Verfassung zu ergreifen sei. Für die Initiative der Kammern sprachen Bosiano (Senats-Präsident) und Peter Gradistiano, für die Initiative von Seite der Regierung die Senatoren Boeresco und Jepureano. Der Senat schloß sich der von seinem Präsidenten ausgesprochenen Ansicht an und wählte eine Commission, welche die Vorlage im Einverständnisse mit der Regierung ausarbeiten soll. Bukarest, 30. Juni. In der Deputirtenkammer hat Blaremberg einen Antrag eingebracht, welcher von mehreren Mitgliedern der Minderheit unterzeichnet ist und dahin geht, daß es nicht nöthig sei, den Art. 7 der Verfassung zu revidiren. In den Erwägungen der Motion wird daran erinnert, daß Europa über die Intoleranz Rumäniens in religiösen Sachen in Jrrthum geführt wurde, und daß die Erlangung der Unabhängigkeit unter Gewährung der bürgerlichen und politischen Rechte

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