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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-07-15 · Heft 29 (15.7.1879) · p. Seite 457

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 29 (15.7.1879)
Date
1879-07-15
Page
Seite 457 (sequence 9)
Language
German
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Delegirte für Ausbreitung des Vereins zu wirken und knüpfte daran den Wunsch, daß auch in den bisher nicht vertretenen Provinzen sich geeignete Männer zur Uebernahme dieses Ehrenamtes erbieten möchten. In Betreff der finanziellen Lage heben wir aus dem Berichte des Rendanten hervor, daß am 1. Januar 79 das Vermögen des Vereins bestand in zinstragenden Effecten Nominalbetrag M. 38,620. baar - - 1439. 42. Sa. 40,059. 72. am 1. Juni in Effecten (meist 4'/.,o^ von Pfandbriefen) Nominal M. 42,900. ' ‘ Wir schließen mit dem Wunsche, daß dieser Bericht dazu beitragen möge, dem Vereine rege Theilnahme in weiteren Kreisen zu gewinnen. M. Gottschalk Löwy, ‘ Vorsitzender. Hannover, 29. Juni. (Privatmitth.) Am 20. d. M. haben wir hier einen Mann zu Grabe getragen, dessen Hinscheiden für unsere Gemeinde ein in der That unersetzlicher Verlust ist. Der Verblichene, Herr M. A. Behrens, war ein eigenthümlich gearteter Mann, der bei seinen Bestrebungen das Wohl der Gesammtheit fast mehr im Auge hatte als sein eigenes Jntereffe, was er einmal als recht und ersprießlich erkannt hatte, mit einer eisernen, zuweilen an Schroffheit grenzenden Consequcnz durchzuführen suchte und die vielen Ehrenämter, die er in den letzten drei Decennien sowohl bei der Stadt als bei der Gemeinde bekleidete, mit dem seltensten Eifer und der strengsten Gewiffcnhaftigkeit verwaltete, so daß Niemand zu sagen weiß, wer Wohl die Lücke, welche durch seinen Tod in unserer Gemeinde entstanden ist, nach allen Seiten hin auszufüllen im Stande fein möchte. Als geborener Hannoveraner und seit fast dreißig Jahren der Gemeindevertretung angehörend, in der er seit 1868 als zweiter Vorsteher fungirte, wie auch als langjähriges sehr thätiges Mitglied der Dircction des israelitischen Wohlthätigkeitsvereins und als Vorsitzender der Armencommission seit der Zeit ihres Bestehens, hatte er sich eine von Niemandem übertroffene Erfahrung in Gemeindeängelegenheiten erworben, welche, unterstützt von einem scharfen praktischen Blicke und einer großen Arbeitskraft, ihn zu dem einflußreichsten Mitgliede der Gemeindeverwaltung machte. Doch nicht bloß seiner Glaubensgemeinde, auf deren Schöpfungen er innerhalb der letzten drei Jahrzehnte einen hervorragenden, wenn nicht gar einen Ausschlag gebenden Einfluß übte, sondern auch den städtischen Interessen seiner Vaterstadt hatte er geraume Zeit hindurch seine Fürsorge gewidmet, indem er bei seiner politisch liberalen Gesinnung allen auf die freiheitliche Entwicklung städtischer Angelegenheiten gerichteten Unternehmungen erfolgreich feine Unterstützung lieh, reactionären Bestrebungen, so weit es in seiner Macht stand, mit Entschiedenheit entgegentrat und, nachdem er viele Jahre hindurch als Bezirksarmenpfleger der Stadt zur Zufriedenheit der Behörde gewirkt hatte, als erster Jude durch das Vertrauen seiner Mitbürger in das Bürgervorstehercollegium berufen, sich in demselben bald so vielen Einfluß verschaffte, daß er zum Schriftführer ernannt wurde und sich auch in dieser Stellung durch feinen geraden Sinn, seine Uncigcnnützigkeit und seine durch nichts zu erschütternde Unparteilichkeit die Achtung der gelammten Bürgerschaft erwarb. Daß solchem Streben gegenüber die gebührende Anerkennung nicht ausbleibcn könne, versteht sich von selbst und wie sich dieselbe bereits chei dem Festessen kund gab, welches ihm zu Ehren vor einigen Jahren zur Feier seiner 25jährigen Thätigkeit als Vertreter der Gemeinde veranstaltet wurde, so trat sie in noch weit höherem Grade bei seinem Leichenbegängniffe hervor, tvo seiner Bahre in einem unabsehbarem Zuge nicht allein fast sämmtliche Gemeinde Mitglieder, sondern auch sehr viele Christen folgten, unter denen sich mehrere TOifglicbcr des Magistrats und des Bürgervorsteher- Collcgiums, eine Deputation des Arbeitervereins u. A. befanden. Die Verdienste des Entschlafenen wurden dann noch sowohl in der Leichenrede als in dem Nachrufe gebührend gewürdigt, den der Vorstand und die Repräsentanten im Vereine mit dem Landrabbiner demselben widmeten und in welchem besonders feine religiöse Begeisterung, sein Pflichteifer und sein über alles Lob erhabenes segensreiches Wirken zum Heile der Gemeinde hervorgehoben wurde. Auch mehrere hier erscheinende öffentliche Blätter enthielten den Heimgegangenen betreffendee Nekrologe. ' Im April, d. I. hat Hierselbst zwischen den Referendaren Berthold und Walter Herz aus Cöln, einem Juden, ein Pistolenduell stattgefunden, bei welchem letzterer durch einen Schuß in den Unterleib tödtlich verwundet wurde. Auf Grund seines erschöpfenden Geständnisses wurde jetzt Berthold von der Strafkammer des hiesigen Obergerichts zu einer Festungshaft auf die Dauer von zwei Jahren und vier Monaten verurtheilt. Oesterreich-Ungarn. Wien, 3. Juli. (Privatmitth.) Wir haben aufregende Tage hinter uns, es fanden nämlich die Reichsrathswahlen statt. Es liegt mir hier nicht ob, über die Aufgaben, die dem Reichsrath bevorstehen, und über die Männer, die aus der Wahlurne hervorgingen, zu sprechen, ich möchte mir nur zwei Bemerkungen erlauben. Zunächst eine sachliche. Es ist keine Frage, daß wir einer konservativen oder gar reactionären Strömung entgegengehen; ich glaube jedoch nicht, daß die confessioncllen Verhältnisse eine Veränderung erleiden werden. Was die Personen betrifft, in der inner» Stadt, in der City von Wien, wurden zwei Juden in den Reichsrath gewählt, der altbewährte Staatsmann I>r. Jg. Kuranda, auf den sich nächst dem ehemaligen^tnauzminister Brestel die meisten » Stimmen vereinigten, und Dr. Hemrich^Jac qucs, einer der

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