Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1879)
- Date
- 1879-07-15
- Page
- Seite 452 (sequence 4)
- Language
- German
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452 Gesetzes war und die Bücher des Neuen Testamentes meist von geborenen Juden und zwar in einem „jüdisch-semitischen Dialect" geschrieben worden, so sei die Kenntniß der hebräischen Sprache, und zwar der biblischen und der nachbiblischen, für den Erklärer des Neuen Testamentes unentbehrlich, und nicht minder die Kenntniß des Talmuds. Auch darin habe man geirrt, daß inan zu diesem Zwecke die Hagada für ausreichend gehalten, während gerade die Halacha für das Verständniß mancher Stellen viel wichtiger sei. Allerdings, meint der Verfasser, daß dann die christlichen Theologen auch ohne jedes Vorurtheil an den Talmud herantretcn müßten, denn dem einseitigen Haffe und der Eingenommenheit von vornherein blieben die Schätze des Talmuds verschloffen. Wir unsererseits werden es den christlichen Theologen nicht verübeln, wenn sie auch nur aus solchen einseitigen Absichten den Talmud studiren, sobald sie nur die vom Verfaffer aufgestellten Bedingungen erfüllen, die Vorurtheile fahren zu laffen und nicht den Zweck zu verfolgen, Dinge herauszuklauben, durch welche sie Talmud und Judenthum zu schmähen scheinbare Gründe finden. Ein solches ernstes Studium in wahrhaft wissenschaftlicher Methode erweist nun die vorliegende Schrift, deren Titel ist: The Fragment of Talmud Babli Besachim of tlie ninlh ur teiith Century, in the Univcrsily Library, Cambridge, cdited, with notes and an autotype Facsiinilu, by AY. II. Lowe,!M. A., Hebrew Lecturer of Christ- College. Cambridge: Leighton, Bell, and Co. 1879. Auch mit dem hebräischen Titel: ptt'VT v6 122 by nuS min '-12*12 Ü22 Tit^nn rrc« mpr.n2 cn22n *ipj;2 jui: pr t 2-122 ^*25 Tw»x '22 ncsn msa smp Tb -nsr d:Vt und s\sm2M*2jksp2 narnn iiw .mrr:n ryz rptyan rroii». ia\s urnan n'22 zr/ci r,:*w*2 narnn na*x 212m’ n'22 N\xi2N2:Np Aw’wm VTiSh 'H2 Tas Buch bringt uns ein ansehnliches Fragment von Peßachim aus der ältesten Handschrift babylonischen Talmuds, nämlich aus dem neunten oder zehnten Jahrhundert, und dies ist dem Verfasser um so angenehmer, als das Peßachopfer für die christliche Glaubenslehre von so hohem Wcrthe sei. Ein sehr genauer Abdruck des Fragments ist von einer photographischen Abbildung einer Seite des Manuskripts sin zwei Columnen) begleitet. Hieran schließen sich nach einer Beschreibung des Manuscriptcs kritische Noten zu dem Texte sorgfältigster Art, das alphabetarische Register der Namen der .Kapitel der Mischna und umfängliche Noten hierzu, sowie endlich reiche bibliographische und biographische Notizen betreffs der in den vorangegangenen Anmerkungen citirten Werke und Schriftsteller. Nach dieser Anlage werden natürlich viele Gegenstände in diesem Werke besprochen und abgehandelt, die, genau betrachtet, nicht nothwendig waren, welche jedoch dem gelehrigen Schüler die Aussichten und Wege zu einem gründlichen Studium eröffnen und selbst für den Sachkenner manche bereichernde Ausbeute bieten. Können wir an dieser Stelle in Details nicht eingehen, so sprechen wir doch dem Verfasser für seine Leistung unsre volle Anerkennung aus und wird Derjenige, der sich wissenschaftlich mit dem Gegenstände beschäftigt, des Werkes nicht entbehren können. Bonn, 7. Juli. Der „Jllustrirte Jüdische Kalender von Julius Meyer in Halberstadt" ist auch im zweiten Jahrgang für 5640 erschienen. Wir hatten den ersten Jahrgang besonders wegen seiner hübschen Ausstattung zu loben, und diese ist in dem zweiten Jahrgang dieselbe geblieben. Dagegen haben wir über den Inhalt unser Bedenken zu äußern. Zunächst sind die Illustrationen geradezu häßlich ausgeführt und stellen — außer dem höchst mißlungenen Bildniß von Moses Mendelssohn — jüdische Carricaturen dar, über welche jeder Jude, wenn er sie in den „Fliegenden Blättern" oder dgl. findet, sich sehr ärgern würde, und die um so mehr in einem für Juden bestimmten Büchlein sehr geschmacklos sind. Dann die Novelle „Progreß" von Friedrich Rott. Sie ist tendenziös gegen die Mischehen gerichtet. Dies ist an und für sich gewiß nicht tadelnswerth. Aber wenn die Verhältniffe so unnatürlich und gezwungen, die Vorgänge so outrirt und auf die Spitze getrieben sind, verfehlt man sicher die beabsichtigte Wirkung. Dabei wimmelt der Druck von Fehlern. Besser am Platze ist die Biographie Moses Mendelssohn's. — Nachträglich noch eine „Rede zur Feier der silbernen Hochzeit des österreichischen Kaiserpaares von Dr. Hosea Jacobi, Oberrabbiner (Agram, Hartman, 1879)", sehr wohlgemeint und herzlich in lebhaft anregender Sprache. — 2p>'^ Gottesdienstliche Vorträge von Salomon Lengsfelder, Rabbiner in Reichenau (Böhmen). Erstes und zweites Heft, Selbstverlag des Verfassers, 1878, 1879. Obschon diese Predigten keine Musterreden sind, wofür der Verfaffer sie auch nicht ausgiebt, obschon sie in der Form bisweilen mangelhaft, in der Sprache nicht immer correct sind, können wir an ihnen doch nicht ohne großes Interesse vorübergehen, und machen insbesondere die jüngeren jüdischen Kanzelredner auf sie aufmerksam. Das Letztere, weil sie von diesen Vorträgen hinsichtlich der Behandlung der Schrift- und Midraschstellen an Sinnigkeit und Mannichfaltigkeit Vieles lernen können, und der reiche Stoff mit großer religiöser Wärme, einer tiefgehenden religiösen Begeisterung behandelt ist. Das Interesse aber, das uns diese beiden kleinen Sammlungen abgewinnen, liegt in der eigenthümlichcn Gefühlsweise des Verfassers. Er gehört zu den älteren Rabbinern unserer Zeit — er hat bereits sein 40jähriges Rabbinatsjubiläum gefeiert — welche von der früheren Erscheinungsweise des Judenthums so viele Formen haben schwinden sehen, die sie für integrirende Theile des Judenthums erachten, ohne daß sie dafür einen Ersatz in einem Wachsthum des sich anders ausprägenden religiösen Geistes und Lebens gewahren können. Es gehtihnen wie einein