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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-07-08 · Heft 28 (8.7.1879) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 28 (8.7.1879)
Date
1879-07-08
Page
Seite 444 (sequence 12)
Language
German
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444 e'mgegangen seien. Dr. Brann-Breslau gab darauf eine eingehende Erläuterung der Disposition und der Einzelbestimmungen des Statuts. Nach mehrstündiger Debatte, die sich besonders mit der Höhe der Beiträge und der zu zahlenden Unterstützungen beschäftigte, wurden die einzelnen Paragraphen' mit überwiegender Majorität und endlich der ganze Entwurf mit Einstimmigkeit genehmigt. Im Anschluß an die Verathung wurde sofort die Wahl eines Schatzmeisters, der dem Vorstand als ordentliches Mitglied angehört, vorgenommen. Herr Bankier Fedor P rings heim-Breslau wurde zum Schatzmeister und darauf die Herren Held- Breslau, Saul- Kosten und S ch i n dler-Bernstadt zu Revisoren gewählt. Der Schriftführer erstattete sodann Bericht über die Verhandlungen, welche der hiesige Generalbevollmächtigte der „Victoria zu Berlin, Allgemeine Versicherungs-Actiengesellschast", Herr I. Wagas, mit dem Vorstande angeknüpft hat. Danach proponirt die Gesellschaft dem Verein einen Vertrag, auf Grund desien die Vereinscasie als Gegenleistung dafür, daß der Vorstand div Versicherung der Vereinsmitglieder bei der Victoria in Berlin zu fördern sich verpflichtet, von jeder Todes- und Lebenssall-Versicherung eines Mitgliedes für sich, seine Frau oder seine Kinder fünf pro Mille der Versicherungssumme, und außerdem vom zweiten Versicherungsjahre ab laufend von den wirklich baar eingehenden Prämienbeträgcn bei Todesfall-Versicherungen zwei Procent, bei Lebensfall- Versicherungen ein Procent erhält. Redner weist namentlich darauf hin, daß die Victoria mit zahlreichen Lehrer- und Pestalozzi-Vereinen Preußens, insbesondere mit dem „Deutschjüdischen Lehrerverein" und der „Achawa" und dem „Schlesischen Provinzial-Lehrerverein", bereits vor Jahren ähnliche Verträge abgeschlossen habe. Der Vorstand wurde darauf mit großer Majorität ermächtigt, den Vertrag mit der Victoria abzuschließen. Als Terinin für die zweite ordentliche Generalversammlung wurden die Psingstfericn 1880 und als Ort Lissa lPosen) in Aussicht genommen. vermischtes. Virchow und die Rumänen. Die Rumänen behaupten noch immer, Juden, Deutsche und Slaven seien in ihrem Lande Fremde, und sie allein hätten als Abkömmlinge der Römer das Recht, die Länder an der untern Donau zu bewohnen. Wie faul es mit diesem Rechte steht, haben wir nach den Forschungen Rösler's und Schuchardt's im Jahrg. 1872, S. 581 nachgewiesen und verweisen auf diesen interessanten Artikel. Unter Trajan nach Dacien gebracht-- muße-schonunter-Aurelian die römische Colonie in das Innere der Hämushalbinsel verlegt werden. Da schweigt ein Jahrtauseud die Geschichte, und erst im 13. Jahrhundert kamen bulgarisirte Abkömmlinge als Hirten in die öden Striche nördlich der Donau. Welcher Race aber eigentlich die Rumänen sind, darüber folgende ergötzliche Geschichte. Man schreibt einem Berliner Blatt aus Bukarest: Herr Professor Virchow wird wohl inzwischen von seiner großen Reise nach Troja zurückgekehrt sein, er wird sich von ihren Strapazen erholt haben, und auch von den Strapazen der Zeit, die er hier in Bukarest verlebt und in der man den deutschen Gelehrten gefeiert hat, wie selten einen Ausländer in der Hauptstadt des vereinigten Moldau-Wallachischen Fürftenthums. Aber es ist vielleicht noch nicht zu spät, eine besonders pikante Geschichte zu erzählen, durch die der berühmte Forscher sich hier in Bukarest allerdings nicht sehr viele Sympathien erworben hat. ... Zu ihrem vollsten Verständniß muß vorausgeschickt werden, daß Dacio, das alte Land an der unteren Donau, ursprünglich eine römische Straf-Colonie gewesen ist, daß sich aber die Rumänen nicht wenig darauf einbilden, als „Nachkömmlinge der alten Römer" zu gelten und daß von ihrem, weiß Gott, nicht geringen Nationalstolz auf diesen einen Umstand — die Abstammung von den alten Welteroberern — kleine Dreiviertheile entfallen. Bei einem Diner, das ein deutscher Arzt und Gelehrter zu Ehren Virchows veranstaltete, war es nun, wo der berühmte Berliner Naturforscher und fortschrittliche Professor mit den Eapacitäten der rumänischen .Diplomatie, der rumänischen Gelehrten- und Literatenwelt zusammen kam. Nachdem inan ihn gefeiert und gepriesen, erhob er sich und hielt einen Speech, in dein er sich etwa wie folgt vernehmen ließ: Er sei der Zeit seines Aufenthaltes in Bukarest außerordentlich dankbar, denn er habe hier eine vollkommene Bestätigung für eine alte Annahme, die er längst gehegt hätte, gefunden. Je mehr er die Schädel der Rumänen betrachte, um so mehr würde er in der Ueberzeugung bestätigt, — und diese Ueberzeugung stehe nun bei ihn: vollkommen fest — daß die Rumänen durchaus tatarischen Ursprungs seien. . (Etwas lange Gesichter seitens der Herren Moldau- Wallachen, von denen aber der Professor in seinem wissenschaftlichen Interesse nichts merkt.).„Sehen Sie, Herr Fürst fuhr er zu seinem Nachbar gewendet fort, „zeigt Ihr eigener Schädel nicht in vollkommener Reinheit den tatarischen Typus?" . (Unbeschreibliche Verwirrung seitens des Fürsten X., eines auch im Auslande sehr bekannten nunänischen Staatsmannes.). Aber es sei etwas anderes zu erwähnen. Dacien sei bekanntlich eine altrömische Eolonie für die aus Rom fortgeschicktcn Verbrecher gewesen, und wie dies nun so ginge, wie ähnliche Erscheinungen auch im äußersten Osten Deutschlands zu beobachten seien, wo die an Zahl geringeren Germanen doch den slavischen Typus vollkommen beeinflußt hätten, so sei dies denn auch hier geschehen. Die an Zahl geringeren römischen Verbrechen hätten den ur-

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