Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1879)
- Date
- 1879-07-08
- Page
- Seite 442 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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442 Religion Israels und den reichen Gedankeninhalt derselben mit' Formen und Umständen herausabstrahirt. . Allerdings verliert tieferer psychologischer und historischer Beobachtung aufzufasten I hierdurch nicht selten das religiöse Element an positiver Gr¬ und durchzuarbeiten, so daß jene in neuer, anziehender Gestalt! staltung und Begründung. Aber der Hauch des philosophischen erscheinen und erhebend auf das religiös-sittliche Bewußtsein Geistes und einer tiefen Ueberzeugung, der alle Reden des wirken. — Entrctiens sur le judaisme, son dogme et sa J Verf.'s durchweht, entschädigt hinreichend, und Niemand wird morale, par E. Aristide Astruc, Grand-Rabbin de Belg-upie.' dieses Buch aus Händen legen, ohne von der edlen Atmo- Paris. Lemerre, 1879. Diese Entretiens bezeichnen Kanzelj sphäre, in welche daffelbe versetzt, sich ergriffen und gehoben Vorträge, die der Vers, in Paris und Druffel gehalten hat.j zu fühlen. Man wird dies schon angedeutet finden, wenn man Herr Astmc hat einen edlen, fein gebildeten Geist, der sich in'auf die Themata dieser Vorträge blickt: „Was Gott fordert: einer eleganten und schwungreichen Sprache auszudrücken ver- Gerechtigkeit, Liebe, Demuth." „Der Messias: Wiffenschaft, steht. Er faßt seine Gegenstände von einem höheren, allgej Friede, Brüderlichkeit." „Der moderne Materialismus." „Die meinen Standpunkte auf, und seine Tendenz geht dahin, den! leichten Gewissen." „Befreiung und Pflicht: Treue, Einigkeit." Wahrheiten und Lehren unsrer Religion den allgemeinsten,? „Der Fanatismus Israelis." „Humanität und Judenthum." menschheitlichen Werth nachzuweisen und sie im Einklang und Zusammenhang mit den fortgeschrittensten Ideen unsrer Zeit zu zeigen, sofern diese nicht in das Extrem des Unglaubens und des Materialismus verfallen sind. Dies gelingt ihm auch zumeist, sobald man den Gedankeninhalt aus den geschichtlichen ,Das Peßachlamm: Seied mit den Verfolgten." „Moses: Jrrthümer der alten Welt," u. s. w. Denen, die mit religiöser Belehrung eine auch sprachlich bildende religiöse Leclüre verbinden wollen, empfehlen wir dieses Buch angelegentlich. Jeuit (Korrespondenz. Breslau, 23. Juni 1879. Der Verein israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen hielt Montag, den 2. Juni c. seine erste ordentliche General- Versammlung unter Betheiligung von ca. 50 der hiesigen und auswärtigen Mitglieder ab. Um 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Vorstandes, Dr. Samuelsohn -Breslau, die Sitzung, indem er die Erschienenen mit herzlichen Worten begrüßte. Im Anschluß daran erstattete er über die Thätigkeit des Vorstandes Bericht. Als die Frucht mühevoller und langwieriger Verhandlungen liegen der Versammlung die Entwürfe der Statuten für den Lehrerverein und für die zu gründende Unterstützungscaffe derselben zur definitiven Beschlußfassung vor. Im Laufe des ersten Halbjahres seiner Thätigkeit hat der Verein, und zwar besonders durch das energische Wirken der Herren Vertrauensmänner, 102 Mitglieder gewonnen 'seit dem 2. Juni ist die Zahl auf 110 gestiegen). — Darauf legte der Schriftführer Er. Brann-Breslau Rechnung über den Stand der Easte ab und erhielt einstimmig von der Versammlung Decharge. — Als dritter Punkt der Tagesordnung war das provisorische Vereinsstatut zu berathen. Dr. Brann erörterte in kurzen Worten die dem Statut zu Grunde liegenden Principien. Er wies darauf hin, daß die Tendenz des Vereins und die wesentlichen Bestimmungen über die Mitgliedschaft bereits durch die Beschlüsse der Versamnckung vom 25. December x. festgesetzt seien. Danach bezloeckt der Verein die sociale und intellectuelle Förderung, sowie die f e t o n. materielle Sicherstellung der jüdischen Lehrerschaft in Schlesien und Posen. Das Statut wurde im Allgemeinen nach den Vorschlägen des Vorstandes genehmigt. Darauf erfreute Herr Rabbiner Er. Joel-Breslau die Versammlung durch eine höchst geistvolle und gelungene Improvisation. Zuvörderst bat Redner um Entschuldigung, daß eine unerwartete Häufung von Amtsgeschäften ihn nicht zur Ausarbeitung eines Vortrags habe kommen lasten. - Jndeß auch diese Verlegenheit sei in gewissem Sinne ein Vorzug. Denn besonders für diese erste Versammlung sei es gewiß ersprießlich, wenn er davon rede, was ihm und seinen Zuhörern zumeist am Herzen liege. Was die heilige Schrift von Nahel sagt, das gelte, wenn auch nicht völlig, von dem Judenthum der Gegenwart. Nicht die Religion, wohl aber die Religiosität sei in Gefahr. Und die jüdische Lehre rufe gleichsam den Erziehern der Jugend zu, wie dereinst Rahel ihrem Gatten: bringe mir die Kinder. Es habe sich jüngst ereignet, daß jüdische Jünglinge an einen hiesigen Gelehrten, besten jüdische Abstammung sie aus dem Eonversationslexicon erfahren hatten, ein Schreiben gerichtet haben, in welchem sie ihm erzählten, sie hätten in ihrer Kindheit Unterricht empfangen in der Bibel, im Ritus u. s. w., aber dieser Unterricht habe ihnen keine Waffen gegeben, sich und ihren Glauben zu vertheidigen gegen die mannichfachen Angriffe, die sie in ihrem Verkehr mit Nichtjuden tagtäglich hören müßten. Sie stünden rathlos und wendeten sich an ihn u,n Hülfe. Diese Thalsache habe eine allgemeine Bedeutung. Man könne ihre Wucht nicht vermindern mit der Rede, so handle die Jugend im Sturm und Drang überschwänglicher Gefühle, da ja selbst sonst hoch-