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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-07-08 · Heft 28 (8.7.1879) · p. Seite 440

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 28 (8.7.1879)
Date
1879-07-08
Page
Seite 440 (sequence 8)
Language
German
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44Ö selbst abhängt, diesen Weg herbeizuführen durch die offenmüthige Annahme des Berliner Vertrages! Nedaction.) Bukarest, 26. Juni. (Pol. Corr.) Der Senat hat sich dafür ausgesprochen, daß der erste Schritt zur Vorbereitung des Gesetzentwurfs betreffs der Lösung der Judcnfrage von' den Kammern gethan werden sollte. Der Senat hat eine Commission nicdergesetzt, welche im Einvernehmen mit der Negierung sich dieser Arbeit unterziehen soll. Bonn, 29. Juni. (Notizen.) Die vom „Berliner Tagebl." zuerst gebrachte Nachricht, daß der vor einiger Zeit vom Stadtgericht wegen nihilistischer Umtriebe verurtheilte russische Student Moses Aronson nach Verbüßung seiner Strafe nach Rußland ausgcliefert worden sei, ist nach einer Darmstädter Correspondenz der,Frank. Ztg/ nicht richtig, denn der Genannte traf, wie der Correspondent mit aller Bestimmtheit wiffen will, am Abend des 16. d. in Begleitung zweier Berliner Schutzleute im Darmstädter Provincialarresthaus ein und lvurde am folgenden Morgen nach Karlsruhe dirigirt, wo er seinen Studien obliegen kann. — Auf die Länge hätte es doch verwundern müssen, daß in die gegenwärtige ägyptische Verwirrung noch kein Jude hereingezogen worden. Dieser Mangel ist nunmehr ausgefüllt. Die „Voss. Ztg." vom 28. Mai theilt aus Kairo mit, daß in Paris jetzt ein arabisches Wochenblättchcn erscheine, welches in drastisch-satyrischcr Weise den Khedive, seine Umgebung und alle seinen intimen Verhältnisse schildert, in Aegypten natürlich mit Beschlag belegt, aber um so mehr verbreitet wird. Das Blatt hat aber auch seine sehr ernste Seite, denn regelmäßig wird in ihm in einen Dialog mit einem Fellah der unerträgliche Druck geschildert, den der jetzige Khedive auf das arme Volk ausübt, und daß bessere Zeiten nur unter einem besseren Herrscher, und zwar hoffentlich bald kommen würden. Der Herausgeber des Blattes ist ein Jude, Jakob Sauna, genannt Abu-Nadassah, ein früherer Günstling des Khedive, der vor dessen Rache wegen einer zu freien Aeußcrung fliehen mußte. Derselbe soll außerordentliche Sprachkenntnisse besitzen, Arabisch, Türkisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Polnisch, ja sogar Russisch und Ungarisch sprechen und schreiben. Er lebte hier lange Jahre als „Professor", gab des Morgens in allen reichen Familien, bei den Prinzen, Paschas und dem Khedive Sprach- und sonstigen Unterricht, wodurch er ganz ungewöhnlich in alle Verhältnisse einzudringen vermochte. Er war als Dichter, Erzähler und eine Art ägyptischer Hofnarr, der Vielen die Wahrheit sagte, sehr populär. Später fiel er bei dem Khedive wegen einer freimüthigen Aeußerung in Ungnade, und da ihm Freunde zur Entfernung riethen, sie sprachen sogar von einer möglichen Vergiftung durch Leute des Khedive, so ging Abu- Nadassah nach Paris. — Daß jetzt die Juden auf politischem Gebiete ihr Contingent überall hin stellen, zum Guten wie zum Schlimmen, dafür zeugt auch folgende Nachricht aus Graz (Steiermark) vom 23. Juni: Heute begann hier wieder ein Proccß gegen Parteigänger der Italia irredenta, die des mehrfachen Hochverrathcs angeklagt sind. Die noch sehr jugendlichen Angeklagten heißen: Giacomo Venetian, 17 Jahre alt, Gymnasialschüler, Vittore Venezian, 19 Jahre alt, Handelsagent, und Salvatore Bazzillai, 18 Jahre alt, italienischer Unterthan. Alle drei sind israelitischer Religion und in Triest wohnhaft, wo sie auch Mitglieder eines revolutionären Actionscomitos waren. Vittore Venezian ist überdies noch der Beleidigung eines Mitgliedes des kaiserlichen Hauses beschuldigt. Die Angeklagten waren an den Demonstrationen betheiligt, welche sich in letzter Zeit in Triest ereignet haben; einer derselben ist für seine ,Erfolge^ durch ein Schreiben Garibaldis belohnt worden. Die Verhandlung wird geheim geführt und dürfte drei Tage dauern. — Man theilt aus Paris mit, daß die Wittwe des berühmten Componisten F. Haldvy, Bildhauerin, die Büste des Professor Franck vollendet hat. — Man schreibt uns aus München vom 27. Juni: Bei der hiesigen juristischen Faeultät hat die diesjährige Preisaufgabe der Rechtspractikant Moritz Obermeier (Israelit) gelöst und wurde ihm für die treffliche Bearbeitung des Thema's das größte Lob von Seiten der Faeultät erthcilt. — Aus Karlsruhe schreibt man neuerdings: Student Aronson aus Mohilcw wurde von hessischer Polizei hierher gebracht, von hiesiger empfangen und über die Grenze nach Basel befördert, wo er sich auf der dortigen Universität (medicinische Faeultät) inscribiren ließ. —lieber den oben aus Graz mitgetheiltcn Proceß sowie über den Allsgang desselben theileN wir noch Folgendes mit: Angeklagt in mehrfacher Richtung sind der 17jährige Giacomo Venetian, Sohn des Arztes Dr. V. Venetian, der 20jährige Vittorio Venetian, Sohn des Handelsmannes Joseph Venetian, und Salvatore Barzi l ai, 19 Jahre alt, Erstcrer und Barzilai absolvirte Gynmasial- Studenten, Vittorio Venetian Handelsagent, sämmtlich aus Triest. Den Angeklagten wird vorgeworfen, daß sie sich der in Trieft bestehenden Verbindung, Triest und das Küstengebiet von Oesterreich loszutrennen, angeschlossen, daß sie hierauf abzielende Correspondenzcn an die i» Venedig erscheinende Zeitung Adriatieo eingeschickt und Subscriptionen für ein Album eingeleitet, welches dem General Garibaldi mit einem Titelbilde ärgster Beschimpfung Oesterreichs überreicht worden ist. Als Vertheidiger fungirten in diesem Processe die Advocatcn Dr. Kosjek, Dr. R. v. Schreiner und Dr.Neumaier. Den Geschwornen wurden 17 Fragen, thcils auf Hochverrath, theils auf öffentliche Ruhestörung, vorgclegt. Erstere Fragen wurden einhellig, letztere mit Majorität verneint. Die drei Angeklagten wurden sohin fr ei gesprochen und enthaftet. Bonn, 29. Juni. (Literarische Notizen.) Geschichte der Juden am Bodensee und (in dessen) Umgebung. Nach ge-

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