Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1879)
- Date
- 1879-07-08
- Page
- Seite 439 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227231-3227260--37285-3256682- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
439 wir dem transdanubischen Rumänien eine Organisation geben, wird der Senat trachten, den Einwohnem eine gesetzliche und freie Verwaltung zu schaffen, welche ihren Bedürfniffen entspricht, mit ihren Sitten übereinstimmt und nach Maßgabe ihrer Fortschritte sie immer mehr mit den Einrichtungen des rumänischen Staates vertraut macht. Glauben Sie, Hoheit, daß der Senat, ungeachtet aller Schwierigkeiten, welche er zu überwinden haben mag, sich doch stets auf der Höhe seiner Mission halten und alle seine Vaterlandsliebe und Intelligenz aufbieten wird, um die Rechte des rumänischen Volkes zu verthcidigen und seine Bedürfniffe zu beschützen, um auf diese Weise die Grundpfeiler unseres nationalen Gebäudes zu consolidiren und Rumänien zu der Stellung zu erheben, welche ihm in dem Concert der großen europäischen Familien zukommt. Indem wir daran arbeiten, haben wir die Ueberzeugung, daß wir für alle Kinder des Landes eine neue Aera des Fortschrittes, des Gedeihens und Glückes herbeiführen werden, als eine gerechte Belohnung der langen und schweren Opfer, welche sic gebracht haben, um die Unabhängigkeit des rumänischen Staates zu begründen. Wir wünschen Eurer königlichen Hoheit, ebenso wie Ihrer königlichen Hoheit der Fürstin, daß Sie lange und glückliche Jahre auf dem Throne des freien und unabhängigen Rumänien erleben mögen." Der Entwurf der Commissions-Minorität, welcher allein von dem Senator Georg Manu unterzeichnet ist, unterscheideti sich von dem Entwurf der Majorität durch eine weniger höf- : liche Sprache und sagt in seinem Eingänge, daß das Beste an I der Thronrede die Stelle sei, nach welcher weder die früheren' Kammern, noch die Regierung der Entscheidung der großen! Frage präjudicirt hätten, und daß die europäischen Großmächte! keine Lösung derselben verlangen könnten, welche den Interessen! Rumäniens zuwiderläuft. Alsdann spricht General Manu die! Erwartung aus, daß die Negierung, dem Senate einen Vorschlag zur Lösung der Frage machen wird, welchen Letzterer« mit reiflicher Ueberlegung prüfen werde; schließlich sagt der! Adreßentwurf der Commissions-Minorität dem Fürsten, daß,! wenn bei den Wahlen keine Unordnungen vorgckommen seien,! dies nur der Weisheit des rumänischen Volkes und der Mäßigung * der Wähler zu danken sei. — Wie wir schon gemeldet, nahm! der Senat den Adreßentwurf der Majorität mit 35 gegen 1H Stimmen an. Bukarest, 23. Juni. Die Kammer nahm mit 09 gegen 9 Stimmen die von der Regierung befürwortete Adresie als Antivort auf die Thronrede des Fürsten Carl an. — Morgen findet eine geheime Sitzung des Senats und der Kammer statt, in welcher über die Frage bezüglich der Stellung der Juden' verhandeltwerden-soll-- j Die oben erwähnte Adreffe der Deputirtenkammer lautet:!? * Hoheit! Die nationale Versammlung, welche das Land gewählt hat, um den wichtigen Act der Revision seiner Grundgesetze vorzunehmen, schätzt sich glücklich, bei Beginn ihrer Arbeiten dem mächtigen Vertheidiger unserer constitutionellen Einrichtungen, dem muthigen Vertreter unserer Rechte und unserer nationalen Bestrebungen ihre Ehrfurcht bezeigen zu dürfen. Die Ruhe und Gesetzlichkeit, tvelche bei den allgemeinen Wahlen geherrscht haben, sind ebenso wie der patriotische Eifer der Wähler, welche ihr Wahlrecht zahlreicher als irgend jemals ausübten, ein doppelter Beweis der Befestigung der repräsentativen Einrichtungen, die sich mit unseren Gewohnheiten identisicirt haben, und der Bangigkeit der Nation bezüglich der Revision des Artikels 7 der Verfassung. Das Land empfindet das dringende Bedürfniß, den Beunruhigungen zu entgehen, welche seit langer Zeit seine Thätigkeit absorbiren, um alle seine Anstrengungen den inneren Verbesserungen widmen zu können. Diese Verbesserungen drängen sich uns unter der Befürchtung auf, daß wir späterhin nicht die nothwendigen Hilfsmittel finden möchten, um den friedlichen, aber unerbittlichen Kampf aufzunehmen, welchen die. Völker sich gegenwärtig auf dem nationalen und ökonomischen^ Terrain liefern. Die definitive Organisation der Dobrudscha, die Errichtung einer Escompte- und Circulationsbank, der Bau von Entrepöts und Docks, die Reorganisation und Entwicklung des professionellen und agricolen Unterrichtes, die Einrichtung agricoler Versammlungen, ebenso wie die Gründung agricoler Banken, der Erlaß von Gesetzen, tvelche der Wälderverwüstung Einhalt thun und die Minen-Jndustrie fördern, die Ausdehnung der Connnunications-Mittel und Straßen sind ohne Zweifel ebenso viele Verbesserungen, die von den Bedürfnissen des Landes verlangt werden; aber durch die Einführung dieser Verbesserungen werden dein Lande noch nicht alle die Vortheile erwachsen, tvelche dieselben mit sich bringen würden, wenn man sich zuerst bemüht, die praktischen Mittel aufzufinden, mn sie zu rcalisiren. Auf diese Mittel muß in Zukunft die ganze Aufmerksamkeit der Regieruttg und der legislativen Gewalt gerichtet sein, damit die Verbesserungen, welche die Gesetze vorschreiben, nicht unangetvendet bleiben, sondern dem Lande einen wirklichen Fortschritt verbürgen. Der Tag, an tvelchem Rumänien diesen Weg seiner inneren Aufrichtung durch eine tvohlvorbereitete Arbeit, die nicht mehr durch Fragen tvie die, welche uns seit so langer Zeit aufregt, unterbrochen würde, einschlägt, würde der glückliche Tag sein, welcher in der That dem Lande eine Aera des Gedeihens und der Kraft eröffnet. Dann erst ivürde die ruhmvolle Mission der Negierung Eurer königlichen Hoheit, welche bereits mit dem Lorbeer des Krieges geschmückt ist, mit dem noch unvergänglicheren Lorbeer des Volksglückes geschmückt sein." (Es läßt sich hierzu bemerken, daß es ja von den Rumänen