Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1879)
- Date
- 1879-07-08
- Page
- Seite 438 (sequence 6)
- Language
- German
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438 Reihen zu finden und fie bieten in dieser Beziehung manchen! anderen ein nachahmungswerthes Beispiel. Dies hat sich beispiels-j weise wieder ergeben bei dem aus Anlaß der goldenen Hoch-! zeit des Kaiserpaares am Sonntag in der hiesigen Synagoge gehaltenen Gottesdienste rc." Ebenso haben ja an sehr vielen Orten bei dieser Gelegenheit Glaubensgenossen bedeutende wohlthätige Spenden und Stiftungen gemacht. Hierbei ist nicht zu übersehen, daß bei solchen Kundgebungen gerade seitens der jüdischen Gemeinden die reine patriotische Gesinnung und auch nicht der entfernteste eigennützige Zweck vorwaltet, da bekanntlich in Preußen noch ' keine einzige jüdische Gemeinde sich einer Berücksichtigung aus Staatsmitteln zu erfreuen gehabt hat. — Oesterreich-Ungarn. Bonn, 27. Juni. Wir fahren mit dem Bilde der in der gegenwärtigen Wahlbewegung für den Reichsrath innerhalb unsrer galizischen Glaubensgenossen hervortretenden characteristischen Momente fort: Man telegraphirt aus Lemberg: Die Nachricht vom Austritt des Rabbiners Ornstein aus dem polnischen Central-Wahlcomitcwird competenterseits vollständig aufrech tcrhalten. Zwar versuchte man, den Rabbiner zur Zurücknahme seiner dem Secretariat des Central-Comitös bereits übergebenen, in entschiedener Form abgefaßten Austritts-Erklärung zu bewegen; diese Bemühungen hatten aber nur den Erfolg, daß Ornstein an den Fürsten Czartoryski ein anderes Schreiben richtete, worin er ausdrücklich erklärt, „daß er an den ferneren Berathungcn des Central-Comitas nicht mehr theilnehmcn werde." Die der „Neuen Freien Presse" vom Central- Comitü selbst telegraphisch zugesendete Berichtigung, daß Ornstein noch immer Mitglied des polnischen Central-Comitös sei, ist daher ganz und gar unrichtig. Man telegraphirt aus Krackau: Eine Versammlung jüdischer Wähler beschloß heute, nur solche Männer ohne Unterschied der Confession in den Reichsrath zu wählen, welche national-liberalen Interessen Rechnung tragen. Gleichzeitig wurde ein Wahlcomitü aus zwölf Mitgliedern gebildet, mit der Aufgabe, in gedachtem Sinne zu wirken und geeignete Candidaten zu nominiren. Man telegraphirt aus Lemberg: In Zloczow candidirte gestern Dr. Gottlieb, der einstimmig als Candidat des dortigen Stadtbezirkes ausgestellt wurde. — Der Krakauer Rabbiner, Schreiber, erhielt von einflußreicher Seite die Aufforderung, seine Candidatur im Kolomeaer' Städtebezirk zurückzuziehen. — Przcimisl, 25. Juni. (Privatmitth.) Die jüngst hier stattgesundenen Stadt-Gemeinderaths-Wahlen sind für uns so günstig ausgefallen, daß in der 2. Wahlclasse ausschließlich! Juden u. z. 12 als Gemeinderäthe und 6 Substituten, und < in der 3. Classe 4 als Gemeinderäthe gewählt wurden. Der! neugewählte Gemeinderath sollte demnach eine Hälfte Juden in sich bergen. Dieses Resultat muß jedoch nicht dem blinden Glücke oder wem sonst zugeschrieben werden, thatsächlich sind es fast ausschließlich Juden, welche die zur Stimmfähigkeit in der 2. Classe nöthige Steuerquote zahlen Was thun jedoch unsere lieben Polen? Gegen die Wahl der 2. und 3. Classe muß Protest erhoben werden. Der Grund? Weil 16 Juden Gemeinde-Räthe. Die 1. Classe in der hinwiderum ausschließlich Christen gewählt, muß unbehelligt bleiben. Gesagt, gethan! Und — man sollte es doch kaum glauben — dieser Protest wurde trotz seiner Grundlosigkeit nach Wunsch der Protestler angenommen! . Bei solchen Thatsachen die hier zu Lande nicht selten sind, ist wohl die Frage gestattet, ob es wohl rathsam sein konnte, die Verfassungsfahne zu verlassen, um sich den Polen auf Gnade und Ungnade selbst auszuliefern? Eisig Gräber. Bulgarien. Sofia, 15. Juni. Die Conscribirung und Recrutiruna der einheimischen Juden hat begonnen. Serbien. Belgrad, 23. Juni. Der Ministerrath hat beschlossen, die große nationale Skupschtina behufs Lösung der Frage wegen der Stellung der Juden auf den 15. Juli einzuberufen. Rumänien. Bukarest 21. Juni. Gestern ist das Elaborat der Adreß- Commission des Senates an die Senatoren vertheilt worden. Dasselbe zerfällt in einen Entwurf der Majorität und einen der Minorität. Der erste lautet: „Hoheit! Der Senat hat mit Freuden bemerkt, daß während der Wahlperiode Ordnung herrschte. Die friedliche und weise Haltung der Bevölkerung, welche berufen war, sich über eine brennende Frage — wie die der Revision des Artikel 7 der Verfassung — auszusprechen, beweist, daß sie von dem Ernst der Lage durchdrungen ist und das Bewußtsein ihrer Pflicht hat, d. h. daß sie Europa beweisen will, daß sowohl in den '.Gefühlen wie in den Sitten der rumänischen Nation keine Spur von religiöser Intoleranz : vorhanden ist. Bei der Revision einer constitutionellen Bestimmung, welche der Senat berufen ist vorzunehmen, wird er weder vergessen, was wir dem aufgeklärten Geiste das Jahr- ■ Hunderts schulden, noch die Garantien, welche wir vor Allem i unserer nationalen Erhaltung und der Vertheidigung unserer ■ socialen und ökonomischen Interessen schuldig sind. Indem