Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1879)
- Date
- 1879-07-08
- Page
- Seite 437 (sequence 5)
- Language
- German
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437 desto erbärmlicher ist die innere Verwaltung. Die schnelle Unterwerfung Afghanistans ist ein neuer Beweis. Beide Erscheinungen also zusammengenommen machen das eigenthümliche Bild vom Islam der Gegenwart aus. Lemberg, 23. Juni 1879. Die Vorgänge in Galinen. Die Signatur der gegenwärtigen Verhältnisse der Juden in Galizien ist der Bruderzwist. Hier kämpfen Juden gegen Juden und verleiden einander auch das Wenige, was sie zu erringen mit aller verfügbaren Kraft hätten anstreben sollen. Abhanden sind ihnen die elementarsten Begriffe von bürgerlicher Stellung gekommen — und die Klausen haben ihre ganze Nichtsnutzigkeit in das Neffort der Politik hineingetragen. Zuvörderst beschloß der Winkelschreiber Margoschit den polnischen Blättern ad. captandam bcnovolcntiam zu erklären, der Verein Machsikei hadas wünscht keine Vertretung der Juden in dem Neichsrathe, die Brüder Polen werden es wohl besser thun. Die Nebbes hingegen meinten: a Jüd bedarf nischt zu sitzen im Reichsrath, er tuer nischt (es ist ihm nicht gestattet von Religionswegen), da er sonst das Joch des Golus nicht spüren wird. Als man aber gegen diese Perfidie in den jüdischen Blättern Lemberger Israelit, Wiener Israelit auftrat, verlangten sie doch auch vier Candidaten — aber „wahre Jüden" — Herrn Schreiber aus Krakau für Kolomea, Nb. Schmelkes für Przemhsl, Grodeck u. s. f. Natürlich freuen sich dessen die Polen und reiben sich vergnügt die Hände, denn sie haben es gar nicht nöthig, Juden zu wählen, da sie doch Polen genug haben, um die tvenigen Posten auszufüllen. Die Fortschrittsmänner Herr Jir. Byk, Gottlieb, Löwenstein rc. haben nun mittlerweile das reichstreue Banner mit dem polnisch-nationalen vertauscht und den Verein „Schomer Israel" arg compromittirt. All' Das wäre vermieden worden, wenn das Gemeindetagspräsidium auf den Vorschlag Ihres Referenten eingegangen wäre und den Gemeindetag vor sechs Wochen einberufen hätte. In jenem Kreise von Gemeindevertretern iväre es ein Leichtes gewesen, sich über die Zahl und die Person der jüdischen Candidaten zu einigen. Und es war ein Leichtes ohne Mithülfe der Polen, wenn die Juden einig waren, sechs Candidaten aufzustellen — ohne den harten Kampf gegen einander, ohne sich die Hände und den Mund gefesselt zu haben. So wären wir in der Lage, die Herren der Situation zu sein. Aber unsere Fortschrittsmänner verdienen den Vorwurf, daß ihnen jede Stabilität in ihrem politischen Charakter fehlt — heute Centralisten vorn reinsten Wasser, steuern sie morgen nach dem sicherem Hafen der Utilitätspolitik, wo Jesuitismus -und Gedankendiebstahl die landläufigste Münze bildet. Vor | der Hand sind die Matadore des Gemeindetags in sieberhafter Hast und irren unstät von Stadt zu Städtchen umher, verprassen die kostbarste Zeit mit Candidircn, resp. auch Agitiren; und haben selbstverständlich keine Muße für die Geschäfte des Gemeindetags. Die Eigenthümlichkeiten des galizifchen Juden j zeigen sich in der Verwirrung der Begriffe, in der Plan- und Principienlosigkeit, in dem Mangel an ausopferungsfähigen, j uneigennützigen Führern. In letzterer Beziehung sind die verstocktesten Finsterlinge unseren pur lbrce Fortschrittsmännern bedeutend vor — jene verstehen Vieles mit großer Seelenruhe zu ertragen, wenn es nur CEu uw^ gilt. Die Culti-! virung durch Heranziehung jenes Elementes auch zur weltlichen Wissenschaft wird erst die Eorrectur an unfern Brüdern aus Halbasien vollziehen. Was tvir daher dringend benöthigen zur Beschleunigung jenes Läuterungsprocesses sind jüdische' Schulen höheren und niederen Grades und eine Hochschule für jüdisches Wissen. Diesen langen Weg von Finsterniß zum hellen Sonnenlichte können ohne Beihülfe von außen nach dem gegenwärtigen Stande nicht im Handumdrehen unsere Brüder durchmachen, man müßte sie zu jenem Schritte auf alle erdenkliche Weise heranziehen. Da man aber in Galizien nicht gerne Geld giebt für „Dajtsch", so wäre es Ausgabe der Alliancen hier im Osten, wo der Sonnenaufgang lange schon aus seinem Dämmerlichte nicht hervorbrechen will, derlei Lichtpunkte für das Wiffen anzu legen. ‘ Bicrer. 2£eü:iui^6iiacßtxc&t€U/. Deutschland. Berlin, 2. Juli. (Privatmitth.) Die patriotische Gesinnung der Juden, tvelche, tvie Ihr Wiener Corresp. in vor. Nr. hervorhob, sich abermals bei Gelegenheit der silbernen Hochzeit des österreichischen Kaiserpaares aus vollem Herzen kundthat, bethätigte sich auch, ich möchte sagen selbstverständlich, bei der Feier der goldenen Hochzeit unsres Kaisers und seiner erlauchten Gemahlin. Es findet dies auch in weiteren Kreisen Anerkennung. So sagt der Stettiner Generalanzeiger vom 17. Juni: „Wo es sich um Kundgebungen des Patriotismus handelt, sind bekanntlich die jüdischen Gemeinden stets in den ersten